1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Garmisch-Partenkirchen

Halbammer-Kraftwerk: Ein Meilenstein für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen

Erstellt:

Von: Günter Bitala

Kommentare

Wasserkraftwerk
Groß war das Interesse, das neue Wasserkraftwerk an der Halbammer zu besichtigen. Auf dem Bild ist die Stauwehranlage zu sehen, etwa 100 Meter flußabwärts steht dann das Turbinenhaus. © Günter Bitala

Saulgrub-Altenau – Trotz des Regens kamen dutzende Menschen in den Bergwald bei Altenau-Unternogg; junge und ältere Bürger, Handwerker und Lokalpolitiker. Die Ammer-Loisach Energie GmbH hatte zur Inbetriebnahmefeier des Wasserkraftwerkes an der Halbammer eingeladen. Ein Meilenstein für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen, sagt Landrat Anton Speer: „Zur Energiewende brauchen wir den Strommix, und dazu gehört die Wasserkraft.“

Grüne Energie erzeugen

2012/2013 tüftelten die Bürgermeister der Ammertal- und der Loisachtalgemeinden an der Idee, die Stromvermarktung nicht mehr alleine den Großkonzernen zu überlassen, sondern in die eigene Hand zu nehmen. Treibende Kraft war Oberaus Bürgermeister Peter Imminger. Die Ammer-Loisach Energie GmbH – mit zehn Kommunen und dem Energieversorger Erdgas Südbayern als Gesellschafter – wurde gegründet; mit derzeit etwa 4000 Kunden. Geschäftsführer: Arno Nunn (damals noch Bürgermeister von Oberammergau) und Jürgen Hitz (Erdgas Südbayern). Saulgrubs Bürgermeister, Rupert Speer, erinnert sich, dass es bald nicht mehr alleine darum ging, Strom zu verkaufen, sondern ihn auch selber zu produzieren. „Grüne Energie“ sollte es sein, was passt besser als Strom aus CO2-freier Wasserkraft.

Spatenstich erfolgte 2020

Arno Nunn: „Den Spatenstich zum Wasserkraftwerk an der Halbammer setzten wir im September 2020. Zwei Monate später begannen die Bauarbeiten. Bereits im Dezember 2021 war das Kraftwerk soweit fertig, dass wir den ersten Strom probeweise in das Netz des Bayernwerkes einspeisen konnten. Nach Abschluss der Bauarbeiten und umfangreicher Funktiontests sind wir seit April 2022 in der Lage, die volle Leistung von jährlich 500.000 kWh Strom aus reiner Wasserkraft zu erzeugen. Das reicht für den Jahresverbrauch von 380 Haushalten.“

Wie Arno Nunn betont, wurden mit dem Bau des Kraftwerkes ausschließlich regionale Firmen beauftragt, um „die Wertschöpfung in der Gegend“ zu halten.

Andreas Rödl (Bürgermeister von Oberammergau) ist Aufsichtsratsvorsitzender der Ammer-Loisach-Energie GmbH: „Die Energiewende kann nur gelingen, wenn die Initiative dazu von den Bürgern ausgeht; und die Verantwortungsträger in Politik und Verwaltung mit an diesem Strang ziehen.“

Das unterstreicht Landrat Anton Speer in seinem Grußwort, in dem er sich als leidenschaftlicher Befürworter der Wasserkraft bekennt: „Es ist großartig, wenn Gemeinden den Mut aufbringen, viel Geld in die Energiewende zu investieren.“ Im Fall des Wasserkraftwerkes an der Halbammer sind es immerhin 1,5 Millionen Euro an reinen Baukosten.

Anton Speer bringt kein Verständnis auf, wenn die Bundesregierung mit dem Gedanken spielt, Kleinkraftwerke nicht mehr finanziell zu fördern: „Ich habe an den Bundeswirtschaftsminister geschrieben, und Robert Harbeck verdeutlicht, dass Kraftwerke, wie hier an der Halbammer ohne staatliche Hilfe niemals gebaut werden könnten.“

Dezentrale Stromversorgung

Mit dem Wasserkraftwerk an der Halbammer ist die Ammer-Loisach Energie GmbH den ersten Schritt zur dezentralen Stromversorgung im Ammer- und Loisachtal gegangen. Weitere sollen folgen: Arno Nunn und Andreas Rödl denken an den Ausbau der Solarenergie und wollen das E-Carsharing voranbringen. Günter Bitala

Auch interessant

Kommentare