Interesse bis jetzt enttäuschend – Projekt "Alpenkulinarik" läuft schlecht an, weil die Kommunikation nicht stimmt

Das Label der Alpenkulinarik dürfen all jene führen, die sich regionale Produkte anbieten. Foto: Projekt Alpenkulinarik

„Bayern hod no a bissl mehr zu bieten ois bloß Schweinsbrat’n und Weißwürscht.“ Das waren die Worte von Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU), die im Oktober letzten Jahres von Berlin nach Garmisch-Partenkirchen kam, um im bewusst bayerisch gehaltenen Ton Gastronomie und heimische Lebensmittelerzeuger vom Projekt „Alpenkulinarik“ zu überzeugen. Doch gefruchtet hat das alles nicht. Im Zugspitzland braucht’s a bissl mehr, als ein prominentes Zugpferd. Zur Enttäuschung der Projektinitiatoren läuft’s nämlich nur recht zäh an.

Den Gästen die Region nicht nur anhand sehenswerter Berglandschaft und bayerischer Kultur zu vermitteln, sondern auch mit regionaler Kochkunst von heimischen Produkten auf dem Teller, ist das Ziel des von der EU geförderten Projektes Alpenkulinarik. Initiiert wurde es von der Universität Salzburg, vom Tourismusverband München-Oberbayern und von der Fachhochschule Salzburg. Daraus soll ein Netzwerk entstehen zwischen Erzeugern und Gastronomie, das neue Kontakte anregt, Impulse gibt, wie man zeitgemäß die Heimat kulinarisch auf den Teller der Urlauber bringen kann, und so ganz nebenbei regionale Qualität fördert. Eigentlich ein sinnvoller Ansatz, um die regionale Wirtschaft anzukurbeln und die Region über ihre Grenzen hinaus mit Kulinarik und Qualität bekannt zu machen. Doch die Parteien, die mitmachen sollen, scheinen nicht besonders überzeugt zu sein. Gut ein halbes Jahr ist es jetzt her, seit das Zugspitzland dieses bis Juni 2013 ausgelegte Projekt in ganz Bayern lanciert hat. Die Bilanz, die Veronika Kowatsch, Leiterin der Touristinformation Farchant und Geschäftsführerin des Zugspitzlandes, ziehen muss, fällt dementsprechend mager aus. „Es stimmt, dass wir nicht so viele Teilnehmer haben, wie wir es uns erhofft haben“, sagt sie. Auch Josef Späth, Projektmanager vom Tourismusverband München-Oberbayern, sagt, dass noch viel zu wenige mitmachen. Gerade einmal fünf Gastronomen und nur zwei Erzeuger waren beim letzten Infotreff, die meisten Eingeladenen sind nicht erschienen. Bei der angepeilten Wunschzahl von 20 Teilnehmern, die Späth in den Raum stellt, ist das keine gerade üppige Ausbeute. Doch sowohl Kowatsch als auch Späth sehen das recht gelassen. Solche Projekte bräuchten immer Zeit, bis sie ins Laufen kommen. Hört man sich unter Gastronomen und Erzeugern ein wenig um, zeichnet sich jedoch keine so große Begeisterung ab. Sie befürchten, dass zu den immer wieder neuen Vorschriften von der EU weitere Auflagen kommen, sagen einige. Zu groß wäre da der finanzielle Aufwand, um durch zusätzliche Umbauten ihrer Einrichtungen dem gerecht werden zu können. Insbesondere kleinere heimische Erzeuger hegen große Skepsis, die solche „Aufrüstungen“ ohnehin nicht stemmen könnten, da sie aufgrund der Billigpreise von Discountern mit dem Rücken bereits an der Wand stehen. Stünden direkte Zuschüsse in Aussicht, wären die Chancen vielleicht besser, denken manche. Bei einem Budget von insgesamt 513000 Euro – davon werden sämtliche Workshops für die Teilnehmer gestemmt und der geplante Katalog mit allen Teilnehmern als Leitfaden für Gäste – kommen solche Zuschüsse aber ganz klar nicht in Frage, sagt Kowatsch. Es hakt in der Kommunikation Doch das Problem liegt scheinbar an einer ganz anderen Stelle. Merklich verwundert reagierte Späth auf die angeführten Befürchtungen angesichts hinzukommender Vorschriften. „Wir machen weder Gastronomen noch Erzeugern Vorschriften dieser Art und wir zertifizieren auch nicht. Wir bieten Betrieben lediglich die Chance, einem regionalen Netzwerk beizutreten und die Möglichkeit, wirtschaftliche Kontakte untereinander zu knüpfen. Es muss nur durch entsprechende Belege gewährleistet werden, dass die Regionalität aller Produkte nachvollziehbar ist, und das wird auch kontrolliert. Dabei wollen wir alle so gut wie möglich unterstützen“, sagt der Projektmanager. Natürlich sei das Zertifikat Bio wünschenswert, doch im Grunde kann jeder regionale Betrieb mitmachen, sei es eine kleine Metzgerei, ein Imker oder eine Kräutergärtnerei. Es beschränke sich im Grunde nur darauf, ein Formular auszufüllen und eine Prüfung auf die Regionalität zu bestehen, so Späth. "Wir müssen mehr informieren" Denkbar einfach. Warum es dann doch so hakt, kann sich Späth nur durch einen zähen Informationsfluss erklären. „Einerseits müssen sich die Gastronomen und Erzeuger darauf einlassen, was eben Zeit braucht. Andererseits müssen wir mehr informieren“, räumt er ein. Auch Kowatsch will das für das neue Jahr verstärkt anpacken. Bislang habe man Betriebe nur schriftlich eingeladen. „Ab jetzt werden wir aber persönlich zu den Betrieben gehen. So erreichen wir viele unterschiedliche Sparten und können wirklich alle Fragen beantworten und Zweifel aus dem Weg räumen, denn es kostet ja nichts“, kündigt sie an. Sämtliche Schulungen und Workshops zu Themen wie Marketing und Verkauf, Service oder regionale Küche werden vom Projekt finanziert und auch der für heuer geplante Katalog, der alle Alpenkulinarik-Betriebe auflistet und Urlaubern angeboten wird, sei immer noch kostenlos, und zu den regelmäßigen Treffen soll es auch informierende Vorträge geben. Natürlich setzen Späth und Kowatsch aber auch darauf, dass Gastronomen selbst ihre Lieferanten aus der Region motivieren. „Es lohnt sich wirklich“, appelliert Kowatsch, „denn wir wissen von einem Betrieb, dass dieses Konzept bei Gästen sehr gut ankommt. Für gute Qualität sind sie eben bereit, auch etwas mehr zu bezahlen.“ Das nächste Treffen zwischen Gastronomen und Erzeugern ist geplant für den Montag vom 6. Februar um 9.30 Uhr im Farchanter Gemeindesaal. Mit Blick auf einen Antrag zur Weiterförderung nach dem Juni 2013 hofft Kowatsch auf viele Interessenten.

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