Junge Trachtler trotzen Unwetter – 48. Gaujugendtag der Oberländer Trachtenvereinigung in Grainau

Inmitten ihres schneidigen Nachwuchses marschieren die Jugendleiter. Fotos: Elisabeth Wäspi

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ELISABETH WÄSPI, Grainau – So schnell konnte am Sonntag Nachmittag keiner schauen, da öffnete der Himmel sämtliche Schleusen und ein wüster Platzregen ergoss sich über alle Trachtler. Als schließlich auch noch Hagelkörner fielen, war der Trachtenzug dann vorzeitig beendet. Gerade einmal eine Hand voll von den Vereinen schafften es, sich in den Musikpavillon zu retten, die anderen erwischte es eiskalt während des Zuges. Die Grainauer, die ihre Straßen so festlich mit Fahnen geschmückt hatten, öffneten jedoch kurzer Hand ihre Hausgänge und Garagen, sodass die fesch hergerichteten Madln und Buam, die Abordnungen mit ihren kostbaren Vereinsfahnen und die Musikanten Unterschlupf fanden. Neben der ein oder anderen Mutter, die um den neuen Flam auf dem Hut ihres Sohnes fürchtete und auf das Sauwetter schimpfte, nahmen’s die Trachtler aber mit Humor. „So b’hoit ma den Gaujugendtag wenigstens richtig in Erinnerung“, lachte ein Trommler, der seine durchgeweichten Haferlschuach auszog und einfach barfuß durch die Pfützen stapfte. Nass aber wohlbehalten trudelten schließlich alle Vereine im Musikpavillon im Kurpark ein. Dort hatten die Mitglieder des Trachtenvereins „D’Höllentaler“ in Windeseile bereits alles unternommen, um ihren Gastvereinen einen trockenen Platz zu bieten. Sogar die Feuerwehr kam zu einem Sonntagseinsatz und pumpte Wasser ab, das nicht mehr abfloss. So war es bald wieder so, als ob nichts gewesen wäre, sogar die Sonne blinzelte wieder auf die Trachtler runter. Dem Wetter zum Trotz ergriff aber kein einziger Trachtler die Flucht. Alle sind sie geblieben – sowohl die Vereine als auch die 14 Trommlerzüge und die drei Spielmannszüge – und erfüllten ihren Gauvorstand mit sichtlichem Stolz. Nur mit so einer engagierten Jugend, so Gauvorstand Schorsch Mangold, kann es weitergehen, die sich der Tradition bewusst ist, die diese allen Umständen zum Trotz weiterführen will und die zusammenhält. „Ich bin stolz auf euch“, rief er schallend von der Bühne hinab auf den schneidigen Trachtlernachwuchs und bekam dafür den tosenden Beifall von gut 2300 Trachtlern und Gästen. So war das Unwetter schnell vergessen und das Fest wurde fortgesetzt mit den Ehrentänzen der Vereine, die der zweite Gaujugendleiter Anton Neuner ankündigte. Ob mit dem „Reit im Winkler“, dem „Auerhahn“, dem „Sternentanz“ oder anderen Plattlern, die die jungen Trachtler zur Musik der Grainauer Musikkapelle aufführten: Der Nachwuchs legte sich ordentlich ins Zeug und zeigte, dass auch sie für die Tracht eintreten. Dieses ehrliche und von Herzen kommende Engagement rundeten Festwagen der Höllentaler ab. Ein Wagen erinnerte an die Wiesenmahd von früher, auf einem anderen Wagen führte der Holzhackerverein sein Handwerk aus früheren Tagen vor und auf dem mit Blumen geschmückten Festwagen mit dem Gauzeichen durften zwei kleine Grainauer Trachtler sitzen. Den Zug begleiteten in der Kutsche Grainaus Altbürgermeister Peter Schuster, der Ehrenvorsitzende Georg Ostler und die Ehrenmitglieder Sebastian Schausbreitner und Josef Märkl – sie alle waren sichtlich beeindruckt von diesem geballten Gefühl des Zusammenhaltens und Traditionsbewusst- seins. So ging es auch den Ehrengästen, den Landtagsabgeordneten Florian Streibl (Freie Wähler) und Martin Bachhuber (CSU), Grainaus Bürgermeister Andreas Hildebrandt und den Gemeinderäten, die sich an das Fest sicher genauso lange erinnern werden wie die nassen aber gut gelaunten Trachtler.

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