Abschied nach über 570 Rennen

Karriereende: Skirennfahrer Fritz Dopfer sagt "Servus"

+
Er zählte zu den besten deutschen Skirennfahrern: Fritz Dopfer hat kürzlich seine Karriere beendet. Damit folgt er seinem ehemaligen Mitstreiter Felix Neureuther, der vor etwa einem Jahr sein Karriereende bekannt gab.

GAP – In den turbulenten Zeiten während der Coronakrise wäre diese wichtige Meldung fast untergegangen. Skirennfahrer Fritz Dopfer hat seine Karriere beendet. Wir möchten hier seine Leistungen noch einmal würdigen.

Es geht nicht mehr: Fritz Dopfer vom SC Garmisch hängt die Skier an den Nagel. „Nach über 570 Rennen auf Weltcup-, Europacup- und FIS-Ebene sowie insgesamt 3.150 Weltcup-Punkten werde ich meine Karriere beenden“, gab der 32-Jährige bekannt. Sein Körper habe in den letzten Jahren ein ums andere Mal gezeigt, dass er die Belastungen des Hochleistungssports „nicht mehr mitgehen kann“. Im November 2016 waren bei einem schweren Trainingssturz Schien- und Wadenbein des linken Unterschenkels gebrochen.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Leistungssport - ich sage auf Wiedersehen! Ich blicke auf eine wunderschöne, intensive und prägende Zeit als Skiprofi zurück. Nach über 570 Rennen auf Weltcup-, Europacup- und FIS-Ebene sowie insgesamt 3.150 Weltcup-Punkten werde ich meine Karriere beenden. Ich durfte dabei schöne Momente genießen, aber auch die Schattenseiten eines Sportlerlebens kennen lernen. Leider konnte ich in den letzten Jahren nicht mehr meine absolute Leistungsfähigkeit abrufen, da mir mein Körper ein ums andere Mal zeigte, dass er die Belastungen des Hochleistungssport nicht mehr mitgehen kann. Aus diesem Grund wäre das Weltcup-Rennen in Kranjska Gora mein letztes Rennen gewesen - an jenem Ort, an dem ich vor zehn Jahren meine ersten Weltcup-Punkte erzielte. Schlussendlich wurde es abgesagt, denn die Gesundheit von uns Allen steht im Vordergrund! Wenn ich auf meine Karriere zurückblicke, überwiegt ein großes Gefühl an Dankbarkeit und Glück, meinen Traumberuf für diesen Lebensabschnitt gefunden zu haben. Dafür möchte ich mich bei Allen recht herzlich beDANKEn; ganz speziell bei denen, die mich in den letzten Jahren so unterstützt haben: meinen Trainern und Betreuern, dem gesamten Deutschen Skiverband, dem Zoll-Skiteam, dem Ski-Club Garmisch, meinen Sponsoren, dem ÖSV und ganz besonders meiner Familie. Bis bald, Euer Fritz #thankful

Ein Beitrag geteilt von Fritz Dopfer (@fritz_dopfer) am

Dopfer war neben Felix Neureuther über viele Jahre der beste Skirennfahrer Deutschlands gewesen - ein Jahr nach dem deutschen Weltcup-Rekordsieger hört er auch auf. „Leistungssport - ich sage auf Wiedersehen!“, schrieb der 32-Jährige bei Instagram und erinnerte neben einem Kindheitsbild von sich an "schöne Momente" und "Schattenseiten". Das Weltcup-Rennen in Kransjska Gora wäre sein letztes Rennen gewesen, wegen der Coronakrise wurde es allerdings abgesagt.

Die Saison 2014/15 war seine beste. Hier kam er im Gesamtweltcup auf Rang fünf. In der Riesenslalomwertung wurde er Vierter und beim Slalom Fünfter. Der Rennfahrer vom SC Garmisch entschloss sich nach 13 Jahren im Weltcup zu dem Schritt, weil er nach den Folgen einer schweren Beinverletzung im Herbst 2016 keine andere Wahl habe. Ihm sei klar geworden, „dass mir mein Körper es nicht mehr erlaubt, den Sport mit der letzten Konsequenz ausüben zu können“, sagte er.

Das historische Weltcup-Rennen 2015 in Vali/Beaver Creek

Dies war schon länger ersichtlich - Dopfer kämpfte statt um vordere Plätze zumeist um einen Rang unter den besten 30 und war dabei nur noch selten erfolgreich. Dabei sammelte er von 2011 bis 2016 insgesamt neun Weltcup-Podien und feierte 2015 als Vizeweltmeister in Vail/Beaver Creek im Slalom seinen größten Erfolg. Es war damals ein historisches Rennen. Felix Neureuther vom SC Partenkirchen gewann Bronze. Geschlagen geben mussten sie sich nur Jean-Baptiste Grange aus Frankreich, der bei der Ski-WM in den USA seinen Titel im Slalom wiederholte. Dopfer sagte damals: „Wahnsinn, vor anderthalb Wochen hätte ich mir das nicht vorstellen können“, ihn hatten Rückenproblemen geplagt. „Da haben viele Personen einen großen Anteil daran, dass ich hier stehen darf, das hätte ich mir nie erträumt.“ 28 Jahre nach Torlauf-Gold für Frank Wörndl und Bronze für Armin Bittner aus Krün standen damit wieder zwei Sportler des Deutschen Skiverbandes im Slalom gemeinsam auf einem WM-Podium.

