Nach dem Aus des Notdienstes für Kinder

Kompromiss gesucht

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Wegen dem Aus des Kindernotdienstes wird nur nach einem Kompromiss gesucht.

GAP – Den an den Wochenenden für den südlichen Landkreis eingerichteten Kinderärztlichen Notdienst vermissen betroffene Eltern seit Januar 2017. Seit über 20 Jahren hat das Angebot eines fachärztlichen pädiatrischen Bereitschaftsdienstes durch die niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte bestens funktioniert. Jetzt kam das Aus.

Die Kinder- und Jugendarzt-Praxen von Dr. Susanne und Daniela Wohlmann und die Gemeinschaftspraxis von Dr. Gerhard Steinberg, zu der die Pädiaterinnen Dr. Johanna Wiese, Dr. Ulrike Fulda-Rohlfs, Dr. Gertraude Klötzer und Dr. Andrea Klötzer gehören, hielten abwechselnd samstags Sprechstunde für akut erkrankte kleine Patienten in der Region ab. „15 bis 40 Kinder oder Jugendliche haben diesen kinderärztlichen Notdienst stets ambulant wahrgenommen“, erzählt Dr. Daniela Wohlmann. „Darüber hinaus war, wer Bereitschaft hatte, über das Mobiltelefon erreichbar. Das hat gut funktioniert“.

Im Zuge der Einführung der Pilotregion Oberland durch die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) wurden die Kinder- und Jugendfachärzte ab dem Frühjahr 2016 in den allgemeinen Ärztlichen Bereitschaftsdienst eingegliedert. Gegen diesen Bescheid hatten die sechs niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte Widerspruch erhoben, mit der Bitte, das alte System aufrecht zu erhalten. Jetzt, ein Dreivierteljahr später, kam die Antwort. „Es gibt in ihrer Bereitschaftsdienstgruppe keinen von der KVB organisierten Fachärztlichen Bereitschaftsdienst für Kinder- und Jugendmedizin“, zitiert Dr. Steinberg aus dem vorliegenden Schreiben. Bis jetzt, immer noch auf eine positive Klärung hoffend, waren die Betroffenen neben dem regulären Praxisbetrieb sowohl der neuen Zuordnung in den allgemeinen Ärztlichen Bereitschaftsdienst als auch dem bisherigen Kinderärztlichen Notdienst nachgegangen. Eine Mehrfachbelastung also. „Am 14. Dezember kam dann die Ablehnung unseres Widerspruchs. In dem Bescheid steht zwar, dass wir gern so weitermachen können, aber das ist auf Dauer nicht zu leisten“, informiert Dr. Steinberg. Schweren Herzens wurde deshalb zum neuen Jahr ihr Modell aufgekündigt.

Er und seine Kolleginnen wissen, dass die Kassenärztliche Vereinigung nach Gesetz und Paragraph handelt, aber sie hatten auf einen Kompromiss gehofft. Wer jetzt ein akut krankes Kind hat, das eine Untersuchung braucht, muss das Klinikum aufsuchen. Dr. med. Clemens Stockklausner, der Chefarzt der dortigen Kinderklinik, ist über die neue Situation nicht erfreut. „Der diensthabende Kassenarzt holt natürlich bei einem kranken Säugling den Kinderfacharzt aus dem Klinikum zu Hilfe. Das ist richtig so, aber eine zusätzliche Belastung“, informiert er.

Abgewiesen wird niemand, obwohl die Kinderärzte auf den Stationen für Frühchen, Neugeborene und schwerkranke Kinder zuständig, jetzt an den Wochenenden auch noch in der Ambulanz gefordert sind. Ganz unbürokratisch wurde deshalb in Abstimmung mit der Klinikleitung bei großem Bedarf in der Zeit von 9 bis 12 Uhr an den Samstagen, sonn- und feiertags, ein Rufdienst für einen zusätzlichen Kinderfacharzt eingerichtet. Als Dauerlösung sieht das der Chefarzt nicht, deshalb begibt er sich nach einem Treffen mit den niedergelassenen Kinder- und Jugendfachärzten in eine Vermittlerrolle zwischen ihnen und der KVB. „Ein spezieller Fachärztlicher Bereitschaftsdienst für Kinder- und Jugendmedizin ist unser gemeinsamer Vorschlag“. Sein Angebot ist es, diesen ebenso wie den Allgemeinen Ärztlichen Bereitschaftsdienst in den Räumlichkeiten des Klinikums zu installieren. Die Eltern hätten dann mit ihren Kindern in der Auenstraße eine zentrale Anlaufstelle. „Schließlich geht es uns allen um eine kindgerechte Versorgung“.

Von Meggy Schäfer

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