Das zukunftsweisende Innovationszentrum als Anlaufstelle für Entwickler von neuen Konzepten

Wirtschafts-Standort: MURNAU 4.0

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Das IQ-Gründerzentrum im James-Loeb-Haus ist mittlerweile über die Grenzen der Marktgemeinde  Murnau hinaus bekannt.

Murnau – Neulich im James-Loeb-Haus, das als Innovationsquartier (IQ) über die Grenzen von Murnau hinaus bekannt geworden ist: Jan-Ulrich Bittlinger will im Vortragssaal einen Beamer zum laufen bringen. Routine, oder? Das war nicht immer so, sagt er. „Bevor wir mit dem IQ vor drei Jahren angefangen haben, hatte ich keine große Ahnung von Computern, Digitalem und Informationstechnologie (IT),“ erzählt der Murnauer Wirtschaftsförderer: „Seit hier im Zentrum die Leute mit ihrem Wissen ein und aus gehen, habe ich mir vieles abgeschaut.“ Im IQ läuft Wissenstransfer von den Jungen zu den Alten!

Die Nachfrage von Seiten der Existenzgründer und StartUps war von Anfang an enorm; Jan-Ulrich Bittlinger: „Wir vermieten keine Büros, sondern Räume, wo Ideen wachsen können..“ Die Filmbranche ist stark mit Produktion, Vor- und Nachbearbeitung vertreten. Designer sowie Illustratoren, App-Entwickler, Eventagenturen, Kunstvermittler sind mit dabei, und viele von ihnen sind in Murnau zu Hause, aber mit ihrem Business global unterwegs. Interesse? Einfach Mal die IQ-Website anschauen: www.innovationsquartier.com.

Kantine als Herzkammer des Innovationszentrums

Bei den kleinen Klitschen der Jungunternehmer ist es nicht geblieben. Das IQ-Gründerzentrum hat gemeinsam mit den Mietern des Co-Working-Space und den Tüftlern vom MakerLab ein Eigenleben entwickelt, das allmählich auf den gesamten Markt Murnau ausstrahlt. Da lohnt ein Abstecher in die IQ-Kantine, die ins Konzept passt. Hier kommen die Leute zusammen; auch von Außerhalb, um mit den IQlern ins Gespräch zu kommen. Jan-Ulrich Bittlinger: „Die Kantine ist unsere Herzkammer!“ In gemütlicher Runde wird zwanglos diskutiert. Vielversprechende Gedanken werden skizziert, entwickelt und finden dann ihren Weg aus dem Innovationsquartier heraus.

Jan-Ulrich Bittlinger nennt ein Beispiel: „Wir haben hier Software-Entwickler, die an Modellen für den öffentlichen Personennahverkehr arbeiten.“ Das könnte für Gemeinden interessant sein, in denen sich Ortsbusse mit starren Fahrzeiten auf festgelegten Routen nicht rentieren. Ein weiteres Beispiel: Demnächst möchte sich ein großer Zulieferer für die Autoindustrie einmieten. Jan-Ulrich Bittlinger: „Die Firma sucht einen Kreativraum – mit Sitzecke, Kaffeemaschine und einer weißen Wand, die von Ingenieuren, Wissenschaftlern und Technikern mit kniffligen Formeln und Geistesblitzen bekritzelt werden kann.“ Nachdenken, fernab des aktuellen Tagesgewusels in der Firmenzentrale.

Wenn StartUps Arbeitsplätze schaffen und Gewerbesteuer zahlen, um so besser, findet Jan-Ulrich Bittlinger und drückt eine Türe auf: „Bitte leise sein – und vor allen nicht so genau auf die Bildschirme schauen!“ In dem abgedunkelten Raum blinken Computer, Mitarbeiter telefonieren. Bittlinger: „Hier wird mit sensiblen Personendaten gearbeitet, und zwar weltweit.“ Genauer will der Wirtschaftsförderer das nicht erläutern, nur soviel: „Es geht darum, für Bundesbürgern, die im Ausland erkranken oder verunfallen, die medizinische Versorgung zu organisieren.“ Auch das Steuergeheimnis will Bittlinger nicht verletzen, deutet an, dass die kleine Firma mittlerweile zu den „großen“ Gewerbesteuerzahlern im Ort gehört.