WM-Krimi in Schladming 2013: Dopfer holt Bronze mit dem Team

Bei der WM in Schladming hatte Dopfer 2013 Bronze mit dem Team gewonnen. Zum Deutschen Sextett gehörten noch Lena Dürr, Maria Höfl-Riesch, Felix Neureuther sowie die Ersatzfahrer Veronique Hronek, und Stefan Luitz. In einem dramatischen kleinen Finale gegen Kanada gewann zunächst Lena Dürr gegen Brittany Phelan und die deutsche Mannschaft ging in Führung. Felix Neureuther kämpfte gegen seinen Gegner Michael Janyk um jeden Meter, verlor aber seinen Lauf um 0,07 Sekunden. Damit stand es zur „Halbzeit“ 1:1. Maria Höfl-Riesch startete mit vollem Elan, aber bis ins Ziel hatte sie exakt eine Hundertstelsekunde auf Erin Mielzynski verloren. Nun musste es Fritz Dopfer richten. Er benötigte nicht nur den Sieg, sondern auch eine gute Zeit – denn bei Gleichstand wurden die Zeiten der besten Frau und des besten Mannes einer Nation addiert. Der Fahrer vom SC Garmisch hatte einen ganz schlechten Start, doch dann gab er Gas und setzte sich mit einer Hundertstel Sekunde gegen den Kanadier Philip Brown durch. 2:2. Zunächst blickten alle ungläubig in den Nachthimmel von Schladming. Dann merkte Höfl-Riesch als erste, dass es geklappt hatte: Die Zeitensumme sprach mit 39,88: 39,93 um 0,05 Sekunden für Deutschland! „Fritz Dopfer hat heute sein Meisterstück abgeliefert. Richtig stark“, lobte Herren-Cheftrainer Karlheinz Waibel damals.

Knapp vorbei am Weltcup-Sieg

Viele Erfolge konnte Fritz Dopfer in seiner Karriere feiern, nur ein Weltcup-Sieg war ihm verwehrt: Im Torlauf von Adelboden 2015 etwa fehlten ihm nur zwei Hundertstelsekunden zum obersten Platz auf dem Treppchen. Der gebürtige Innsbrucker wechselte 2007 aus Österreich zum Deutschen Skiverband (DSV). Bis März 2010 hatte er sich in 25 Weltcuprennen kein einziges Mal für den zweiten Durchgang qualifizieren können. Im Herbst 2011 kam er erstmals unter die Top 3 im Weltcup. Danach fuhr er regelmäßig auf höchstem Niveau, verpasste aber einige Mal auch größere Erfolge knapp. Bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi wurde er Slalom-Vierter, nachdem er nach dem ersten Lauf noch auf Rang 14 lag. Auf die Bronzemedaille, die Henrik Kristoffersen aus Norwegen gewann, fehlten ihm nur 0,05 Sekunden. Den Sieg holte sich damals überraschend Mario Matt vor dem großen Favoriten Marcel Hirscher. Im November 2016 erlitt Dopfer bei einem Trainingssturz einen Schien- und Wadenbeinbruch im linken Unterschenkel, musste die Saison aussetzen und kam wegen der Folgen dieser schweren Verletzung nicht mehr an sein altes Niveau heran.

Verletzungen verhinderten Rückkehr zur Weltspitze

„Leider konnte ich in den letzten Jahren nicht mehr meine absolute Leistungsfähigkeit abrufen, da mir mein Körper ein ums andere Mal zeigte, dass er die Belastungen des Hochleistungssport nicht mehr mitgehen kann“, schrieb der sensible und tüftelnde Sportler. Zuletzt hatte er oft mit Rückenproblemen zu kämpfen, die seine Rückkehr in die Weltspitze verhinderten. „Da das aber immer mein Anspruch war, ist die Zeit nun gekommen, aufzuhören und sich neuen Aufgaben zu widmen“, sagte er. Alpin-Chef Wolfgang Maier betonte: „Auch wenn Fritz der ganz große Sieg in seiner Karriere nicht vergönnt war, so hat er über viele Jahre mit seinen Erfolgen und seiner Konstanz die Techniker-Mannschaft geprägt. Er war eine tragende Säule der Mannschaft, ehe er durch eine schwere Verletzung zurückgeworfen wurde. Fritz ließ sich dennoch nie entmutigen und kämpfte sich wieder zurück.“ Wie es mit Dopfer, der einen Masterabschluss in BWL und einen in Immobilienmanagement hat, weitergeht, wollte er nicht genau sagen. Nur so viel: „Skifahren ist meine große Leidenschaft und dafür schlägt mein Herz. Daher würde es mich freuen, wenn ich weiterhin in der alpinen Rennszene wirken könnte", kündigte Dopfer an, ohne ins Detail zu gehen. Maier begrüßte das und will „alles daransetzen, um ihn auch zukünftig in unseren Reihen zu wissen.“ 
Titus Fischer

Bilder, Videos und Aktuelles aus der Heimat: Besuchen Sie uns auch auf Facebook.

Auch interessant

Meistgelesen

Überstunden und Extraschichten in der Lebensmittelindustrie
Überstunden und Extraschichten in der Lebensmittelindustrie
Fahrzeug entwendet und Angriff auf die Polizei: junger Mann in Garmisch-Partenkirchen festgenommen
Fahrzeug entwendet und Angriff auf die Polizei: junger Mann in Garmisch-Partenkirchen festgenommen
Trixi-Spiegel für mehr Sicherheit in Garmisch-Partenkirchen
Trixi-Spiegel für mehr Sicherheit in Garmisch-Partenkirchen
Zirkus strandet in Mittenwald – Spender helfen in der Not
Zirkus strandet in Mittenwald – Spender helfen in der Not

Kommentare