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Bürgermeister Rolf Beuting und Kommandeur Jürgen Eckert tauschen für einen Tag den Job und gewinnen neue Einblicke

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Die Uniformen sind getauscht und die Arbeit im neuen Job kann losgehen. Bürgermeister für einen Tag Jürgen Eckert (li.) und Kommandeur für einen Tag Rolf Beuting.

Murnau – Stellen Sie sich vor, sie könnten für einen Tag den Beruf eines anderen ausprobieren . . . Wie wäre es, für einen Tag Bürgermeister von Murnau oder Kommandant des Informationstechnikbataillons (ITBtl) 293 zu sein? Ein Jobtausch machte diese Erfahrung für Murnaus ersten Bürgermeister Rolf Beuting und Oberstleutnant Jürgen Eckert, Kommandant des ITBtl 293, möglich.

Die Vertreter der lokalen Presse waren eingeladen, den Fortschritt der Bauarbeiten am Rathaus zu besichtigen, natürlich mit dem Bürgermeister – dem Bürgermeister für einen Tag Jürgen Eckert. Und wie es sich für Murnaus Bürgermeister gehört, kommt Eckert im zivilen, blauen Anzug mit Krawatte und dem Gemeindewappen am Revers. Die Tarnuniform hat er am Morgen dem Kommandanten für einen Tag, Rolf Beuting, beim Uniformtausch im Café Krönner überlassen. Ganz routiniert, so als ob er dies jeden Tag machen würde, nimmt Bürgermeister Eckert zusammen mit dem Marktbaumeister die Arbeiten am Rathaus in Augenschein. Im September soll das Rathaus mit seinen 50 Arbeitsplätzen (inklusive der Touristinformation) bezugsfertig sein. Gehen die Arbeiten denn wie angedacht voran?, möchte Eckert wissen. Zeitmäßig ist man im Plan, „bei den Kosten haben sich Steigerungen ergeben“, unterrichtet Marktbaumeister Klaus Tworek den Bürgermeister. Daran ist unter anderem der Unterbau des Rathauses schuld: an manchen Stellen sei der Boden extrem hart, dann wieder sehr weich, hier eine tragfähige Grundlage zu schaffen, sei eine Herausforderung gewesen. Und dann ist da noch die Konjunktur, „die bringt uns derzeit hohe Preise“, erklärt Tworek weiter. „Wir haben mit knapp sieben Millionen Euro gerechnet“, am Ende werden es circa 7,8 Mio. Euro sein. Die Arbeiten am Bürgermeisterzimmer, wie auch im restlichen Rathaus, kommen gut voran: alte Fester und Türen werden aufbereitet – die Holzböden folgen noch – und neue Innenwände sind gebaut – nach außen bleibt das Rathaus ganz das Alte.

Für einen Tag den Job getauscht... in Bilder 

 © Kronenbitter
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 © Schüttler
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 © Wießmeyer
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In einem der leeren Zimmer des Rathauses und etwas abseits des Baulärms ist die Gelegenheit Eckert zu fragen, wie sich sein Tag als Bürgermeister denn bislang so gestaltet habe und ob er sich in dem Amt wohlfühle. Bürgermeister zu sein mache ihm Spaß, „aber ich bin in meinem Job glücklich“. Bemerkenswert findet Eckert die Bandbreite des Aufgabenspektrums eines Bürgermeisters: „Vom Goldfisch bis zur Baustellenbesichtigung gehört da alles dazu“. „Wir haben auch Gemeinsamkeiten“, stellt Eckert weiter fest. Diese reichen „von der Stiftfarbe bis zu Strukturen von Abteilungen und der Verwaltung“. Denn was dem Bürgermeister die Abteilungsleiter seiner Verwaltung sind, das sind dem Kommandeur die Kompaniechefs. Und, „ich habe als Bürgermeister eine Geschäftsordnung, was Vergleichbares gibt es bei uns auch“.

Im aktuellen Vorzimmer des Bürgermeisters – das Türschild wies das Bürgermeisterzimmer als seines für den Tag aus – sei er heute morgen mit einem freundlichen Lächeln begrüßt worden. All zu viel Zeit hatte Eckert nicht, sich in seinem neuen Amt einzufinden, denn bevor er am Nachmittag zur Baustellenbesichtigung eintraf, hatte er sich bereits die aktuellen Projekte und Herausforderungen der Marktgemeinde erläutern lassen und mit Mietern des Konzepts „InnovationsQuartier“ gesprochen. So ein Bürgermeister hat viele Termine und so geht es für Eckert nach dem Rathausbesuch noch zu einer Beratung mit der Leiterin des Schlossmuseums.

