Grandioses Familien-Langlaufwochenende mit zwei sportlichen Sensationen

2700 Teilnehmer beim König-Ludwig-Lauf

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Auch bei den jungen Startern ging es ehrgeizig zur Sache.

Oberammergau – Wer in den Tagen vor dem Köng-Ludwig-Lauf durch Oberammergau kam, dem begegneten immer wieder Menschen mit geschulterten Schaufeln. Am Ammergauer-Haus radelte Karl-Heinz Kröniger vom WSV Unterammergau entgegen, die Schneeschippe auf dem Gepäckträger fest verzurrt: „Ich bin auf dem Weg zur Ettaler-Mühle. Dort am Startplatz zum König-Ludwig-Lauf wird jede Hilfe gebraucht – der Regen spült die Loipe weg. Wir werden den König-Ludwig-Lauf retten, das ist doch Ehrensache! Wir aus Unterammergau packen mit an!“ Kröniger lacht und saust weiter.

Aus Ettal, Bad Bayersoien, aus Altenau, überhaupt aus dem gesamten Ammertal, sind Männer und Frauen gekommen, um mitzuhelfen. Am Ende waren es wohl um die 300 Personen, wie Oberammergaus Bürgermeister Arno Nunn bilanziert. Lastwagen karrten im Dauerkonvoi neue Schneeladungen heran. Alle Mühe hatte sich gelohnt! Die angesetzten Wettläufe konnten stattfinden, auch wenn die lange Strecke von 50 auf 39 Kilometer verkürzt wurde, und die kurze Strecke von 25 auf 20 Kilometer. Insgesamt 2700 Teilnehmer gingen bei den diversen Rennen an den Start. Ein wunderbares Wintersport-Familienwochenende ist es geworden, mit zwei handfesten Sensationen am Ende. Arno Nunn ist „stolz auf seine Oberammergauer“, das steht dem Bürgermeister ins Gesicht geschrieben. Beeindruckt erzählt er die Dramatik in der Vorbereitung zum 44. König-Ludwig-Lauf: „Das Wochenende zuvor hatten wir ein grandioses Wintermärchen – viel Schnee, traumhaftes Sonnenwetter, hervorragende Langlauf-Bedingungen. Dann kam der Regen und das Tauwetter. Am Mittwoch mussten Marc Schauberger vom Organisationskomitee und seine Leute einen Plan entwickelt, wie die Rennen stattfinden können.“ Das größte Problem gab es am Startplatz bei der Ettaler Mühle. Wie Nunn sagt, war das gesamte Gelände überflutet: „Die Helfer mussten den verbliebenen Schnee komplett wegräumen. Dann kam die Feuerwehr und pumpte das Wasser ab. Erst jetzt konnte neuer Schnee aufgetragen werden.“ Bis von der Naturrodelbahn in Unterammergau wurde welcher geholt. Nachts ist es dann frostig geworden, und so haben die neu präparierten Loipen gehalten.

2700 Teilnehmer

Die Teilnehmer des König-Ludwig-Lauf waren voll des Lobes; zum Beispiel Sven Pischmann aus Dresden, der auf die kurze Freistil-Strecke ging: „Für die vorausgehenden Wetterverhältmnisse ist die Loipe hervorragend präpariert.“ Für Franz Spindler war die Strecke ein „bisserl unruhig“. Aber das liege daran, so sagt der Bad Bayersoier, dass der Schnee stellenweise geschmolzen und dann wieder angefroren ist: „Die Bedingungen waren gut und für alle Läufer fair.“ Jeder Teilnehmer, der die 20 oder 39 Kilometer schaffte, ist ein Sieger. Das gilt erst recht für die Läuferin, die für die lange Skating-Strecke fast zwei Stunden länger brauchte, als in der Endabrechnung die Ersten. Die Dame wurde beim Zieleinlauf vom begeisterten Publikum ebenso lautstark angefeuert, wie alle Läufer vor ihr. Ein dickes Dankeschön an dieser Stelle an die Helfer von der Bergwacht, von der Feuerwehr, von der BRK-Bereitschaft und natürlich an die vielen Freiwilligen vom Organisationskomitee und aus den Vereinen, die sich um die Betreuung der Läufer und des Publikums kümmerten und einmal mehr dafür sorgten, dass der König-Ludwig-Lauf zum fantastischen Familien-Sportwochenende geworden ist. 

