Rennen am Wochenende in Garmisch-Partenkirchen - Felix Neureuther erreicht Platz sechs trotz Verletzung

Auf Heimrennen nicht verzichtet

+
Auf dem sechsten Platz: Felix Neureuther gab nach seinem Rennen noch einige Autogramme.

GAP - Es war der Höhepunkt der Rennen in Garmisch-Partenkirchen: Der Riesenslalom am Sonntag. Dabei fuhrt Stefan Luitz bei der WM-Generalprobe sein erstes Podest in diesem Winter ein. Der 24-Jährige kam auf den dritten Platz. Es gewann einmal mehr der Österreicher Marcel Hirscher, der sich einen spannenden Zweikampf mit Alexis Pinturault lieferte. Der Franzose führte nach dem ersten Durchgang noch mit 0,09 Sekunden vor dem Österreicher, doch im zweiten Lauf verlor er nach einem schweren Fehler im Steilhang viel Zeit und wurde letztlich nur Vierter.

Hirscher demonstrierte wieder, dass er der Dominantere im Riesenslalom ist. 1,5 Sekunden Vorsprung hatte er im Ziel auf den Überraschungszweiten Matts Olsson aus Schweden. „Es war ein sehr schweres Rennen. Ich bin stehend k.o.“, sagte Hirscher im Ziel. Luitz zeigte in Garmisch-Partenkirchen eine starke Leistung. Der Allgäuer mag steile und eisige Pisten: „Die Kandahar ist eine Herausforderung - mir liegt sie.“ Angetrieben von den Zuschauern mobilisierte er die letzten Kräfte und wurde mit dem dritten Platz belohnt (+1,95). „Das ist ein Wahnsinn! Es ist das schönste Podest für mich, weil ich es bei einem Heimrennen gefahren habe“, jubelte er. „Es war sehr anstrengend, die Schenkel haben unten gebrannt, und ich wollte so schnell wie möglich ins Ziel kommen. Aber Dank des Publikums konnte ich alles rausholen.“

Nach seinem Einfädler beim Slalom in Schladming hatte sich Neureuther das Knie verdreht, sein Start war unter der Woche noch ungewiss. Doch der Partenkirchner wollte auf sein Heimrennen nicht verzichten. „Die Vorfreude auf das Heimrennen ist größer als die Schmerzen im Knie“, sagte er vor dem Rennen. Im ersten Durchgang lag er noch auf dem vierten Rang, im zweiten blieb er an einem Loch hängen, konnte einen Sturz gerade noch verhindern. Im unteren Teil verließen den Partenkirchener die Kräfte und er fiel auf Platz sechs (+2,45) zurück. „Unter den Voraussetzungen bin ich heute äußerst zufrieden. Ich habe einen Schlag erwischt - und das war genau das Knie“, sagte Neureuther unter Anspielung auf sein gereiztes Knie. Dominik Schwaiger, Alexander Schmid und Linus Strasser konnten sich nicht für den zweiten Lauf qualifizieren. „Der dritte Platz für Stefan Luitz freut mich riesig“, sagte Alpindirektor Wolfgang Maier. „Er hat eine super Leistung abgeliefert. Das hat er sich wirklich verdient. Die Ränge bis zum zweiten Platz sind sehr hart umkämpft und das Fahrerfeld rückt hier eng zusammen. Außer Marcel Hirscher, der fährt zur Zeit einfach eine Klasse besser als alle anderen.“ Wegen seiner Knieverletzung verzichtet Neureuther auf den Parallel-Slalom am heutigen Dienstagabend in Stockholm. Bei dem City-Event wird für den routinierten Skirennfahrer der junge Münchner Linus Straßer antreten, wie aus der Startliste des Weltverbandes FIS am Sonntag hervorging. Neureuther hatte sich am Dienstag vergangener Woche im Slalom von Schladming eine Kapselzerrung im linken Knie zugezogen, beim Riesentorlauf am Sonntag in Garmisch bekam er dann noch einen Schlag auf das malade Gelenk ab. Das letzte Weltcup-Rennen vor der WM steigt heute ab 17 Uhr. Ob sogar Neureuthers Einsatz bei den in den nächsten Wochen beginnenden Weltmeisterschaften in St. Moritz in Gefahr sei, war zunächst offen. „Man muss abwarten, ich muss jetzt meinen Physio finden und es mit dem besprechen“, sagte Neureuther in Garmisch-Partenkirchen.

