Markt Murnau ist Vorbild für andere Gemeinden geworden

20 Jahre Fußgängerzone Murnau

Fußgängerzone Murnau
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Der südliche Flair der Murnauer Fußgängerzone ist legendär.

Murnau - Als am 1. Juli 2000 die Murnauer Fußgängerzone feierlich eröffnet wurde, war das ein Festtag für alle. Zu den Einheimischen gesellten sich Touristen, die ohnehin in der Region urlaubten, darüber hinaus kamen Leute aus ganz Oberbayern. Am Ende des Tages waren es wohl um die 30.000 Menschen, die in den frisch gepflasterten Marktstraßen begeistert gefeiert haben.

Der Ansturm so vieler fröhlicher Menschen spornte die Handwerker und Ladenbesitzer an. Man konnte sich Schminktipps geben lassen oder sich als Kind in einer Hüpfburg austoben. Die ganz kleinen Buben und Mädchen durften in einer großen Sandkiste nach bunten Kieselsteinen buddeln, für die es später kleine Geschenke gab. Gedrechselte Holzschwammerl spriesten aus dem Boden. Ein Kasperle erzählte lustige Geschichten. Es gab Hüte aus Luftballonwürsten. Ein Elfjähriger hüpfte den ganzen Vormittag wie ein kleiner Derwisch durch den Ober- und Untermarkt; übers ganze Gesicht strahlte der Bub und sang: „Ois is super. Ois wird schee!“

Endlich Platz für die Menschen

Nach zweijähriger Bauzeit war die Fußgängerzone fertig und es brach eine neue Zeit an, die die Entwicklung der Marktgemeinde bis in die Gegenwart hinein prägte. „Nun ist endlich Platz für die Menschen. Man erkennt erst jetzt, wie breit die Straße eigentlich ist“, rief am Eröffungstag Sepp Gramer von seiner Kutsche herab den Umstehenden zu. Andreas Müssig, der kurz nach der Jahrtausendwende Wolfgang Köglmayr als Vorsitzenden des Gewerbevereines ablöste, erinnert sich: „Die Entscheidung für das Projekt Fußgängerzone war absolut richtig. Alle profitieren davon. Anwohner, Geschäftsleute, Kunden, Touristen waren vom ersten Moment an begeistert. Die Murnauer Fußgängerzone ist in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends zum Vorbild für viele Städte und Gemeinden geworden, die ihre Innenstädte ähnlich umgestalteten.“

Männer und Frauen dachten am Eröffnungstag ein letztes Mal an den unerträglichen Lärm und den Dreck, den die Lastwagen täglich beim Durchfahren hinterlassen haben, ganz zu schweigen von den tausenden Personenautos, die sich rund um die Mariensäule aufstauten. Andreas Müssig war 24 Jahre lang Gemeinderat in Murnau, er ist im Untermarkt aufgewachsen. Er erinnert sich anläßlich des diesjährigen Fußgängerzonen-Jubiläums an die 1980-/90er-Jahre: „Damals, als noch die Bundesstraße B2 durch den Ortskern führte, war es schwierig von der Rathausseite rüber zum ‚Haller‘ zu laufen. Stoßstange an Stoßstange standen die Lkw und Pkw. Sie machten die Querung der Straße nahezu unmöglich. Als Kinder konnten wir das nur in Begleitung von Erwachsenen probieren – alleine war es zu gefährlich. Bei uns in der Wohnung im Untermarkt klirrten und vibrierten bei jedem vorbeirauschenden Lastwagen die Gläser in den Schränken.“ Das ist zum Glück lange vorbei.

Die Murnauer und ihre Gäste lieben ihre Fußgängerzone – zum Einkaufen, Essen gehen, zum Flanieren, zum Leben und Wohlfühlen. Feste, Märkte, viele Veranstaltungen finden alljährlich im Ortskern statt. Andreas Müssig gibt aber auch zu bedenken: „Es gibt Orte, die ihre Fußgängerzonen und verkehrsberuhigte Bereiche wegen drohender Verödung und verwaister Geschäfte wieder zurückbauen. Um das zu vermeiden ist es für Murnau absolut notwendig, dass unsere Fußgängerzone gut erreichbar bleibt, und dass es in ihrem Umfeld genügend Parkplätze gibt. Wir hatten diesbezüglich von Anfang an das richtige und gut durchdachte Konzept. Für die Zukunft ist es wichtig, dass Verhalten von Einheimischen, Besucher und letztlich Kunden genau im Blick zu behalten, um rechtzeitig auf eventuelle Veränderungen reagieren zu können.“    Günter Bitala

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