Herausforderung angenommen: Eckert (Mitte) bei der Cold Water Grill Challenge der Marktgemeinde zusammen mit Jan-Ulrich Bittlinger (re.) und Karl Steingruber. Sie nominierten die Gemeinden Seehausen und Oberammergau.

Dass auch ein Kommandeur ein vielbeschäftigter Mensch ist, erlebte Jobtausch-Partner Beuting. Nach dem er seine Stiefel aus der Wehrdienstzeit (diese ist rund 30 Jahre her) geschnürt und das Barett aufgesetzt hatte, ging es zu seinem Arbeitsplatz in die Kaserne. Als Kommandeur für einen Tag – wie an seiner Bürotür zu lesen war – oblag es Beuting, die wöchentliche Chef-Stabs-Besprechung zu leiten und sich über die aktuelle Einsatzlage zu informieren. Das Großevent „Tag der Bundeswehr“ am 9. Juni in der Werdenfelser Kaserne rückt immer näher. Klar, dass sich der Kommandeur für den Stand der Vorbereitungen interessiert. Beuting zeigte sich am Nachmittag der Presse gegenüber beeindruckt und überrascht von dem großen Umfang der Vorbereitungen für diesen Tag. Die vielleicht ungewöhnlichste Aufgabe für den Kommandeur für einen Tag dürfte die Beaufsichtigung des Schießens gewesen sein. Näher an den eigenen Aufgaben als Bürgermeister war das Kennenlernen der IT-Systeme der Streitkräfte.

Am Nachmittag konnte Beuting dann einer Aufgabe nachgehen, die ihm, wenn auch in anderer Form, durchaus vertraut ist: Ehrungen vornehmen. Die vierte Kompanie war angetreten, da zwei Kameraden das Abzeichen für Leistungen im Truppendienst erhielten – einmal in Silber und einmal in Gold. Eine Auszeichnung, die es sich zu erarbeiten gilt. Nach der Ehrung war der Moment gekommen, Kommandeur Beuting zu fragen, wie er denn seinen neuen Job so findet. „Ich denke, das hat ganz gut funktioniert und ich habe einen tiefgreifenden Einblick bekommen. Die Soldaten sind ganz normale Menschen aus unserer Mitte und gehören zu uns.“ Aber bei einer Sache ist er sich ganz sicher: „Für mich wird es kein Nachspiel bei der Bundeswehr geben.“ Als er vor 30 Jahren zum Wehrdienst ging, war das „aus voller Überzeugung“. Aber „bei der Bundeswehr sind alle meine Ideale verloren gegangen. An den Umgangston und die Fremdbestimmung konnte ich mich nicht gewöhnen.“ Beuting stellt jedoch fest, der Ton ist heute ein ganz anderer geworden und nicht mehr mit seiner Wehrdienstzeit vergleichbar. Als äußerst positiv fand Beuting, dass „der Tag viele Gespräche mit Soldaten brachte“, dies fördere das gegenseitige Verständnis. Wie schon Eckert merkte aber auch er an, wieder glücklich zu sein, wenn er an seinen Arbeitsplatz im Rathaus Murnau zurückkommt.

Ganz ohne Bedenken waren Kommandeur und Bürgermeister nicht, als ihnen die Idee vom Jobtausch unterbreitet wurde. „Ich musste erst eine Nacht darüber schlafen“, gesteht Eckert. Dann fand er den Gedanken jedoch charmant – die Idee kam im Zuge der Vorbereitungen zum Tag der Bundeswehr auf. Rolf Beuting sorgte sich ein wenig, dass das Ganze wie Fasching wirken könnte. Aber: „Ich habe mich in der Uniform nicht verkleidet gefühlt.“

Beuting (mitte) beaufsichtigt das Schießtraining.

Am Abend des ereignisreichen Tages stand dann der zweite Uniformwechsel im Café Krönner an. Doch bevor wieder jeder in seine eigentliche Berufskleidung schlüpfte, zogen Eckert und Beuting noch ein abschließendes Fazit. „Es ist schon eine ganz andere Welt“, reflektierte Beuting. „Doch die Soldaten, die ich getroffen habe, das sind Mitbürger in Uniform“. „Es war ein interessanter und abwechslungsreicher Tag für mich“, fasste Jürgen Eckert für sich zusammen.

Ob es zu weiteren Jobtauschs zwischen Soldaten der Werdenfelser Kaserne und den Mitarbeitern des Marktes Murnau kommt? Vielleicht. Ein Anfang ist gemacht. Wer selbst gern einen Blick hinter die Mauern der Kaserne werfen möchte, der ist eingeladen, zum Tag der Bundeswehr am Samstag, 9. Juni, nach Murnau zu kommen.

von Melanie Wießmeyer

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