Ab jetzt wird täglich gebohrt – 3865 Meter Fels sollen in etwa anderthalb Jahren für Maria-Riesch-Tunnel durchbohrt werden

Die erste Zündung am Maria Riesch-Tunnel lösten Sprengmeister Adolf Pussnig und Matthias Riesch aus. Foto: Walter Glas

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WALTER GLAS, GAP – Die Freude, dass es nun endlich mit dem Tunnelbau los geht, war beinahe greifbar, als am vergangenen Freitag Sprengmeister Adolf Pussnig und Matthias Riesch in Vertretung seiner Schwester die erste Sprengung auslösten. Bis es so weit war und sich die Staubwolke verzogen hatte, gab es jedoch eine ganze Reihe von Reden und Grußworten sowie den Segen von Pfarrer Martin Karras und seiner evangelischen Kollegin Pfarrerin Irene Konrad. Nach einer kurzen Projektvorstellung durch Günther Grafwallner, Leiter des Bauamtes Weilheim, sprach als erster Andreas Scheuer, Parlamentarischer Staatsekretär bei Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, dessen Grüße er überbrachte. Im Erkundungstunnel sah er die wichtigste Baumaßnahme der insgesamt 35 Mio. Euro teueren Vorbereitung für die künftige Ortsumfahrung von Garmisch-Partenkirchen. An die Adresse der Tunnelpatin Maria Höfl-Riesch, die sich noch auf der Hochzeitsreise befindet, ging der Wunsch, dass sie ihre Pflichten als Patin ernst nimmt und mit einer Brotzeit auf der Baustelle vorbeischaut: „Die Mineure bauen darauf.“ Dr. Marcel Huber, Leiter der bayerischen Staatskanzlei, verließ kurzzeitig das Thema Tunnel und sprach die umstrittene Pkw-Maut an. Laut gedacht meinte er: „Bayern braucht neue Finanzierungswege, Bayern braucht Zukunft, nicht Blockade.“ Der Politiker, der sich schon wegen der damit verbundenen Vorziehung von lang anstehenden Infrastrukturmaßnahen klar für Olympia aussprach, bekräftigte: Wir wollen den Tunnel bis zu den Spielen fertig haben.“ Am Beginn einer bevorstehenden Energiewende, so Huber, kann es doch nicht sein, dass in unserem Land um große Projekte 40 Jahre gestritten wird und letztlich die Gerichte entscheiden, ob sie gebaut werden. Landrat Harald Kühn schlug in die gleiche Kerbe, als er daran erinnerte, dass bis zum Tag der ersten Sprengung 40 Jahre vergangen sind, in denen in Bayern nicht weniger als sechs Ministerpräsidenten regierten. In diesem Zusammenhang lobte er explizit Ministerpräsident Max Streibl und seinen Amtsnachfolger Dr. Edmund Stoiber für ihre Verdienste um den Landkreis. Er vergaß bei seinem Dank aber auch nicht den Einsatz der Bürgerinitiative „Zwei Tunnel“, deren Mitglieder sich unermüdlich für das Tunnelprojekt eingesetzt haben. Bürgermeister Thomas Schmid betrieb Ursachenforschung, als er von den unhaltbaren Zuständen sprach, denen die Bevölkerung entlang der B 23 im Ort ausgesetzt ist und die letztlich der Grund für den Tunnel waren. Schmid zum verzögerten Baubeginn: „Ich will ja nicht Nachtarrocken, aber wir hätten den Tunnel schon gerne zur WM gehabt.“ Aber letztlich überwog auch bei ihm die Freude, als er mit einem „Danke und Vergelt’s Gott“ für alle, die mitgeholfen haben, das Projekt zu starten, schloss. Reto Marti, Juniorchef der Schweizer Firma Marti Tunnelbau, dankte für das entgegengebrachte Vertrauen und den Auftrag, den Erkundungsstollen zu bauen. Als mittelständisches Familienunternehmen mit Sitz in Bern beschäftige man 5000 Mitarbeiter. Mit einer feindlichen Übernahme sei nicht zu rechnen. Mit seinem kurzen Firmenportrait warb er auch gleich um den Auftrag für den endgültigen Tunnel. Günther Grafwallner rechnete mit einem bis anderthalb Jahren Bauzeit für den 3865m langen Erkundungstunnel, an dem von zwei Seiten gleichzeitig gebaut wird. Die während der Errichtung gewonnen Erkenntnisse über den stark wechselnden Baugrund werden in die Ausschreibungsunterlagen für den in 45m Abstand verlaufenden Hauptstollen einfließen. „Zunächst“, so Grafwallner, „werden wir auf 600m Fels stoßen, der einen Vortrieb von zirka zwölf Metern am Tag erlaubt. Dann allerdings kommen wir in einen wasserdurchsetzten Bergsturzbereich, wo nur noch ein Meter am Tag zu schaffen ist.“ Im Sprengvortrieb sah er die optimale Methode für eine Untertunnelung des Kramers. Der Erkundungsstollen wird später zum befahrbaren Rettungsstollen ausgebaut. Der Tunnelbau, eine der schwersten und gefährlichsten Arbeiten überhaupt, hat also begonnen. Tag und Nacht an sieben Tagen in der Woche wird gebohrt, gesprengt, gesichert und der Ausbruch aus dem Tunnel heraustransportiert. Gearbeitet wird ohne Pause. Lediglich am 5. Dezember, am Tag der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, ruhen die Bohrer. Nach dem letzten „Glück Auf“, dem Gruß der Bergleute, trafen sich die Politiker, Planer und Bauleute zu Weißwürsten und Leberkäs in der neu errichteten Containerhalle an der B 23, um den gelungenen Tunnelanschlag zu feiern.

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