Am Staffelsee sind die Hinterglasmaler zu Hause – Ausstellung in Murnau

Menschen am Biertisch

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Rainer Pittrich gehört zum Kreis von Hobbykünstlern, die die traditionelle Hinterglasmalerei in Murnau pflegen.

Murnau – Rainer Pittrich hütet eine Rarität. Es ist die Kraxe des Murnauer Kunsthandwerkers Heinrich Rambold, bei dem Wassily Kandinsky und Gabriele Münter zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Hinterglasmalen lernten.

„Heinrich Rambold hatte die Tragekraxe einst zum Transport seiner zerbrechlichen Glasbilder benutzt. Das Gestell hätte über den Trödelmarkt verkauft werden sollen, wäre dann aber für die Murnauer auf Nimmerwiedersehen verloren gewesen“, berichtet Pittrich. Er gehört zu den Volkskünstlern, die heute noch die alte Kunst der Hinterglasmalerei am Staffelsee pflegen. Fünf von ihnen zeigen derzeit im Murnauer Pfarrsaal ihre aktuellen Arbeiten – Pittrich stellt bestimmt die Ramboldsche Kraxe dazu.

Seit Mitte des 17. Jahrhunderts gibt es die Hinterglasmalerei in den Gemeinden rund um den Staffelsee. Seinerzeit waren ganze Familien mit der Produktion der zerbrechlichen Bilder beschäftigt. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts sind es vorwiegend Freizeitmaler wie Pittrich: „Wir Maler verdienen unser Geld meist in ganz normalen Berufen. Leben muss von seiner Kunst keiner. Im Gegenteil, manche verschenken ihre Arbeiten lieber, als dass sie einen Preis dafür festlegen würden. Eine Reihe der Kollegen ist bereits im Rentenalter.“ Der 59-jährige Pittrich arbeitet als Ingenieur beim Straßenbauamt Weilheim. Gemalt wird am Abend und am Wochenende: „Da freue ich mich den ganzen Tag darauf.“ Neben den Hinterglasbildern gestaltet Pittrich Urkunden, Vereinsabzeichen. Für die Murnauer Schäffler hat er die Vereinsfahne entworfen.

Pittrich ist Sprecher von Hinterglasmaleren, die sich regelmäßig zum Gedankenaustausch treffen und gemeinsam ausstellen. Franz Fischer ist der Senior der Gruppe. Er ist bekannt für seine Ruß- und Blattgoldbilder. Das Geheimnis, wie er das macht, hütet er streng. Mittlerweile ist Fischer aus Altersgründen nicht mehr aktiv. Lustig anzusehen sind die Bilder von Christl Winkle, auf denen sie liebevoll und mit einem Schmunzeln ihre Mitmenschen am Biertisch karikiert. In jüngster Zeit sind Rosi Miesl und Hedi Scheck, Witwe des früheren Volksmusikpflegers von Oberbayern, Wolfgang Scheck, zu dem Kreis gekommen. Karin Rapp ergänzt die eher traditionelle Malweise ihrer Kollegen mit abstrakten Arbeiten und neuen Techniken.

So unterschiedlich die Techniken und Stile der Maler sein mögen, eines haben sie gemeinsam: Ihre Werke kann man in keinem Laden, in keiner Galerie kaufen. Es gibt eine Ausnahme: Das Schlossmuseum Murnau hält eine kleine Auswahl zum Kauf bereit. Dort stellt man gern den Kontakt zu den Künstlern her, die daheim einen Vorrat haben oder Aufträge entgegennehmen. Pittrich begrüßt diese Art des Vertriebes: „Wir wollen keine Massenware herstellen. Unser Ziel ist es, dass die Interessenten mit uns Malern ins Gespräch kommen. Die Kunden sollen sehen, wie die Bilder entstehen und etwas über unsere Tradition erfahren.“

Die 46. Ausstellung der Murnauer Hinterglasmaler im Pfarrheim von St. Nikolaus ist bis Sonntag, 16. August, täglich bei freiem Eintritt von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr zu besichtigen.

von Günter Bitala

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