Drei Starts, drei Medaillen:Laura Dahlmeier in Super-Form

"Königin der Verfolgung"

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Laura Dahlmeier ist in Bestform.

GAP – Bei den vergangenen Weltmeisterschaften in Oslo war es Laura Dahlmeier, die bei fünf Starts fünf Medaillen holte. Einmal Gold, einmal Silber und dreimal Bronze standen am Ende zu Buche. Nun hat sie nach nur drei Rennen bei den Titelkämpfen in Hochfilzen schon zwei Goldmedaillen geholt. Und auch im dritten Rennen war sie auf dem Stockerl zu finden.

Die Weltmeisterschaften in Tirol begannen mit der Mixed-Staffel in der Vanessa Hinz, Laura Dahlmeier, Arnd Peiffer und Simon Schempp jubeln konnten. Als Simon Schempp rauschte mit erhobenen Armen ins Ziel kam, stürzten sich Vanessa Hinz, Laura Dahlmeier und Arnd Peiffer auf den deutschen Schlussläufer der Gold-StaffelKnapp setzte sich das DSV-Quartett über die 2x6 und 2x7,5 Kilometer vor Frankreich (plus 2,2 Sekunden) und Russland (3,2) durch. „Das war ein enorm cooler Start für uns in die Weltmeisterschaft“, sagte Schempp und Dahlmeier strahlte: „Das ist erst meine zweite Mixed-Staffel. Es ist toll, dass wir mit der Mannschaft oben stehen.“ Vor einem Jahr war sie bei diesem Wettbewerb für die Einzeldisziplinen geschont worden. Für Deutschland war es der dritte WM-Titel nach 2008 und 2010. 

Hinz machte ihre Sache beim ersten Schießen prima, benötigte beim zweiten Auftritt am Schießstand allerdings zwei Nachlader. Die 24-Jährige reihte sich als Vierte hinter Italien, Olympiasieger Norwegen und Österreich ein. Mitfavorit Tschechien musste schon früh in die Strafrunde. Mit einem Rückstand von 9,8 Sekunden übergab Hinz als Sechste an Dahlmeier. Die Weltcup-Spitzenreiterin übernahm schnell die Führung. Doch am Schießstand präsentierte sie sich ungewohnt unsicher. Liegend und stehend benötigte die 23-Jährige je zwei Nachlader, war trotzdem als Erste beim Wechsel. „Läuferisch war es gut, aber vier Nachlader sind zu viel. Ich habe versucht, was zu riskieren“, sagte sie. Und so kam es auch: Während die Konkurrenz reihenweise patzte, glänzte Peiffer mit zwei blitzschnellen und fehlerfreien Schießeinlagen. „Ich bin total froh, dass es so gut geklappt hat“, sagte er. Mit einem Vorsprung von 21,2 Sekunden auf den zweitplatzierten Italiener Dominik Windisch übergab Peiffer an Schempp. 46,5 Sekunden lagen die Franzosen da schon zurück, Weltcup-Spitzenreiter Martin Fourcade startete die Aufholjagd, doch Schempp behielt die Nerven und benötigte nur einen Nachlader. 

Auch im zweiten Rennen holte Dahlmeier eine Medaille: Im Sprint über 7,5 km wurde die Partenkirchnerin Zweite. Im Ziel ballte sie die Hand zur Faust und sank strahlend in den Schnee: Mit ihrem furiosen Sturmlauf zu WM-Silber hatte sie für die nächste Medaille gesorgt. Sie musst sich nur Gabriela Koukalova (Tschechien) geschlagen geben. Bronze holte Anais Chevalier (Frankreich). „Ich freue mich wahnsinnig. Das war das perfekte Rennen für mich“, sagte Dahlmeier: „Mein Anspruch ist, dass ich meine Bestleistung zeige. Das ist mir gelungen, Gabi war eben schneller.“ Im Ziel fehlten Dahlmeier nur 4,0 Sekunden zu Gold. Vanessa Hinz (Schliersee/+37,9) wurde Sechste. Für Dahlmeier war es nach dem Triumph mit der Mixedstaffel bereits die zweite WM-Medaille im Pillerseetal und die saisonübergeifend siebte in Serie. Letzte deutsche Goldmedaillengewinnerin über 7,5 km bleibt Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner, die 2012 in Ruhpolding gesiegt hatte. „Die zweite Medaille im zweiten Rennen, das ist toll. Ich fühle mich hier einfach heimisch“, sagte Dahlmeier. Dass die Medaillenjagd für Dahlmeier kein Selbstläufer werden sollte, hatte sich in den zurückliegenden Wochen angedeutet. Zum einen kamen die Konkurrentinnen besser in Schwung, auf der anderen Seite zeigte Dahlmeier am Schießstand ungewohnte Schwächen. Auch beim goldenen Auftakt mit der Mixedstaffel benötigte sie insgesamt vier Nachlader. 

