Der Kreisbote im Interview mit "The Taste" Star Hansjörg Betz

Leidenschaft für den puren Geschmack

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Hansjörg Betz ist Koch aus Leidenschaft. In der Sendung „The Taste“ kochte er sich ins Halbfinale. In seiner Freizeit arbeitet er kreativ mit Holz.

GAP – Bei der SAT.1 Sendung „The Taste“ kocht sich Hansjörg Betz jede Woche eine Runde weiter und steht jetzt (Mittwoch, 29. November) im Halbfinale. Die Herausforderung: Kreiere in einer Stunde ein perfektes Gericht auf einem kleinen Löffel. Dabei muss mindestens eine der drei vorgegebenen Zutaten verwendet werden. Mit dem Kreisboten hat der sympathische 42-Jährige aus Garmisch-Partenkirchen in einem Interview über seine Leidenschaft für das Kochen, die Dreharbeiten zur Sendung und das Gastro-Gewerbe gesprochen.

Stimmt es, das Ihre Frau Sie für die Sendung angemeldet hat?

Hansjörg Betz: „Wir haben die Sendung schon in den vorherigen Staffeln verfolgt. Irgendwann kam die Idee auf, daran teilzunehmen. Trotz der Idee wollte ich aber zuerst nicht mitmachen, aber meine Frau hat mich einfach angemeldet. Heute würde ich das sofort wieder machen, eine tolle Erfahrung.“

Wie läuft dann nach der Anmeldung das Auswahlverfahren? 

Betz: „Man muss ein paar Kriterien erfüllen. Zum Beispiel musste ich drei Gerichte ein­schicken. Dann wurde ich zum Casting-Kochen eingeladen. Mein Gericht war ein Topfensoufleé. Eine echte Herausforderung, denn wir hatten als Herd nur einen Campingkocher. Ich habe da die Messlatte schon hoch gehängt und das habe ich mir in der Sendung erhalten. Wenn du was erreichen willst, musst du was riskieren.“

Wie schwer ist es, den perfekten Löffel zu kreieren? 

Betz: „Es ist verdammt schwierig, ein ganzes Gericht auf einen Löffel zu bringen. Es ist wie in einer Puppenküche. Jemanden wie Gast-Juror Heiko Antoniewicz, der jeden Tag mit kleinsten Geschmacksnuancen zu tun hat, zu überzeugen, ist verdammt schwer. Für so einen Löffel braucht es Ideenreichtum, wie man den maximalen Geschmack rausholt. Wenn eine Geschmackskomposition gefragt ist, muss sie auf dem Löffel sein. Alles andere ist Beiwerk. Da darf man nicht zu viel wollen.“

Wie gehen Sie an ein Gericht für die Sendung heran? 

Betz: „Die Aufgabenstellung beziehungsweise drei Zutaten gibt ja der Gast-Juror vor. Es ist gut, wenn man das Produkt schon kennt, mal verarbeitet hat und eine Idee dazu im Kopf hat. Wenn man die Zutat noch nicht kennt, dann kann man schnell ins Rotieren kommen. Wichtig ist es für mich, ein fertiges Bild von dem Gericht im Kopf zu haben. Dann kann ich schneller und freier agieren. Wenn nicht, besteht die Gefahr einer Blockade und dann wird es schwierig.“

Was halten Sie davon, das Gast-Juroren dabei sind?

Betz: „Ich finde es vom Sender toll, dass sie so hochkarätige Gast-Juroren gewinnen. Bisher haben wir es im Team Rot fast immer geschafft, die Gäste für uns zu gewinnen. Der Spaßfaktor dabei war toll. Da haben uns die anderen Teams bestimmt beneidet.“

Was war für Sie das Spannendste bei den Dreharbeiten? 

Betz: „Die Kulisse: Da sind über 300 Leute beim Dreh beschäftigt. Das hat mich schon beeindruckt, dass so viel Aufwand für eine Sendung betrieben wird. Und, dass ich tolle Freundschaften geschlossen habe mit Kameraleuten, Redakteuren und natürlich den Kandidaten selber.“

Wenn Sie in der Sendung kochen, denken Sie dann darüber nach, dass es für das Fernsehen ist? Und bekommen Sie mit, was die anderen Kandidaten machen? 

Betz: „Zu Beginn war natürlich alles neu und ungewohnt, aber irgendwann fängt man an, mit der Kamera zu spielen. Nein, nicht wirklich. Man fokussiert sich auf die eigene Kochinsel und bekommt um sich herum gar nicht richtig mit, was die anderen machen.“

Wie ist es, sich selbst im Fernsehen zu sehen? 

Betz: „Am Anfang ist es schon etwas komisch. Aber man gewöhnt sich schnell daran. Da verdrückt man sogar mal eine Träne, wenn man die Sendung sieht. Wir sind alle Kontrahenten, aber eben auch Freunde. Ich bin verblüfft, dass die Sendung es schafft, uns schon so rüber zu bringen, wie wir sind. Klar könnte der Sender unsere Darstellung durch den Schnitt beeinflussen, aber der Grundcharakter bleibt unverändert.“

Hat sich durch Ihre Teilnahme bei „The Taste“ Ihr Leben verändert? 

