Horváth-Preis wird ausgelobt – Kulturstaatsminister Bernd Neumann besucht Murnau und überrascht mit einem Geschenk

Staatsminister Bernd Neumann trägt sich in die Goldenen Bücher des Landkreises und der Marktgemeinde Murnau ein – mit dabei sind Landrat Harald Kühn, Bürgermeister Dr. Michael Rapp und der CSU-Bundestagsabgeordnete Alexander Dobrindt. Foto: Günter Bitala

Das sind hanseatische Tugenden, die man bei einem Politiker dieses Kalibers selten erlebt: Der Bremer Bernd Neumann kommt zu seinem Besuch auf die Minute pünktlich – und das nicht nur beim ersten Eintreffen im Schlossmuseum, sondern trotz des dichten Programmes auch im Rathaus, im Münterhaus und später im Kultur- und Tagungszentrum. Neumann trägt die Amtsbezeichnung Staatsminister für Kultur im Bundeskanzleramt. Auf seine Stippvisite ist der gelernte Lehrer bestens vorbereitet: „Wer sich für Kultur interessiert, kommt an Murnau nicht vorbei!“

Neumann war auf Einladung des CSU-Bundestagsabgeordneten Alexander Dobrindt an den Staffelsee gekommen. Der erste Weg führte ins Schlossmuseum, wo die Gruppe, zu der auch Landrat Harald Kühn und der stellvertretende Bürgermeister Josef Bierling gehörten, von Museumsdirektorin Dr. Sandra Uhrig erwartet wird. Neumann ist beeindruckt von den Exponaten der Künstlergruppe „Blauer Reiter”. Ausführlich informiert sich der Minister auch über den Dramatiker Ödön von Horváth. Abschließend zieht Neumann das Resümee: „Das Schlossmuseum Murnau ist eine Perle.“ Im Rathaus trägt sich der Minister, im Beisein von Bürgermeister Dr. Michael Rapp in die Goldenen Bücher des Landkreises und der Marktgemeinde Murnau ein. Dabei bringt Neumann ein dickes Geschenk mit: Im kommenden Jahr, zum 75. Todestag Ödön von Horváths, wird ein „Murnauer Horváth-Literaturpreis” ausgelobt. Die Bundesrepublik Deutschland unterstützt diese Auszeichnung mit 10.000 Euro als Anschubfinanzierung. Neumann: „In Deutschland gibt es etwa 800 Literaturpreise. Lediglich drei werden vom Bund finanziell gefördert. Jetzt sind es vier – das ist schon etwas Besonderes.“ Kultur formuliert Werte und schafft Gemeinwohl Kultur ist, politisch betrachtet, Kompetenzsache der Bundesländer. Was will sich da die Regierung in Berlin einmischen? Bernd Neumann, der dieses Amt seit sieben Jahren inne hat, und selber sagt, dass es die schönste Aufgabe im Kabinett Merkel ist, kennt dieses Vorurteil und konnte es anlässlich seines Besuches in Murnau gründlich korrigieren. Neumann erwies sich als sachkundiger Gesprächspartner – mit gezielten Rückfragen nach den „Männern Gabriele Münters” und, angesichts des heißen Sommerwetters, verständlich: „Wo ist hier der See?“ Die Murnauer bereiteten dem Minister einen gebührenden Empfang. So spielten vor dem Rathaus die Musiker der Spatzenhauser Blasmusik, und zum abschließenden Empfang im Kultur- und Tagungszentrum waren neben einer ganzen Reihe von Honoratioren jede Menge Kulturschaffende aus der Region um den Staffelsee gekommen. Mit seinem Grußwort betont Dr. Michael Rapp, dass Kultur kein Luxus sei: „Kultur ist unser Elixier.“ Die Menschen in Murnau, so der Bürgermeister weiter, leben Kultur – und zwar nicht rückwärts auf die Vergangenheit bezogen, sondern mit den Malern, Musikern, Schauspielern und Theaterer recht kraftvoll in der Gegenwart. Das ergänzt Bernd Neumann: „Kultur ist es, was unsere Werte formuliert, was unsere Identität und unser Gemeinwohl ausmacht.“ Der Minister liefert handfeste Zahlen – so gibt es in der Bundesrepublik Deutschland 150 mit öffentlichem Geld geförderte Theater, 130 Orchester, 6256 Museen und 486 Ausstellungshallen. Der Staat gibt jährlich 9,6 Milliarden Euro für Kultur aus. 44 Prozent davon tragen die Bundesländer, 44 Prozent die Städte, Landkreise und Gemeinden, zwölf Prozent die Bundesrepublik. Laut Bernd Neumann sei das kulturelle Angebot einer Kommune kein weicher Standortfaktor mehr, sondern lange schon ein „harter”: „Kultur hat als Wirtschaftskraft die chemische Industrie überholt und mit der Automobilwirtschaft gleichgezogen. 140 Milliarden Euro werden in Deutschland mit Kultur erwirtschaftet.“ Ohne die Kultur, betont Neumann, gäbe es in Murnau keine 60000 Besucher jährlich im Schlossmuseum. Eines ist für Minister Neumann unabdingbar: „Kultur muss frei von politischer Beeinflussung sein. Aber die Politik muss die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass sich die Künstler entfalten können.“ Und dafür ist, so erklärt Bernd Neumann, unter anderem sein Amt zuständig. Zum Beispiel mit Initiativen für den Erhalt des Urheberrechts, für die Sicherung der Alters- und Gesundheitsvorsorge der Künstler. „In Deutschland gibt es rund eine Million Menschen, die mit Kreativität ihren Lebensunterhalt bestreiten. Im Durschnitt erzielen sie aber nur ein Jahreseinkommen von 12000 Euro“, berichtet der Minister. Als Gastgeschenke wird Minister Bernd Neumann Bildbände über das „Blaue Land” und über das „Werdenfels” mit nach Berlin nehmen – eines hat er zudem erfahren: Die Murnauer nennen ihre Gemeinde seit Jahrhunderten Markt und würden sie niemals als Stadt bezeichnen.

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