Oberleutnant Sebastian Steinruck und Tobias Schuster von der Firma CARDIS Reynolds wechselten für einen Tag den Arbeitsplatz

Jobtausch die Zweite: eine IT, zwei Welten

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Oberleutnant Sebastian Steinruck (links) erhält von Andreas Drexler, verantwortlich für die interne IT bei CARDIS, eine Einweisung im Serverraum.

Murnau – Nach dem erfolgreichen ersten Jobtausch zwischen dem Kommandeur des Informationstechnikbataillon 293 (ITBtl 293) Oberstleutnant Jürgen Eckert und dem ersten Bürgermeister der Marktgemeinde Murnau Rolf Beuting, ging das Projekt Jobtausch noch einmal – aus Sicht der Beteiligten –in eine ebenso erfolgreiche zweite Runde.

Gerade im Bereich der Informationstechnik ist der Nachwuchs heiß begehrt, da der Bedarf an IT-Spezialisten auf beiden Seiten – der Bundeswehr, wie auch der Wirtschaft – besonders groß ist. Eine Gelegenheit die „andere Seite“ kennenzulernen und zu bewerten, wie ähnlich sich die Fachleute der Bundeswehr und einer zivilen Firma tatsächlich sind, hatten Tobias Schuster von der Firma CARDIS Reynolds GmbH aus Murnau und Oberleutnant Sebastian Steinruck vom ebenfalls in Murnau ansässigen ITBtl 293.

Die CARDIS Reynolds GmbH ist ein Software- und Dienstleistungsunternehmen mit 75 Mitarbeitern, das IT-Gesamtlösungen, sog. Dealer-Management-Systeme, für Automobilhäuser entwickelt und anbietet. Derzeit betreut sie circa 1.400 automobile Betriebsstätten mit rund 20.000 Anwendern in ganz Deutschland und nimmt damit eine Spitzenposition unter den europäischen Anbietern von Dealer-Management-Systemen ein.

Der erste Unterschied machte sich schon zuhause bemerkbar. „Da bei uns die Uniform vorgegeben ist, besteht kein Spielraum bei der Kleiderwahl, da war es mal wieder ganz schön, sich seine Arbeitskleidung selbst zusammenstellen zu können“, so Sebastian Steinruck, der Tauschpartner vom ITBtl 293. Durch den Tag geführt wurde der 28-Jährige von Andreas Drexler, einem der Verantwortlichen für die interne IT der CARDIS Reynolds GmbH.

Es zeigte sich recht schnell, dass die verwendete Technik gar nicht so unterschiedlich ist – zumindest mit Blick auf die reine Bürokommunikation. Bei der Bundeswehr gibt es darüber hinaus speziellere IT-Systeme. „Ein Unterschied liegt im Arbeiten am System, das bei uns so nur am bundeswehrspezifischen IT-Gerät möglich. So kümmert sich als äquivalent zu dem IT-Verantwortlichen bei CARDIS der sogenannte S6 (für die IT zuständiges Sachgebiet) bei der Bundeswehr hauptsächlich um die Planung und Anforderung der benötigten Bürokommunikation sowie die Verwaltung der Nutzer. Die administrative Betreuung und Einrichtung der Hard- und Software wird dann durch einen eigenen IT-Dienstleister sichergestellt“, erklärt Oberleutnant Steinruck.

Es gibt viele Parallelen zwischen der „grünen“ und der zivilen IT: v. li. Oberfeldwebel Norbert Wagner, Fähnrich Thomas Wippel und CARDIS-Mitarbeiter Tobias Schuster.

In der Kaserne wiederum lernte Tobias Schuster den Cyber- und Informationsraum, kurz CIR, kennen. Er hatte bisher keinerlei Berührungspunkte mit der Bundeswehr, war aber dennoch sehr interessiert, was denn die Streitkräfte so zu bieten haben. Ihn faszinierte die „grüne“ IT: „Als wir in der Arbeit gefragt wurden, wer einen Jobtausch bei der Bundeswehr absolvieren möchte, habe ich mich sofort freiwillig gemeldet. Obwohl ich damals ausgemustert wurde.“ Besonders begeisterte ihn, dass es Großgeräte zum Bestaunen gab, sozusagen IT zum Anfassen. Das hat er in seinem normalen Beruf sonst nicht. „Ich bin überrascht, wie viele IT-Standards es bei der Bundeswehr gibt, die ich sonst nur aus der zivilen Welt kenne, wie zum Beispiel die Router von CISCO.“ Doch natürlich gibt es auch viele Unterschiede: „Hier ist alles viel durchstrukturierter und geordneter, zum Beispiel die Server. Das ist bei uns nicht ganz so straff.“

Ein lohnender Tag

Sebastian Steinruck fällte nach dem Jobtausch ein zufriedenes Urteil: „Am Ende des Tages bekam ich zum einen sehr viel gezeigt und konnte zum anderen sogar noch zur Erledigung der ein oder anderen Aufgabe beitragen.“ Der Jobtausch sei aus seiner Sicht ein voller Erfolg gewesen, bei dem es interessante Einblicke in die zivile Arbeitswelt eines IT‘lers gab.

Beide „Jobs“ haben ihre Vor- und Nachteile, die sich nun besser vergleichen lassen. Auf Dauer seinen Job tauschen würde Steinruck derzeit jedoch noch nicht, da die Arbeit bei der Bundeswehr aufgrund der abwechslungsreichen Aufträge über Übungen bis zum Einsatz sehr interessant und fordernd ist. Für die fernere Zukunft würde er einen Wechsel in die zivile Berufswelt, bestärkt durch die gewonnenen Eindrücke, jedoch nicht ausschließen.

Auf die Frage, ob er sich denn vorstellen könnte, Teil der IT-Truppe der Bundeswehr zu werden, antwortete Tobias Schuster ganz diplomatisch: „Ich finde, die Bundeswehr ist ein attraktiver Arbeitgeber, besonders die Spezialisierungen würden mich interessieren. Toll finde ich auch die vielen Fortbildungschancen und dass die Bundeswehr so viel Geld in jeden Einzelnen investiert. Aber ich bin dann doch sehr glücklich in meinem Beruf.“

von Christopher Schüttler

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