Betz: „Ja. Es verändert sich schon viel. Meine Perspektive, mein Horizont wurden durchgerüttelt. Ich habe meine jetzige Arbeitsstelle gekündigt und bin offen für was Neues. Ich habe die absolute Bereitschaft, mich wieder zu verändern. Und die Sendung hat meine Bekanntheit gesteigert, was zum Beispiel in einer Anfrage für ein Show-Kochen in Österreich resultierte.“

Wann haben Sie festgestellt, dass Sie eine Leidenschaft für das Kochen haben? 

Betz: „Die Anfänge gehen auf ein Fest am Eibsee zurück, als ich 15 Jahre war. Ich bin über einen Bekannten dazugekommen und habe dort beim Grillen geholfen. Ich hatte eigentlich schon eine Lehrstelle in der Schnitzschule in Garmisch-Partenkirchen, mit der Richtung Architektur. Das Seefest war dann der Anstoß, dass ich mich für den Beruf des Kochs entschieden habe. Den Grundstein für das Kochen haben aber meine Omas gelegt.“

Inwiefern? 

Betz: „Beide Omas haben sehr gut gekocht, da war ich gerne dabei. Sie hatten auch so einen Respekt vor den Lebensmitteln. Die selbst gemachten Ravioli mit Nussbutter von meiner Oma. Ich schmecke das heute noch. Oder der karamellisierte Apfelstrudel. Den hat meine Oma in einem Holzofen gemacht. Das ist noch mal was ganz anderes, eine andere Qualität.“

Was hat Sie nach dem Seefest bestärkt, die Ausbildung zum Koch zu machen?

Betz: „In der Schulzeit habe ich ein Berufspraktikum in der Küche gemacht. Das war eine super Entscheidung.“

Und wie ging es dann für Sie weiter? 

Betz: „Ich habe meine Ausbildung beim Eibsee-Hotel absolviert und habe dann an unterschiedlichen Orten und Ländern gekocht. Zunächst bin ich nach St. Moritz, dann London. Später habe ich dann in München und Garmisch-Partenkirchen gearbeitet.“

Was ist die wichtigste Zutat, um ein guter Koch zu sein? 

Betz: „Man braucht zum Kochen die Leidenschaft und den Spaß daran.“

Haben Sie ein Lieblingsgericht? 

Betz: „Hm. Ich werde das oft gefragt. Es gibt nichts Spezielles, was ich am liebsten esse. Ich gehe gerne auch Essen, dann aber gut. Es muss eine ehrliche Küche sein, ohne Geschmacksverstärker. Man muss auch nicht auf Biegen und Brechen jeden Tag einen neue Geschmacksrichtung erfinden. Wichtiger ist ein transparentes, ehrliches Gericht. Aber, um doch eine Antwort zu geben: Ich liebe auf alle Fälle Fisch. Meine Frau mag aber keinen Fisch, daher gibt es den daheim kaum.“

Sie engagieren sich auch für den Nachwuchs in der Gastronomie. 

Betz: „Ich versuche, den Leuten so viel wie möglich weiterzugeben.“

Und das offenbar mit Erfolg, wie man an Jost Rudat sieht, der erst vor Kurzem mit dem Förderpreis der Hans und Klementia Langmatz Stiftung ausgezeichnet wurde. 

Betz: „Ja richtig, er hat bei mir gelernt. Es ist wichtig, den jungen Leuten in der Ausbildung das Wissen und die Leidenschaft zu vermitteln. Ich bin seit 2008 auch Ausbildungsprüfer bei der IHK. Wenn du siehst, was in der Gastronomie an Nachwuchs da ist, muss man mehr tun. Ich würde mir wünschen, dass das Fachpersonal mehr wird. Dafür braucht es natürlich junge Leute, die ausgebildet werden. Die sind dann in zehn Jahren soweit, dass sie ihr Wissen weitergeben können. Aber der Grundstein dafür muss jetzt gelegt werden.“

Was denken Sie, woran es hakt, dass nicht genug Nachwuchs da ist? 

Betz: „Das Berufsbild sollte an Attraktivität gewinnen, denn Koch ist ein toller Beruf. Ähnliches gilt auch für andere Berufsbilder in der Gastronomie. In Südtirol zum Beispiel hat der Beruf Koch einen hohen Stellenwert. Warum das Berufsbild bei uns so leidet, ist mir nicht so klar. Ich hatte gehofft, dass die Kochshow einen kleinen Hype für den Beruf auslöst. Ein bisschen hat es geklappt, aber er hätte größer sein können.“

Wenn Sie ein kleines Plädoyer halten würden: Warum sollte man eine Ausbildung als Koch machen? 

Betz: „Es ist echt ein schöner Job. In der Gastronomie haben man die Möglichkeit, viele Leute kennenzulernen und die Freiheit, auch mal ins Ausland zu gehen. Es ist eine Berufung, die einem viel geben kann, wenn man mit Leidenschaft dabei ist.“

Weihnachten rückt langsam näher, wer bäckt bei Ihnen in der Familie die Plätzchen? 

Betz: „Das wird zwischen meiner Frau und mir aufgeteilt. Unser Sohn Loris (zwölf Jahre) begeistert sich auch schon für das Kochen und ist da gerne mit von der Partie.“

Haben Sie so etwas wie ein Lebensmotto? 

Betz: „Offen sein für alles und sich immer weiterentwickeln.“

Vielen Dank für das Gespräch.

Wer mehr über Hansjörg Betz erfahren möchte, der kann auch dessen Website www.hjbetz.de besuchen.

von Melanie Wießmeyer

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