Erinnerung an einen vergessenen Ehrenbürger

Hermann-Levi-Tage in Garmisch-Partenkirchen

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Hermann Levi (1839 - 1900).

Hermann Levi gehört zu den bedeutendsten Dirigenten des 19. Jahrhunderts. Die Marktgemeinde nimmt den 180. Geburtstag des jüdischen Musikers nun zum Anlass für spezielle Gedenktage.

Levi, am 7. November 1839 als drittes Kind des Landesrabiners Benedikt Levi in Gießen geboren, begann seine musikalische Ausbildung am Konservatorium in Leipzig: Klavier, Dirigieren und Komponieren. Nach Anstellungen in Saarbrücken, Karlsruhe und Rotterdam holte ihn 1872 König Ludwig II. an das Hof- und Nationaltheater in München. Bereits in Karlsruhe begann Levi eine persönliche und künstlerische Beziehung zu Joahnnes Brahms. Diese Freundschaft zerbrach, weil sich Levi intensiv Richard Wagner zuwendete. Er dirigierte in Karlsruhe ‚Lohengrin‘ und die ‚Meistersinger von Nürnberg‘. In München stand der Dirigent am Pult für ‚Tristan & Isolde‘ sowie für den ‚Ring der Nibelungen‘. 

Als Höhepunkt seines künstlerischen Lebens bezeichnete Hermann Levi selbst einmal seine Uraufführung des ‚Parsival‘ in Bayreuth. Das rief antisemitische Kritiker auf den Plan, doch Wagner ließ sich nicht beirren und hielt an seinem jüdischen Dirigenten fest. Nach dem Tod Wagners 1883 wuchsen die antisemitischen Anfeindungen. Menschlich schwer getroffen, ließ sich Hermann Levi 1896 von seinen Verpflichtungen in Bayreuth und München entbinden. Er bezog eine Villa in Partenkirchen; das Haus Riedberg. 1898 wurde Hermann Levi Ehrenbürger der Marktgemeinde; er starb am 13. Mai 1900. Der Dirigent wurde im Garten seines Hauses bestattet. Das Mausoleum überstand die Zeit des Nationalsozialismus. Erst 1957 genehmigte die Marktgemeinde den Abriss des Grabmales. Lediglich eine Grabplatte und der Zinksarg in der Gruft blieben erhalten. Bemühungen, eine würdige Ruhestätte für Hermann Levi zu finden, scheiterten bislang. Im Mai 2018 wurde der Sarg geöffnet. Man wollte wissen, ob sich der Leichnam des Ehrenbürgers tatsächlich darin befindet. Die Präsidentin der Israelitischen Gemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, forderte eine Bestattung auf dem Neuen israelitischen Friedhof München. Der Gemeinderat von Garmisch-Partenkirchen verwarf diesen Gedanken. Levi soll im Ort eine repräsentative Ruhestätte bekommen. 

Das Programm der Hermann-Levi-Tage: Am Freitag, 8. November, 19.30 Uhr, sind im Olympiasaal Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Strauss und Johannes Brahms zu hören. Es spielt das Ensemble um den Wiener Violinisten Christian Altenburger. Der Samstag, 9. November, 14.30 Uhr, steht im Zeichen eines öffentlichen Symposiums zu Leben und Werk Hermann Levis. Im Richard-Strauss-Institut referieren Dr. Dieter Steil (Gießen), Prof. Dr. Hans-Joachim Hinrichsen (Zürich) und Martin Wettgens (Oslo). Abends bringen René Perler (Bassbariton) und Edward Pushton (Klavier) im Richard-Strauss-Institut (19.30 Uhr) Lieder von Johannes Brahms, Henri Duparc, Hermann Levi, Robert Schumann und Richard Strauss zu Gehör. Mit einem Levi-Spaziergang ab 11 Uhr durch Partenkirchen schließt der Veranstaltungsreigen am Sonntag, 10. November. Infos: www.richard-strauss-institut.de          Günter Bitala

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