"...aber die Kandahar verzeiht nicht.“

Rennen auf der Kandahar

Wenn ein Rennen viele Stunden dauert, dann ist es immer ein schlechtes Zeichen: Entweder spielt das Wetter nicht mit, oder es gibt immer wieder Stürze. Das Wetter in Garmisch-Partenkirchen präsentierte sich am vergangenen Freitag von seiner allerbesten Seite. Herrlicher Sonnenschein herrschte über der Kandahar, doch darüber freuen konnten sich die Fahrer nicht. Denn es gab im dreistündigen Rennen immer wieder schwere Stürze.

Als ersten erwischte es Steven Nyman, der den Kramer-Sprung mit zu viel Rücklage anging, dem Druck nach extrem weitem Flug nicht standhalten konnte und ins Fangnetz krachte. Per Hubschrauber wurde er abtransportiert, er trug Knochenprellungen im Knie und Bänderverletzungen „höheren Grades“ zu. davon. Der Norweger Aleksander Aamodt Kilde räumte ein Tor ab, einer der Mitfavoriten kam mit geschwollener rechter Hand und einem großen Bluterguss an der rechten Oberschenkelinnenseite noch glimpflich davon. Der Kanadier Erik Guay verlor in der Anfahrt zum Seilbahnstadelsprung die Kontrolle über die Skier, woraufhin er wild durch die Luft segelte – nahezu so wie Hermann Maier 1998 bei den Olympischen Winterspielen in Nagano. Guay landete aber auf dem Rücken, der Air-Bag ging auf und so konnte er auf den Skiern ins Ziel fahren.

Der Franzose Guillermo Fayed Knochenstauchungen im Knie. Sein Landsmann Valentin Giraud Moine, vergangene Woche Zweiter auf der Streif in Kitzbühel, verletzte sich schwer. Er erlitt bei seinem Sturz kurz vor der Einfahrt in den Zielhang an beiden Beinen Knieluxationen sowie Bänderverletzungen. Die Gelenke wurden ihm unter Narkose wieder eingerenkt. Es siegte Travis Ganong siegte in 1:53,71 Minuten vor dem Norweger Kjetil Jansrud (0,38 Sekunden zurück) und Peter Fill (Italien/0,52). Es war der erste Sieg eines Rennläufers aus den USA auf der legendären Kandahar. „Ich hatte sowohl während des Trainingslaufes am Vortag, als auch beim Aufwärmen ein gutes Gefühl“, sagte der Sieger. „Heute lief alles perfekt. Ich konnte mich pushen und mich an meine Linie halten. Die Stürze nehmen einen mit. Im unteren Abschnitt fällt es mir sehr leicht, Tempo zu machen, ich verdanke dies vor allem meiner Kraft, weil ich nie müde werde und ich dadurch bis zum Ende Vollgas geben kann.“ Zum Sturz von Guay meinte er: „Ich verstehe nicht, wie es dazu kommen konnte. Ich wusste nur, dass etwas passiert war und wusste nicht, wie schlimm es war. Du kannst Dich damit nicht wirklich auseinandersetzten, wenn Du selbst kurz vor dem Start stehst. Du musst versuchen, alles auszublenden. Das ist eine Situation, mit der jeder Fahrer klarkommen muss. Jeder versucht, der Schnellste zu sein und mit Selbstvertrauen in das Renne zu gehen.“ Jansrud sagte: „Das Rennen war sehr hart, Es war überraschenderweise noch schneller als das Training. Ich glaube, jeder war überrascht. Wegen des Eises und der generell höheren Geschwindigkeit wurden alle Sprünge sehr viel weiter: Ich glaube, ich hatte einen guten Lauf, jedoch habe ich im unteren Teil Zeit liegen gelassen, im Gegensatz zu Ganong.“