Hoffnung auf Medaillenregen

Am Freitag verlief im ersten Anschlag hingegen alles nach Plan, lediglich einer der fünf Liegendschüsse streifte den Rand der schwarzen Scheibe - die im nächsten Augenblick dennoch umklappte. Auch bei der zweiten Einlage leistete sich Dahlmeier keinen Fehler, sie sprang auf und absolvierte die Schlussrunde in rasantem Tempo. Mit Silber untermauerte Dahlmeier die Hoffnungen auf einen Medaillenregen. Mit vier Saisonerfolgen, vier zweiten Plätzen und einem dritten Rang aus 13 Rennen hatte sie in diesem Winter fast immer das Podest erobert - sie war auch deshalb als Top-Favoritin in das Rennen gegangen. Als es darauf ankam, enttäuschte sie nicht. Auch im dritten WM-Rennen zeigte sich Dahlmeier in Bestform. Im Verfolgungsrennen holte sie sich den Titel. 

Auf der Zielgerade drehte sich die Partenkirchnerin noch einmal um, klopfte sich auf die Brust und überquerte jubelnd die Ziellinie: Mit einer weiteren Gala-Vorstellung hat Deutschlands beste Biathletin ihren Titel als „Königin der Verfolgung“ verteidigt und bei der WM in Hochfilzen die nächste Goldmedaille gewonnen. Im Jagdrennen über 10 km setzte sich die 23-Jährige trotz einer Strafrunde vor der Weißrussin Darja Domratschewa und Gabriela Koukalova aus Tschechien durch. Dahlmeier, die im vergangenen Jahr in Oslo ebenfalls Gold in der Verfolgung gewonnen hatte, setzte damit ihre beeindruckende Medaillenserie bei Weltmeisterschaften fort. Der Sieg am Sonntag bedeutete zum achten Mal in Folge Edelmetall, insgesamt war es ihre zehnte WM-Medaille. In Hochfilzen hatte 2005 bereits Uschi Disl Verfolgungs-Gold gewonnen. 

„Ich liebe es, wenn jemand vor mir ist und ich sie jagen kann."

Das Jagdrennen ist Dahlmeiers erklärte Lieblingsdisziplin - wahrscheinlich auch, weil sie dort äußerst erfolgreich ist. Vor zwei Jahren hatte sie in Kontiolahti mit Silber ihre erste große Einzelmedaille gewonnen, ein Jahr später folgte Gold am Holmenkollen. Und auch in Österreich war die Ausgangslage perfekt, denn die frühere Junioren-Weltmeisterin startete mit gerade einmal vier Sekunden Rückstand auf Sprint-Weltmeisterin Koukalova. „Ich liebe es, wenn jemand vor mir ist und ich sie jagen kann“, erklärte Dahlmeier. Die Jagd war aber schon nach ein paar hundert Metern beendet, zeitgleich nahmen Dahlmeier und ihre tschechische Widersacherin Koukalova das erste Schießen in Angriff. Dahlmeier erlaubte sich dabei nur einen Fehler, feuerte ihre Patronen zudem deutlich rascher ab als Koukalova, die zwei Strafrunden drehen musste. Die logische Konsequenz: Schon auf der zweiten Runde war Dahlmeier wieder die Gejagte. Und sie baute die Führung auf die erste Verfolgerin, zu diesem Zeitpunkt die Französin Anais Chevalier, weiter aus. Bei rund zehn Sekunden pendelte sich das Polster ein. Dahlmeier lief in dieser Phase kontrolliert und sparte Kraftreserven für den weiteren Rennverlauf. Nach der zweiten Schießeinlage, diesmal ohne Fehlschuss, änderte sich daran zunächst nichts, wenngleich sich das Feld hinter Dahlmeier zusammenschob. 

Dahlmeier blieb davon unbeeindruckt, sie spulte ihr Programm souverän ab und verließ auch nach dem dritten Schießen das Stadion als Führende. Ihre Hauptrivalinnen waren aber nun andere, und sie besaßen klangvolle Namen: Kaisa Mäkäräinen (Finnland) und Darja Domratschewa. Das Duo, wie Dahlmeier in der Loipe furios, war bis zu diesem Zeitpunkt etwas überraschend ohne Strafrunde ausgekommen. Domratschewa holte nur vier Monate nach der Geburt ihrer Tochter schon wieder eine WM-Medaille. 

Und Dahlmeier? Die agierte im Stile einer Spitzenathletin. Noch einmal fünf Schüsse, noch einmal fünf Treffer - mit der nächsten Goldmedaille vor Augen ging sie auf die Schlussrunde. Sie wehrte die Angriffe der Rivalinnen ab und ließ sich gebührend feiern.

Von Titus Fischer

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