Niedersachse schwärmt für Bayern-München

Kreisklinikum verabschiedet Professor Dr. Volker Bühren

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Zum Abschied in den Ruhestand bekam Professor Dr. Volker Bühren (Zweiter v. re.) von Landrat Anton Speer (dritter v. li.) die Goldene Ehrenplakette des Landkreises Garmisch-Partenkirchen. Der Geschäftsführer des Kreisklinikums, Bernward Schröter (li.) hatte für Dr. Astrid Bühren (Bildmitte) einen Blumenstrauß.

GAP / Murnau – Wenn an dem Nachmittag seiner offiziellen Verabschiedung jemand ‚Zugabe‘ gerufen hätte, wer weiß ob Dr. Volker Bühren nicht doch ein paar Jahre als Chefarzt der Unfallchirurgie am Kreisklinikum anhängen würde; oder als Ärztlicher Direktor an der Unfallklinik Murnau?

Ein Vierteljahrhundert wirkte der Ausnahme-Mediziner, wie Bühren anerkennend immer wieder ‚geadelt‘ wurde, im Werdenfelser Land – die volle Zeit in Murnau, zehn Jahre in Garmisch-Partenkirchen. Jetzt war es an der Zeit den Professor in den Ruhestand zu verabschieden.

Am Kreisklinikum Garmisch-Partenkirchen gab es ein von stehenden Ovationen begleitetes Fest; die Unfallklinik in Murnau war ein paar Tage früher dran gewesen. Gekommen waren nicht nur die aktuellen Kollegen und Mitarbeiter Bührens, sondern auch Weggefährten früherer Tage. Kommunalpolitiker und Persönlichkeiten aus Gesellschaft und Wirtschaft des Landkreises fanden ebenfalls den Weg ins Foyer des Klinikums in Garmisch-Partenkirchen, um Prof. Dr. Volker Bühren zum Abschied die Hand zu schütteln. Sogar ein paar ehemalige Patienten nutzten die Gelegenheit, noch einmal Danke zu sagen.

Den Reigen der Redner eröffnete Anton Speer. Der Landrat stellte die in Deutschland einzigartige Kooperation einer berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik und eines kommunalen Krankenhauses in den Mittelpunkt: „Professor Bühren gehörte Anfang dieses Jahrhunderts zu den Gründervätern dieses erfolgreichen Zusammenschlusses.“ Als Dankeschön brachte Anton Speer die Goldene Ehrenplakette des Landkreises mit.

Der Geschäftsführer des Kreisklinikums, Bernward Schröter, ging ebenfalls auf die Krankenhaus-Kooperation ein, und nannte beeindruckende Zahlen: „2007, als der Vertrag für diese besondere Zusammenarbeit unterschrieben worden war, hatten wir für beide Kliniken zusammen 2 500 Mitarbeiter anvisiert. Heute beschäftigen unsere Häuser 3 400 Leute, die meisten in Vollzeit.“ Nur eines mag Schröter – Niedersachse, wie Bühren – nicht so Recht verstehen: das Faible Bührens für den FC Bayern München, wo doch der TUS Celle (Bührens Geburtsort) auch recht gut Fußball spielt.

Glückwünsche und Anerkennung gab es für Prof. Dr. Volker Bühren von allen Seiten. Von der kaufmännischen Klinikleitung bekam Bühren eine Alpenüberquerung per Heißluftballon geschenkt und von den Ärzten einen Kurzurlaub in Südtirol.

Der Ärztliche Direktor, Prof. Dr. Hans-Dieter Allescher: „Volker Bühren ist ein Kümmerer gewesen, dem das Wohl der Mitarbeiter und der Patienten am Herzen liegt. Beeindruckend auch sein Weitblick für Entwicklungen in der Unfallchirurgie.“ Auf Bührens Leidenschaft für den Rudersport gemünzt: „Auch wenn jetzt der Kapitän von Bord geht, die Richtung bleibt.“ Damit übergab Allescher das Wort an Bührens Nachfolger, Dr. Andreas Thannheimer: „Der Professor war immer präsent. Seine Disziplin ist uns jungen Ärzten ins Blut übergegangen.“ Der langjährige Oberarzt an der Garmischer Unfallchirurgie, Dr. Peter Gutsfeld, spendierte Volker Bühren einen Bogenschieß-Workshop, und sprach noch einmal die Klinikkooperation an: „Die Zusammenarbeit der beiden Krankenhäuser ist ein Segen für den medizinischen Nachwuchs. Am UKM werden zum Beispiel hochkomplexe Eingriffe an der Wirbelsäule gemacht. Am Klinikum in Garmisch-Partenkirchen lernen die jungen Chirurgen den Alltag an einem ‚richtigen‘ Krankenhaus kennen – einen gebrochenen Knöchel etwa oder Knochenbrüche bei Senioren.“ Rosi Feldmann vom Betriebsrat überreichte eine Eisstock-Szene aus Schokolade, in Erinnerung an zwei Eisstockturniere, bei denen den ersten Wettbewerb Volker Bühren als Anfänger mit seiner Moarschaft gewonnen hatte. Des Professors Sekretärinnen bedachten ihren Chef mit einer leckeren Torte.

Zum Schluss wagte Professor Volker Bühren einen Blick in die Zukunft des Arztberufes. Seine Visionen sind legendär: „Die Entwicklung wird rasend schnell weitergehen.“ Gerade in der Diagnostik sieht Bühren existenzielle Entwicklungen – neue Generationen von Computertomographie-Geräten werden ihre Aufnahmen selbst auswerten, menschliche Röntgenfachleute wird es dann nicht mehr brauchen. Und Krankheiten werden mittelfristig allein über einen winzigen Blutstropfen diagnostiziert werden können. Die aktuellen und die zukünftigen Leiden der Patienten liegen dann in Minuten vor.

Eines schrieb Volker Bühren seinen Nachfolgern ins Stammbuch: „Die Krankenhaus-Landschaft wird sich grundlegend verändern. Für Deutschland wird es ausreichen, wenn 600 große Traumazentren die Versorgung von Schwerstverletzten übernehmen. Tragen Sie Sorge dafür, dass Garmisch-Partenkirchen und Murnau in diesem Verbund bestehen bleiben.“

Gibt es etwas, das Volker Bühren heute noch ‚wurmt‘? Da erinnert sich der 65-Jährige an seine Zeit als Sportruderer, als er sich immer wieder mit dem Weltklasseathleten Peter-Michael Kolbe maß und die Weltpolitik ihm einen argen Streich spielte: „Ich fühlte mich in jedem Boot wohl. Am liebsten allerdings im Einer und im Zweier. Im Doppelvierer hätte es sogar für die Olympischen Sommerspiele, 1980 gereicht. Aber dann gab es den großen Olympia-Boykott in Moskau und alle weiteren Ruderträume zerplatzten.“

von Günter Bitala

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