Nationalpark im Ammergebirge?

"Das ist nicht unser Weg"

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Vorsitzender Michael Weisenbach (vorne Mitte) mit dem Vorstand des neu gegründeten Vereins „Unser Ammergebirge“.

Region – Es ist eine Allianz über drei Landkreise hinweg. Geschmiedet haben sie in der vergangenen Woche Interessenvertreter der Jagd, Land- und Forstwirtschaft und Politik im Schwangauer Schlossbrauhaus. Dort trafen sich mehr als 300 Freunde des Ammergebirges zur Gründungsversammlung eines neuen Fördervereins „Unser Ammergebirge“ und gaben gleichzeitig ein deutliches Signal in Richtung Politik: Sie werden wachsam bleiben und einen „Nationalpark Ammergebirge“ mit allen Mitteln verhindern.

Es ist momentan zwar ruhig geworden um das Projekt Nationalpark Ammergebirge, denn derzeit liegt der Fokus doch auf der Rhön und dem Spessart. Doch die Ankündigung der Staatsregierung in München, in Bayern einen dritten Nationalpark einrichten zu wollen, hatte die Gegner aufgeschreckt und wachsam gemacht. Schon 2012 hätte sich die Bevölkerung im Ammer- und Loisachtal gegen einen derartigen Nationalpark ausgesprochen, betonte Anton Speer. „Und das ist so geblieben“, so der Landrat. Damit bezog Speer (Freie Wähler) klar Stellung: „Wir müssen einen Nationalpark mit allen Mitteln verhindern“.

Zwei Drittel der Fläche des Landkreises Garmisch-Partenkirchen seien schon in verschiedenen Programmen unter Schutz gestellt, weitere Schutzgebiete brauche man nicht mehr. „Wenn wir schon einen Nationalpark hätten, wäre beispielsweise die neue Seilbahn auf die Zugspitze nie genehmigt und nie gebaut worden“, wetterte Anton Speer, der sich damit in guter Gesellschaft weiß. 

Auch sein Fraktionskollege aus dem Oberallgäu, der Landtagsabgeordnete Dr. Leopold Herz, betonte: „Wir brauchen jede Stimme, die einen solchen Unsinn verhindert“. Es gehe um die aktive Nutzung: „Das schönste Holz im Wald verfaulen zu lassen, wäre ein Hohn. Wir müssen da ein Zeichen setzen.“ Dass der Ministerpräsident aus einer gewissen Bierlaune heraus einen dritten Nationalpark gefordert habe, „das ist nicht unser Weg!“ Welche Gefahr die Betroffenen sehen, das hatte zuvor schon der Schwangauer Bürgermeister Stefan Rinke in seinen Grußworten skizziert. Es gelte, eine jahrhundertealte, von Menschenhand gepflegte Kulturlandschaft zu erhalten. „Wir dürfen das Gleichgewicht nicht leichtfertig, und ohne Not, aus dem Lot bringen“, betonte Rinke auch mit Blick auf die bayerische Verfassung, die gerade die kulturelle Überlieferung, das kulturelle Erbe schütze. „Damit alles so bleibt, wie es ist“, so Rinke, habe man sich hier getroffen, um sich zum Sprachrohr für die Lebensart des Ammergebirges und die Menschen zu machen. „Die Bevölkerung lehnt das ab. Vor allem auch in Schwangau!“

Schützen und nützen 

Das sind denn auch die Ziele, die die Gründer um Michael Weisenbach in der Satzung formuliert haben. Es geht um „die Vertretung kulturlandschaftlicher Interessen, ein sinnvoller Naturschutz nach dem Motto ,schützen und nützen’ durch den Erhalt einer nachhaltigen Nutzung des gesamten Ammergebirges sowie die Sicherung der bäuerlichen Kulturlandschaft“. Nach wochenlangen Vorbereitungen hatte Weißenburg die Versammlung am Mittwoch vergangener Woche einberufen, um den Förderverein – eine landkreisübergreifenden Initiative der Kreise Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau und Ostallgäu, ins Leben zu rufen.

Vorstand steht 

Mit dem Füssener Forstdirektor Robert Berktold hatte Weisenbach einen Versammlungsleiter gefunden, der zügig und reibungslos durch den Abend führte, die Satzung vorstellte und zielstrebig auf den Höhepunkt des Abends zusteuerte. Fast genau um 21 Uhr hieß es nämlich: Der Verein wird gegründet. Mit nur einer Enthaltung wählte die Gründungsversammlung Michael Weisenbach zum neuen ersten Vorstand des Fördervereins. Dafür glich der Saal einem grünen Meer aus Stimmkarten. Unterstützung erhält der 42- jährige Schwangauer, der dem Ammergebirge als Jäger und über die Waldkörperschaft verbunden ist, durch seine beiden Stellvertreter Klaus Mielich (Schwangau) und Robert Stumpfecker aus Oberammergau. 

Von dort war sogar ein ganzer Reisebus aufgebrochen ins Ostallgäuer Schwangau, um Interessierte zur Versammlung zu bringen. Ein Ergebnis, das Lokalpolitiker mit Blick auf den Ministerpräsidenten Horst Seehofer und dessen Umweltministerin Ulrike Scharf wie folgt kommentierten: „Wenn die Politik sagt, dass sie beim Thema Nationalpark nichts gegen den Willen der Bevölkerung durchsetzen will, dann war dies heute ein klares Signal!“

Der Vorstand:

1. Vorsitzender: Michael Weisenbach (Schwangau)

2. Vorsitzende: Klaus Mielich (Schwangau) und Robert Stumpfecker (Unterammergau)

Schriftführerin: Carolin Klughammer (Schwangau)

Kassier: Klaus Linder (3. Bürgermeister Halblech)

Beisitzer: Anton Speer (Landrat, Unterammergau), Johann Gschwill (1. Bürgermeister Halblech), Stefan Rinke (1. Bürgermeister Schwangau), Florian Schwarzfischer (Oberammergau), Konrad Mangold (Oberammergau), Korbinian Albrecht (Graswang), Jürgen Freiherr von der Goltz (Garmisch-Partenkirchen)

Von gau

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