Gründungsjubiläum des Gebirgstrachtenvereins 'D'Schergenköpfler Altenau

Im Dorf halten die Generationen zusammen

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Blaskapelle Altenau beim Festgottesdienst am Kochel.

Altenau – Paula und Lukas sind in der Frühe immer ein bisserl aufgeregt; ganz so als würden es die Kaltblüter merken, dass ein großer Festtag bevorsteht – wie vergangenen Sonntag, als die beiden Rösser vor die Kutsche gespannt worden waren, um die Honoratioren der Gemeinde beim Festzug von der Dorfmitte hinaus zum Gottesdienst am Kochel zu bringen. Der Gebirgstrachtenverein 'D'Schergenköpfler Altenau' feierte das 80. Gründungsjubiläum. Gekommen waren eine Reihe von Ehrengästen wie Landrat Anton Speer und der Vorsitzende der Oberländer Trachtenvereinigung, Josef Mayr. Saulgrub-Altenaus Bürgermeister Ruppert Speer hatte die Schirmherrschaft übernommen, und führte mit den Gemeinderäten die Abordnungen der Ortsvereine an. Die Trachtenvereine aus Saulgrub und Unterammergau mit Trommlerzügen und Musikkapellen machten das bunte Bild perfekt.

Am Kochel – das ist ein Hügel etwas außerhalb Altenaus – war ein riesiges Holzkreuz und ein Altar aufgebaut. Pfarrer Rudolf Scherer erwartete den Jubiläumsverein und seine Gäste. Mit seiner Predigt erinnerte Scherer an die Anfänge des Trachtenvereines D'Schergenköpfler. Mitten in der gottlosen Zeit des Nationalsozialismus fanden sich zehn junge Männer und zehn Frauen zusammen, den Trachtenverein zu gründen: „Aus Sorge um die Heimat, das Brauchtum und die traditionelle Tracht ließ sich die Gründergeneration nicht in ihrer christlichen Überzeugung beirren. Getragen von einer tiefen Frömmigkeit.“ Einer der Gründerväter ist Andreas Singer (99), der für seine 80-jährige Mitgliedschaft bei den Schergenköpflern geehrt und mit einem langen Applaus bedacht wurde.

Im Dorf halten die Generationen zusammen

Eines fällt auch bei diesem Trachtenfest in Altenau wieder sofort ins Auge: die vielen Buben und Mädchen, die schon als ganz kleine Jungtrachtler in Dirndl und Lederhose beim Festzug mitlaufen und beim Gottesdienst ganz vorne sitzen, mitsingen und mitbeten. Der Vorsitzende des Trachtenvereines D'Schergenköpfler, Anton Schuster: „Wir haben in Altenau rund 200 Trachtenvereinsmitglieder, davon sind 27 Kinder und Jugendliche. Das ist bemerkenswert in einem Dorf mit etwa 800 Einwohnern.“ Der große Zuspruch an jungen Leuten ist ja nicht nur in Altenau groß, auch in anderen Trachtenvereinen des bayerischen Oberlandes ist 'die Jugend' stark vertreten. Das liegt natürlich an der hervorragenden Jugendarbeit in den Vereinen, wie der Vorsitzende der Oberländer Trachtenvereinigung, Josef Mayr, immer wieder sagt – dazu braucht es ehrenamtliche Betreuer, die mit viel Einfühlungsvermögen die Kinder an das traditionelle Brauchtum, an die Plattler und an die Musik heranführen. Es braucht aber auch Eltern, die ihre Tracht mit Selbstverständnis tragen, auch im Alltag aber zumindest an Sonn- und Feiertagen. Saulgrub-Altenaus Bürgermeister Ruppert Speer geht einen Schritt weiter. Kurz bevor sich der Festzug am Sonntag beim Feuerwehrhaus in Bewegung setzte, sagte er gegenüber dem KREISBOTEN: „Die Vereine sind das Rückgrad unserer Dorfgemeinschaft. Das gilt freilich nicht nur für den Trachtenverein, sondern auch für die Schützen, die Musikkapelle, die Feuerwehr, den Frauenbund – ich möchte gar keinen vergessen, auch die Aktiven in der Pfarrgemeinde nicht. Viele sind ja nicht nur in einer Organisation aktiv, sondern in zwei oder drei. Die Leute sind immer zur Stelle, wenn es darum geht, eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen oder eine Feierlichkeit zu organisieren. Alles ehrenamtlich!" Sie unterstützen sich darüber hinaus auch gegenseitig, wenn das Leben einmal nicht so rund läuft. Ruppert Speer sagt, dass eine Gemeinde viel dafür tun muss, die junge Generation im Dorf zu halten – da sind natürlich die Vereine mit ihren Jugendgruppen, aber auch Kindergarten und Grundschule im Ort gefragt: „Viele unserer jungen Leute müssen zum Arbeiten aus Altenau raus. Für uns als Gemeinde ist es wichtig, dass sie trotzdem im Ort ihre Heimat behalten können. Wir unterstützen das mit der gut durchdachten Ausweisung von Bauplätzen für Einheimische.“ Für Ruppert Speer hält das die Familien zusammen. Die Großeltern können sich gelegentlich um die Enkel kümmern. Und die Senioren wiederum werden bei Bedarf von den Kindern versorgt: „Das ist bei uns selbstverständlich!“

Das kann Landrat Anton Speer nur unterstreichen, der aus Unterammergau stammt und man es dort genauso sieht. Er ist begeistert vom dörflichen Zusammenhalt, wie er in Altenau gepflegt wird – und von der gelebten Tradition.

Von Günter Bitala

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