Helfer im Labyrinth

Es sind Labyrinthe, die aus Gängen, Türen, Schildern und Treppen bestehen: Kliniken. Diejenigen, die dort arbeiten, kennen Abkürzungen, finden ihr Ziel, doch für Patienten scheint der sichere Weg durchs Krankenhaus-Labyrinth fast unmöglich. Das Klinikum Garmisch-Partenkirchen leistet sich deshalb einen ganz besonderen ehrenamtlichen Dienst – den Lotsendienst. Seit zehn Jahren helfen Frauen und Männer Patienten und Besuchern wie kleine Navigatoren durch das Gewirr von Türen und Gängen. Vergangenen Freitag nahm dies die Klinikleitung sowie Landrat Harald Kühn zum Anlass, um den derzeit 15 aktiven Frauen zu danken.

Sie bringen die Patienten zum Friseur, helfen bei den Aufnahmeformalitäten, begleiten auf Stationen und zu ambulanten Bereichen. Sie kümmern sich um das Gepäck und helfen bei der Bedienung des Telefon- und TV-Abrechnungsautomaten. Die 15 Damen des Lotsendienstes sind für umherirrende Menschen mit Rat und Tat da. Für Barbara Piller ist es „der schönste Nebenjob, den es gibt.“ Seit Anfang an ist die Rentnerin dabei. Als sie vor zehn Jahren nach Garmisch-Partenkirchen gezogen ist, habe sie „eine Aufgabe gebraucht“ und diese beim Lotsendienst gefunden. Immer von montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr stehen zwei Damen im Eingangsbereich des Klinikums an ihrem Lotsendiensttresen. „Ob wir helfen können“, sei die erste Frage, die Piller und die anderen Damen Besuchern und neuen Patienten stellen würden. Diese seien meist „über jedes liebe Wort dankbar.“ Aufgabe des Lotsendienstes sei es nicht nur Informationsdienst für die neu ankommenden Patienten zu sein, sondern ihnen „auch die Angst zu nehmen“, sagt Piller. Die Angst vor dem Krankenhausaufenthalt. Da passiert es schon mal, dass die Damen nicht nur lotsen, sondern ihnen auch das „Herz ausgeschüttet wird“, berichtet Piller. Neu sei die Idee des Lotsendienstes nicht. In anderen Krankenhäusern gebe es diesen Dienst auch, doch würde er dort meist mit „Grüne Damen und Grüne Herren“ bezeichnet werden, erläutert Sonja Pichler, die vor zehn Jahren den Lotsendienst am Klinikum Garmisch-Partenkirchen gegründet hat. Damals war sie Abteilungsleiterin für allgemeine Aufgaben. Als letzte Amtshandlung, bevor sie in Rente ging, gründete sie diesen ehrenamtlichen Dienst. „Weil´s besser passt“, wurde aus „grüne Damen“ der Lotsendienst, so Pichler. Helfer für den Dienst wurden damals über die lokale Presse gesucht, gemeldet habe sich als erste Freiwillige Ingeborg Wörndle. Diese ist wie so manch andere Dame auch noch nach zehn Jahren dabei. Ein halbes Jahr habe es, laut Pichler, gedauert bis am 1. Oktober 1998 die ersten Lotsen ihren Dienst antreten konnten. Nicht nur Frauen, sondern auch so mancher Mann hat in den vergangenen zehn Jahren sich engagiert. Auch am Nachmittag wurde der Lotsendienst probeweise angeboten, doch „es hat nicht funktioniert“, sagt Gudrun Stadler, die seit 2000 den Lotsendienst betreut und für die Öffentlichkeitsarbeit am Klinikum zuständig ist. Dankbar für das Engagement der Damen ist Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums, Harald Kühn, denn „die Gesellschaft lebt von denjenigen, die bereit sind mehr zu tun.“ Als Anerkennung überreichte Kühn zu- sammen mit Wolfgang Türk, Geschäftsführer des Klinikums, und Dr. Johann Meierhofer, Ärztlicher Direktor, orangefarbenen Rosen. Geehrt wurden: Elisabeth Böhm, Reinhilde Forster, Edith Geiger, Gisela Glotzbach, Lotte Hamberger, Hildegard Kerber, Angelika Maier, Barbara Piller, Marianne Schmidt, Sylvia Schröder, Helga Spaezer und Marlies Stoepler. Nicht anwesend waren Ingeborg Wörndle, Luise Brand und Sigi Schörnig.

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