20 Jahre Kulturverein Murnau – Aufgeregtheiten und Anekdoten vor und hinter den Kulissen

Das Team des Kulturvereins (von vorn beginnend): Konstantin Zeitler (1. Vorsitzender), Angelika George (Beisitzerin), Eva Schmalzl (Schatzmeisterin), Florian Oppenrieder (Schriftführer), Christian Schied (Beisitzer), Thomas Köthe (2. Vorsitzender). Foto: Günter Bitala

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GÜNTER BITALA, Murnau – Waren das noch Zeiten, als in der Marktgemeinde Maler und Bildhauer über Tage hinweg für Aufregung sorgten. Gar nicht so lange her. 15 Jahre. Auslöser der Diskussionen waren die Ausstellungen des „Kulturvereines”: die Pin Ups beispielsweise, die ein Gastwirt gestaltete, gewährten für den Geschmack der Einheimischen ziemlich freizügige Einblicke, und die Nackerten von Tanja Schönhaus im Jahr 1997 waren sehr moppelig. „Murnau – heute” hieß in den 90er-Jahren die Ausstellungsreihe, mit der der Kulturverein einen kleinen Gegenpol zum Schlossmuseum schaffen wollten. Droben die Großkunst der lange schon toten Kandinskys und Münters, drunten im Kurgästehaus die quicklebendigen Provinz-Künstler. Heuer feiert der Kulturverein Murnau e.V. sein 20-jähriges Gründungsjubiläum. Das mit den „Provinz-Künstlern” möchte Konstantin Zeitler, den alle nur als Tino kennen, als Vorsitzender des Kulturvereines nicht stehen lassen, waren doch neben den örtlichen Protagonisten, auch überregional bekannte Namen dabei; beispielsweise Toni Oberniedermeier. Und Christian Schied ist seit einiger Zeit mit seinen Arbeiten in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung vertreten. Knallig und explosiv hat es vor 20 Jahren begonnen. Eine der ersten Veranstaltungen des neuen Kulturvereines war ein Faschingszug durch den Ober- und Untermarkt. Zeitlers Feste waren über die Grenzen der Marktgemeinde hinaus bekannt. Einmal gab es einen Feuerzauber zum Jahreswechsel vor dem Rathaus. Ein Polizist mit Schutzhund schaute nach dem Rechten. Tino Zeitler fragte ihn, ob das Tier ‚schussfest‘ sei, was der Beamte bejahte. Als die Knallerei um Mitternacht losging, suchte der Hundeführer allerdings rasch das Weite. Die Vereinsmitglieder um Tino Zeitler und Thomas Köthe ließen sich immer wieder etwas einfallen. Der große Saal im Kurgästehaus etwa war bei einem Salsa-Fest mit blühenden Kirschbäumen ausgeschmückt. Ein anderes Mal dienten Flamingos als Kulisse. Dass es nicht unbedingt Smartphone und Playstation braucht, um Buben und Mädchen zu verzaubern, bewies Eva Schmalzl mit ihrem Kinderkino „Schau hin”. Einmal holte sie Günther Holzhey und seine „Laterna Magica” ins Kurgästehaus. Mit nichts anderem als einem historischen Projektor und ein paar alten Dias füllte der Märchenerzähler zweimal den großen Saal. Eigenproduktionen waren nie das Konzept des Kulturvereines; Thomas Köthe (2. Vorsitzender): „Wir verstanden uns immer als Plattform für Künstler, oft in Zusammenarbeit mit anderen Veranstaltern.“ Musik spielt dabei eine zentrale Rolle – Jazzkonzerte, das Weltmusikfestival „grenzenlos” und die klassischen Sommerkonzerte gemeinsam mit dem Münchner Musikseminar ziehen regelmäßig das Publikum nach Murnau. Dem italienischen Pianisten Maurizio Barbouri war die Sitzbank für seinen Flügel zu groß, er kam nicht an die Pedale. Ein Besuchersessel aus dem Foyer hatte die richtige Höhe. Als einem Bauchredner kurz vor der Kinderveranstaltung im vollbesetzten Kurgästehaus die Sinne schwanden, lief Tino Zeitler los, um aus der Apotheke ein Kreislaufmedikament zu besorgen. Kabarett ist ein weiteres Markenzeichen des Kulturvereines. Nur, was sind heute die ‚Fonsis‘ und Stoiber-Imitatoren für zahnlose Tiger im Vergleich zu den Satirikern vom Range eines Hans Dieter Hüsch? Garstig gab sich Georg Kreisler, der von der Bühne den Pressefotografen bitterböse anblaffte, endlich mit dem Knipsen aufzuhören. Unvergessen auch der Auftritt des als hypersensibel angekündigten Nikolaus Paryla, der aus dem schweren Buch von Karl Kraus, „Die letzten Tage der Menschheit” las. Um Störungen durchs Blitzlicht zu vermeiden, wurde Paryla gebeten, für ein Zeitungsfoto nach seinem Auftritt zur Verfügung zu stehen. Der Schau- spieler hatte dann prompt seine Zusage vergessen. Gerade hatte er seinen sperrigen Bühnenscheinwerfer zum Auto geschleppt, und saß nur in Leibwäsche in der Garderobe. Flugs zog er sich die Smoking-Jacke noch einmal an und posierte in der Unterhose. Sein einziger Wunsch war verständlich: „Nur ein Brustbild, bitte.“

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