Ziel ist es, dass sich die Existenzgründer eines Tages trauen, das Umfeld des IQs zu verlassen und sich im Ortskern ansiedeln. Bittlinger: „Das braucht Murnau! ‚Unsere Leute‘ passen mit ihren kreativen Angeboten und bunten Auslagen in die Marktstraßen. Das macht, gemeinsam mit den von eingesessenen Inhabern geführten Läden, den Charme des Murnauer Zentrums aus.“ Die Alpenopal-Manufaktur und das Brautmodengeschäft sind kürzlich vom IQ aus in die Postgasse gezogen. Bittlinger: „Diese beiden Geschäfte sind eine fantastische Bereicherung für die kleine Verbindungsstraße von der Fußgängerzone hinauf zum Kultur- und Tagungszentrum.“

Netzwerke knüpfen

In der Pförtnerloge des ehemaligen Gemeindekrankenhauses hat Bittlinger sein Büro. Für ihn geht es um die Frage, wie man das, was sich im IQ entwickelt, auf den Ort überträgt. Wie kann man mit den Erfahrungen des IQ dem Wirtschaftsleben der Marktgemeinde auf die Sprünge helfen? Quasi, ein ‚Murnau 4.0‘ schaffen! Bittlinger will Probleme erkennen, Lösungskonzepte erarbeiten und vor allem ohne viel Bürokratie ausprobieren. Machen!

Ein solches Problem sind für viele Arbeitnehmer die starren Zeiten von öffentlichen Kinderbetreuungseinrichtungen. Eine Kita, die wochentags von acht Uhr bis 16 Uhr geöffnet ist und sechs Wochen Sommerpause macht, schrammt an der Lebenswirklichkeit von Familien vorbei. Jan-Ulrich Bittlinger: „Wir probieren im IQ Öffnungszeiten von sieben Uhr bis 17 Uhr aus. Über die Servicestelle ‚Frauen & Beruf‘ arbeiten wir mit Tagesmüttern zusammen.“ Eltern, die eine flexiblere Kinderbetreuung brauchen, organisieren sich diese direkt mit den Tagesmüttern. Im IQ stehen dafür Räume zur Verfügung. Bittlinger: „Wenn das System funktioniert, ist es ein Modell für andere Kindergärten.“

‚Netzwerke knüpfen‘, ist Bittlingers Philosophie. Was die Erfolgsbasis im Innovationsquartier ist, geht als ‚Wirtschaftsforum Murnau‘ an den Start. Unter dem Dach der Marktgemeinde Murnau und in Kooperation mit dem Murnauer Wirtschaftsförderverein bilden Gewerbetreibende eine Plattform. Das Projekt bündelt mit Veranstaltungen und Vorträgen das Potential der Wirtschaftsleute an Digitalisierung, Blockchain und künstlicher Intelligenz; Bittlinger: „So sind die Unternehmen mit Zukunftsthemen auf dem Laufenden, für die wegen ihres operativen Geschäfts zu wenig Zeit bleibt.“ Auch dafür gibt es Informationen im Internet – einfach mal nach ‚Wirtschaftsforum Murnau‘ googlen. Das Motto: In der Marktgemeinde ein neues WIR entfalten.

Jugendliche & neue Technologien

Innovationsquartier – Erdgeschoss, links. Der Hintergrund des MakerLabs ist es, junge Leute für neue Technologien zu interes­sieren, ihnen zudem die Möglichkeit zu geben, ihre Kreativität in offenen Werkstätten auszuprobieren. Jan-Ulrich Bittlinger: „Das MakerLab ist ein Ort zum Selbermachen. Wir haben Fachleute, die Laien oder Hobbybastler jeden Alters mit weniger Erfahrungen professionell anleiten.“ (www.makerlab-murnau.de)

Ein Workshop der vergangenen Monate drehte sich beispielsweise darum, mit Jugendlichen ab zehn Jahren sogenannte Code­Racer zu programmieren und zu bauen. Das sind Mini-Rennautos, die Hindernisse erkennen und ihnen selbstständig ausweichen. Jan-Ulrich Bittlinger will für solche Projekte externe IT-Fachleute gewinnen – mit dem Gedanken, dass sich bei regelmäßigen Aktionstagen Firmenvertreter und Jugendliche kennenlernen: „Mit solchen Jobbörsen ergeben sich mitunter Ausbildungs- und Arbeitsverträge. Das ist unser Beitrag gegen den drohenden Fachkräftemangel.“

Von Günter Bitala

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