Illustrationen die Erwachsene zu staunenden Kindern machen

Eine heitere, fast fröhliche Ausstellung zu den Begriffen „Bilder-Buch-Leben“ ist noch bis zum 19. April in der Galerie des Marktes im Kurhaus Garmisch zu sehen. Und voller Respekt vor dem exzellenten Illustrator Reinhard Michl zieht man seinen Hut. Mit unverwechselbarem „Michl-Strich“ zeigt der 1948 in Niederbayern geborene Künstler 92 Exponate aus 30 Jahren Schaffenszeit. Kunstwerke voll Leben und Gefühl, die den Betrachter in Bann ziehen.

Nach einer Schriftsetzerlehre und Abitur, schloss Michl mit dem Graduiertendiplom an der Münchner Fachhochschule für Grafik/Design ab, studierte an der Akademie der Bildenden Künste und begann, Bildergeschichten für das Bayerische Fernsehen zu malen, u.a. auch für die „Sendung mit der Maus“. Erste Aufträge für Kinderbuchillustrationen für Gespenstergeschichten von Josef Guggemoos und zu Kindergeschichten von Irina Korschunow folgten. Ein Plakatentwurf für die 32. Kinder- und Jugendbuchausstellung brachte ihn mit dem Garmisch-Partenkirchner Autor Michael Ende zusammen. Er bebilderte 1983 die Neuausgaben von „Jim Knopf und die wilde 13“ und „Lukas der Lokomotivführer“. Dadurch begann eine intensive freundschaftliche Arbeitsbeziehung. Reinhard Michl hat zahlreiche Auszeichnungen und Preise erhalten, Workshops im In- und Ausland folgten und wunderbare Tierbücher entstanden, die der Künstler ab und zu selbst textete. Michls bevorzugtes Motiv ist die Tierwelt. Er versteht es meisterlich, seinen Ratten, Katzen, Mäusen, Hasen, Fröschen, Schweinen und Fischen menschliche Charaktere mit all ihren Facetten einzuhauchen. Auch die Komik und Ironie hat Platz, manchmal auch mit spitzer Feder. Schon im Foyer der Marktgalerie kredenzt ein blonder Engel dem Teufel ein Bier, am Stammtisch sitzen Hase und Katze, der Floh Bambino liegt krank im Bett und ein Schmetterling gesteht mit Worten von Heinrich Heine der Rose seine Liebe . . . Beim Schlendern durch die Räume begegnen dem Besucher die Eule und das Kätzchen, der Fuchs und der Mond. Tiere tanzen und spielen Klavier, ein trauriger Hund sitzt vor einer Kaffeetasse, eine rote Ziege in „high heels“ serviert das Essen. Manche Bilder tragen Titel alter Schullieder, wie „Im Frühtau zu Berge wir ziehn“ oder „Lauf Jäger lauf“. Und sogar der Buchtitel „Da, wo der Hund begraben liegt“ des tschechischen Autors Pavel Kohout, fand Aufnahme in Michls Illustrationen. Faszinierend sind seine Tierköpfe wie Löwe, Katze und der „lyrische Wolf“, dessen Augen in die Weite schauen den und Betrachter an den Panther von Rilke denken lassen. Der Wolf hält eine rosa Rose in den Pfoten . . . eine menschliche Geste für Toleranz und Akzeptanz? Die sehenswerte Ausstellung, in der die Erwachsenen wieder zu staunenden Kindern werden, ist auch für Familien bestens geeignet und bis zum 19. April in der Galerie des Marktes im Kurhaus Garmisch zu sehen. Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Sonntag von 12 bis 17 Uhr.

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