Bundespolitik bei Weißwurst und Ravioli

Klausurtagung der Fraktionsvorstände von CDU/CSU und SPD auf der Zugspitze und in Murnau

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Im Hotelgarten: (v. li.) Volker Kauder, Andrea Nahles und Alexander Dobrindt bei der Abschlusspressekonferenz in Murnau.

Zugspitze/Murnau – Es ist fast schon ein ungeschriebenes Gesetz: Wer Aufmerksamkeit erregen will, wählt die Zugspitze als Verlautbarungsort, dann muss Deutschlands höchster Berg als Kulisse herhalten. Superlativen kommen immer gut, und schöne Bilder kann man auch machen. Auf der Zugspitze ging jetzt auch ein Teil der Klausurtagung der Geschäftsführenden Fraktionsvorstände von CDU/CSU und SPD im Bundestag über die Bühne. CSU-Landesgruppenchef und Stimmkreisabgeordneter Alexander Dobrindt hatte dazu eingeladen.

„Wenn man auf der Zug- spitze tagt, dann ist Klimapolitik selbstverständlich ein Thema“, sagte der Peißenberger zum Auftakt. Heimat und Zukunft seien ohne Klima-, Natur- und Umweltschutz überhaupt nicht denkbar. „Das gehört engstens zusammen.“ Dobrindt stand im Anorak ohne Krawatte vor den Kameras, Andrea Nahles (SPD) in hellblauer Outdoor-Jacke und Volker Kauder (CDU) trug einen roten Schal. Als Gast war auf der Zugspitze Professor Dr. Michael Bittner geladen, wissenschaftlicher Koordinator des Schneefernerhauses, die höchste Umweltforschungsstation Deutschlands. Inhaltlich ging es zudem um das Thema Bauen und Wohnen. Trotz manchem Streit im Vorfeld demonstrierten die drei Fraktionsvorstände Harmonie. Teambuilding war das Gebot der Stunde.

Der Aufwand für das Drumherum war auf knapp 3.000 Metern beträchtlich. Die Mannschaft der Bayerischen Zugspitzbahn schuf die technischen Voraussetzungen. So wurden zusätzliche Leitungen verlegt, um die Internet- und Telefonkapazitäten zu erhöhen. Zu essen gab es für die Abgeordneten und Journalisten am Zugspitzplatt bayerische Kost wie Weißwurst, Obazdn und Kaiserschmarrn. Die Medienaufmerksamkeit nutzte auch Green- peace. Mit einer Lichtprojektion auf die Zugspitze forderte die Umweltschutzorganisation von der Bundesregierung ein schnelleres Handeln beim Klimaschutz. Auch die Landtags-Grünen zeigten auf der Zugspitze Präsenz. Sie verlangten wirksame Maßnahmen gegen die Erdüberhitzung.

Die Klausurtagung der etwa 40 Abgeordneten wurde dann bei Traumwetter im Murnauer Fünf-Sterne-Hotel Alpenhof fortgesetzt. 80 Journalisten im Haus zu haben, das war auch für die Nobel-Herberge etwas Besonderes. Da bedurfte es einiger Vorbereitung, „damit das reibungslos klappt“, wie Hotelchef Christian Bär dem Kreisboten sagte. So wurden Mitarbeiter extra geschult, etwa im Umgang mit Medienvertretern. Der Alpenhof habe aber „keine großen Klimmzüge gemacht, um uns zu verändern“. Der bayerische Abend wurde bodenständig gestaltet. Aufgetischt bekamen die Politiker und deren rund 100 Personen umfassender Tross Fische aus dem Kochelsee, bayerisches Rindfleisch, Spargel, Ricotta-Ravioli sowie Erdbeeren mit Vanillesoße. Bär sprach von einer „Super-Geschichte“. Der Ort profitiere davon, „dass Murnau in den Nachrichten kommt. Das ist ein Wahnsinns-Mehrwert“. Getagt haben die Fraktionsspitzen im „Martin Seiler Saal“. Es ging um Robotik, Digitalisierung und Außenpolitik. Als Robotik-Fachmann war Professor Sami Haddadin geladen. Er will in Garmisch-Partenkirchen bald zu Assistenzrobotern forschen, die das Leben von alten Menschen erleichtern. Auch der jordanische Außenminister Ayman Safadi war im Alpenhof zu Gast.

Um die Sicherheit kümmerte sich ein größeres Aufgebot an Polizeikräften. Als Einsatzleiter auf der Zugspitze und in Murnau fungierte Joachim Loy, Leiter der Polizeiinspektion Murnau. „Zweistellig“ sei die Polizei vertreten gewesen. Besondere Vorkommnisse auf Deutschlands höchstem Berg? Fehlanzeige. Auch in Murnau sei „alles ohne Probleme abgelaufen“, sagte der Erste Polizeihauptkommissar dem Kreisboten.

Zum Abschluss traten die drei Fraktionsvorstände im Hotelgarten vor die Journalisten. Auch da wurde nochmals demonstrativ auf Harmonie gesetzt. „Ich hoffe, dass uns der Geist von Murnau durch die nächsten Wochen und Monate trägt“, betonte CDU-Mann Kauder. SPD-Chefin Andrea Nahles stieß ins selbe Horn und lobte das konstruktive und lösungsorientierte Miteinander der Fraktionen: „Wenn wir in dem Geiste weitermachen, dann ist mir nicht bange darum, dass wir eine sehr gute Arbeit hinbekommen.“ Und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt erklärte: „Wir sind drei Parteien und eine Koalition, das war auf dieser Klausur sehr deutlich.“

Nächstes Jahr ist Nahles in der Eifel Gastgeberin. So eine GroKo-Tagung findet einmal im Jahr statt und wechselt zwischen den drei Vorsitzenden der Abgeordneten von CDU, CSU und SPD.

von Roland Lory

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