Waldarbeit als Generationenaufgabe

Klimawandel: Herausforderungen im Forstrevier Garmisch

Revierleiter Christoph Feiereis ist mit dem Wald aufgewachsen und freut sich sehr über seinen neuen Arbeitsort, für ihn ist Garmisch ein „Traumrevier“.
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Revierleiter Christoph Feiereis ist mit dem Wald aufgewachsen und freut sich sehr über seinen neuen Arbeitsort, für ihn ist Garmisch ein „Traumrevier“.

GAP – Mit den Folgen des Klimawandels hat auch die Waldwirtschaft zu kämpfen. Ein Einblick in die Arbeit des neuen Revierleiters Christoph Feiereis und die Maßnahmen, die er für wichtig hält, um den Wald nachhaltig zu bewirtschaften.

Seit April ist Christoph Feiereis Revierleiter im Forst­revier Garmisch des Forstbetriebs Oberammergau. „Ich habe schon immer gern viel Zeit im Wald verbracht und ich freue mich sehr über meine neue Aufgabe“, erklärt der 36-Jährige. Weil sein Vorgänger Bernd Striegel bereits im November 2019 pensioniert worden ist, erwartete den neuen Förster sofort viel Arbeit. „Schon bei der ersten Sprechstunde stand viel an, die Leute warten auf ihr Holz und haben viele Fragen zu den Themen Windwurf und Käferbefall“, erzählt der neue Revierleiter von seinen ersten Amtshandlungen. 

Den Folgen des Klimawandels begegnen

Christoph Feiereis empfindet Garmisch als Traumrevier, für das er sich stark einsetzen möchte. Die Folgen des Klimawandels – zunehmende Stürme, Trockenheit und Borkenkäferbefall – würden eine besonders intensive Forstwirtschaft verlangen. „Wir müssen weg vom reinen Fichten-, hin zu einem vielfältigen Mischwald“, erklärt der Waldkundige. Die Hälfte seines Reviers ist Wirtschaftswald, die andere Hälfte befindet sich in Hochlagen und ist von Schutzwald geprägt. Dieser Teil soll mit Pflanzprogrammen saniert und wiederbewaldet werden. „Da kommen schon einige Kilometer am Tag zusammen“, berichtet Feiereis. Auch die Jagd spiele für die nachhaltige Waldwirtschaft eine wichtige Rolle. „Ohne eine kontrollierte Jagd könnten wir junge Bäume nicht hochziehen, sie ist unerlässlich.“ Er überprüft regelmäßig die Verbiss-Situa­tion. Mischbaumarten wie Eibe und Tanne würden die Tiere besonders gern fressen, die Fichte mit ihren harten Nadeln werde eher verschmäht. Ein ausgewogenes Jagdmanagement gehöre dazu, um einen gesunden Wildbestand zu erreichen. 

Vergabe von Rechtholz und Kennzeichnen der Bäume

Neben den allgemeinen Herausforderungen ist die Vergabe von Rechtholz im Forstrevier Garmisch eine wichtige Aufgabe des Revierleiters. Für etwa 200 Holzrechtler ist er nun fortan erster Ansprechpartner, wenn es um die Zuweisung von Brennholz geht. Auf Grundlage von uralten Zuweisungsrechten erhalten sie noch heute ihren entsprechenden jährlichen Holzanteil. „Unsere Aufgabe ist es, das Holz zu kennzeichnen, damit es dann im Herbst geschlagen und abgefahren werden kann“ , erklärt Feiereis. Er ist fast täglich im Wald unterwegs und markiert Bäume, die gefällt werden sollen, mit einem roten Schräg­strich. Die Markierungen werden auch für die so genannten Selbstwerber angebracht. Diese besitzen zwar keine Rechte, möchten aber Brennholz erwerben und fällen die Bäume selbst. 

Vor allem die kranken und absterbenden Bäume werden vom Revierleiter gekennzeichnet. Besonders solche, in denen der Borkenkäfer haust. „Hier ist Eile geboten, denn bevor der Käfer ausfliegt, sollten diese Bäume gefällt und abtransportiert sein.“ Der Förster achtet verstärkt auf Anzeichen des Befalls: starker Harzfluss, Veränderungen der Nadelmasse oder Rindenverlust. Mit Hilfe seines Handys und eines speziellen Computerprogramms ordnet Feiereis die markierten Bäume dann einem GPS-Punkt zu, so dass sie später leicht gefunden werden können. 

Förster aus Leidenschaft 

Seine Grundhaltung zur Arbeit bringt Feiereis so zum Ausdruck: „Im Sinne der Nachhaltigkeit wird nur so viel Holz geerntet wie auch nachwachsen kann. Die Arbeit im Wald ist eine Generationenaufgabe.“ Das verkörpert er selbst, denn er trägt die forstliche Leidenschaft schon in den Genen. Sein Großvater besaß Privatwald, beim Brennholzmachen durfte er als Kind schon dabei sein. 40 Jahre lang war sein Großvater Förster im Sauerland, nahm den Enkel früh mit auf Waldtouren und ging mit ihm zur Jagd. „Ich bin im Wald und mit den Bäumen groß geworden. Nach dem Wehrdienst lag es nah, in die Fußstapfen meines Opas zu treten“, erinnert sich Feiereis. Einen reinen Bürojob könne er sich nicht vorstellen. Nach seinem Forstwirtschaftsstudium in Rottenburg am Neckar führten ihn seine ersten Dienstjahre nach Rheinland-Pfalz, erst als Büroleiter des Forstamts Landau in der Pfalz und später dann als Revierleiter eines Staatswaldreviers in Kandel. Dann landete er in Oberbayern. Er arbeitete im bayerischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Kartierteam „Natura 2000“. Dessen Aufgabe ist es, den Wald in allen oberbayerischen Natura-Gebieten zu kartieren, zu bewerten und periodisch zu überprüfen. „Dort habe ich einen besonderen Blick für die Naturschutz-Belange eines Bergreviers und die einmalige Schönheit der Alpenreviere bekommen“, erzählt Feiereis, der sich darüber freut, „in einer Re­gion arbeiten zu dürfen, in der andere ihren Urlaub verbringen.“ 

Kontakt

Bei Fragen kann man sich dienstags, von 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr, per E-Mail oder Telefon an Christoph Feiereis wenden. Email: Christoph.feiereis@baysf.de, Telefon: 08821/2135.

Barbara Falkenberg

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