Fill war nicht ganz happy: „Ich bin nicht wirklich zufrieden mit meiner Leistung. Im unteren Abschnitt habe ich einen großen Fehler gemacht. Das war kein einfaches Rennen." Andreas Sander (Ennepetal/1,52) belegte Rang 14 und meinte: „Die Strecke kostet viel Kraft. Der untere Abschnitt ist gut. Ich habe nicht geglaubt, dass ich den Sprung stehe. Insgesamt wäre aber mehr möglich gewesen. Von den Stürzen habe ich nicht viel mitbekommen.“ Josef Ferstl (Hammer/2,44) wurde 20., Thomas Dreßen (Mittenwald/3,89) und Dominik Schwaiger (Königssee/5,44) fuhren auf die Ränge 37 und 42. Markus Waldner, Renndirektor des Internationalen Skiverbandes FIS, erwiderte aufkommende Kritik an den Pistenbedingungen mit dem Hinweis, er habe die Kandahar noch nie in einem so guten Zustand gesehen. „Natürlich sind wir nicht happy“, sagte er zu den Stürzen und ergänzte: „Ich glaube, dass diese Kitzbühel-Woche enorm viel Energie gekostet hat, ich habe die Läufer müde gesehen. Man kommt hierher, hat es vielleicht ein bisschen auf die leichte Schulter genommen ... aber die Kandahar verzeiht nicht.“

Zweite Abfahrt geht an Hannes Reichel

Der Österreicher Hannes Reichelt hat zum zweiten Mal nach 2015 die Weltcup-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen gewonnen. Der 36 Jahre alte Super-G-Weltmeister setzte sich beim zweiten Rennen in der Königsdisziplin auf der Kandahar binnen 24 Stunden vor dem Südtiroler Peter Fill (+0,16 Sekunden zurück) und Beat Feuz aus der Schweiz (+0,52) durch. Auch am Samstag kam es zu Stürzen, die allerdings glimpflicher verliefen als am Freitag bei der ersten Schussfahrt auf der überaus anspruchsvollen Strecke (siehe Bericht nebenan). Obwohl die Renndirektion den Kramersprung entschärft hatte, flog der Franzose David Poisson an dieser Stelle ab. Auch der Schweizer Nils Mani hatte bei einem Sturz Glück. „Der Kramersprung, wo gestern wilde Figuren waren, ist besser zu fahren. Aber natürlich darf man ihn nicht unterschätzen“, sagte Reichelt, der mit Startnummer 1 zu seinem zwölften Weltcup-Sieg gerast war. „Ich bin runtergekommen und habe mir gedacht: Einige Passagen wären sicher mehr am Limit gegangen, mit mehr Risiko. Aber nach den letzten beiden Abfahrten, wo ich jeweils Fehler hatte, wollte ich sicher runterfahren.“ Die Fahrer fuhren in den heiklen Passagen teilweise auch vorsichtiger. So wie Topfavorit Kjetil Jansrud. Der Führende im Abfahrts-Weltcup und Zweite gestern blieb als Fünfter 0,81 Sekunden hinter Reichelt. Nach seinem spektakulären Abflug am Freitag, den er unverletzt überstand, verzichtete der Kanadier Erik Guay kurzfristig auf einen Start. Die Deutschen Fahrer belegten folgtende Plätze: Andreas Sander (+1,44) wurde 15., Josef Ferstl (+2,16) und Thomas Dreßen (+2,39) fuhren auf den Rängen 31 sowie 32 knapp an den Punkten vorbei, Dominik Schwaiger wurde 39. (+3,03).

Von Titus Fischer

Auch interessant

Meistgelesen

Internationale Zusammenarbeit führte zum Erfolg
Internationale Zusammenarbeit führte zum Erfolg
Gaujugendfest am Sonntag
Gaujugendfest am Sonntag
Bürgerbegehren abgelehnt
Bürgerbegehren abgelehnt
Bekenntnis zu Brauchtum und Tradition
Bekenntnis zu Brauchtum und Tradition

Kommentare