Kleine hatten Mützen "Sponsoren"

Aus wessen Mund klingt ein entsprechendes Lob glaubwürdiger, als von jemandem, der gerade die 38 Kilometer hinter sich gebracht hat und jetzt mit zwei Wurstbroten vor der Anzeigentafel steht; Sven Schattner aus Klingenthal (Sachsen): „Mit am Besten beim König-Ludwig-Lauf ist die Verpflegung, das ist jedes Jahr so. Die Suppe, auch wenn es ‚nur‘ klare Brühe ist – einfach himmlisch. Da können sich Veranstalter in anderen Orten ruhig eine Scheibe abschneiden!“

Zum Abschluss des ersten Wettkampftages standen die beiden Läufe für den beliebten „Mini-Kini“ an. Halt, noch nicht: Zuvor gab es das Rennen des Bewegungskindergarten „Kunterbunt“. Die Vorschulkinder absolvierten im Oberammergauer Sportstadion eine 500-Meter-Runde mit richtigem Zieleinlauf. Interessant: Eingemummelt in warme Schnee­overals gingen die Kleinen ins Rennen; und siehe da, der eine oder andere hatte sogar schon einen „Mützen-Sponsor“. 

Zum „Mini-Kini“: Start und Ziel waren im Sportstadion. Die ganz Kleinen – die Jahrgänge ab 2008 – liefen 2,5 Kilometer. Die Älteren, von Jahrgang 2002 bis 2007, mussten fünf Kilometer zurücklegen. Die „Kurzen“ gingen dabei ebenso ehrgeizig zur Sache, wie die Erwachsenen in den Rennen zuvor. 15 bis 20 Minuten brauchten sie. 

Am Pavillon, in dem die Lang­läufer ihre Skier unterstellen konnten, winkte noch einmal Sven Schattner, der auch beim Hauptrennen über 39-km-Rennen in klassischer Technik laufen will: „Wissen Sie, im vergangenen Jahr musste der König-Ludwig-Lauf witterungsbedingt ausfallen. Was mich damals geärgert hatte, war, dass damit unser Startgeld verloren war. Das hat viele abgehalten, heuer wieder zu kommen. Ist ja auch viel Geld, wenn man als Familie oder als Gruppe mitmachen möchte. Wenn die Veranstalter schlau sind, würden sie den Teilnehmern der ausgefallenen Rennen im anderen Jahr einen Nachlass bei den Startgebühren gewähren.“

Mit Ausfallschritt zum Sieg

Zwei Sensationen sind noch versprochen: Am Samstag, bei den 39-Kilometern in der freien Technik, gab es zum ersten Mal in der Geschichte des König-Ludwig-Laufes zwei Sieger: Jiri Rocarek (Tschechien) und Tobias Rath (Deutschland) teilten sich den obersten Stockerlplatz. Zwar kam Rath mit wenigen Sekunden Vorsprung ins Ziel, hatte unterwegs aber wohl eine Absperrung übersehen. Die Jury entschied, dass er sich mit Rocarek den Siegertitel teilt. Die zweite Sensation dann am Sonntag, auf der langen Klassikstrecke. Diesen Wettkampf gewann Max Olert aus Garmisch-Partenkirchen mit einem Wimpernschlag-Vorsprung, das heißt mit einem beherzten Ausfallschritt. Es ist das erste Mal seit 44 Jahren, dass ein Deutscher das Hauptrennen des König-Ludwig-Laufs gewinnt; und dann noch ein Einheimischer, eine starke Leistung!

Von Günter Bitala

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