Die Krippensammlung von Martin Lödermann wird erstmals im Kloster Ettal gezeigt

Das zierliche Kind schlummert in der Krippe

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Euch ist heute der Retter geboren: Schaut nach einem Kind, in Windeln gewickelt. Es liegt in einer Futterkrippe!

Ettal / Region – Der Engel sagt zu den Hirten: „Geht hin, für euch ist heute der Retter geboren!“

Da laufen die Männer hinaus in die Dunkelheit. In einem Stall bei Bethlehem finden sie ein Kind; und auch seine Eltern, Maria und Josef. Die Enttäuschung ist wohl groß gewesen, erwarteten sie doch einen mächtigen Feldherren, der die Menschen aus der Unterdrückung durch die römischen Besatzer befreit und der die Schergen des Königs Herodes besiegt. Aber ein Säugling in so ärmlichen Verhältnissen? Die Hirten hätten gewarnt sein müssen, der Engel bereitete sie doch vor: „Schaut nach einem Kind, in Windeln gewickelt. Es liegt in einer Futterkrippe!“

Die Weihnachtsgeschichte, wie wir sie von dem Evangelisten Lukas her kennen, steht im Mittelpunkt einer Ausstellung in der Benediktinerabtei Ettal. Die Krippensammlung des Partenkirchner Martin Lödermann (1913 - 1995), döste Jahrzehnte auf dem Speicher eines Hauses in Partenkirchen vor sich hin, und war erst vor wenigen Monaten in die Obhut des Klosters gegeben worden. Jetzt sind die 16 grandiosen Weihnachtskrippen erstmals öffentlich zu sehen.

Groß geworden auf dem elterlichen Anwesen, begann Martin Lödermann bereits als Bub zu schnitzen. Mit dem Taschenmesser machte er die ersten ‚Mandlan‘. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab die Familie die Landwirtschaft auf; Martin – den in Partenkirchen alle als ‚Moar-Martl‘ kannten – richtete sich auf dem Heuboden eine Werkstätte ein und widmeten sich ganz der Schnitzkunst.

Abt Barnabas Bögle erzählt anläßlich der Ausstellungseröffnung in seinem Kloster: „Sein Wissen hat Lödermann sich größtenteils selbst angeeignet oder in Krippenbaukursen gelernt. Erstaunlich ist, dass er nie eine Schnitzschule besuchte oder Holzverarbeitung lernte, aber trotzdem solche wunderschöne Krippen gebaut hat.“ Im Laufe der Jahre entstanden orientalische Krippen und sogenannte Heimatkrippen, in dessen Kulissen man durchaus Werdenfelser Landschaften entdecken kann – eine tief verschneite Winterwelt ist dabei; auch Kinder mit dem Ammertaler Weihnachtsstern.

Die Krippen-Sammlung des Partenkirchner Martin Lödermann (1913 - 1995) döste Jahrzehnte auf einem Speicher in Partenkirchen vor sich hin und ist jetzt erstmals in einer Ausstellung im Kloster Ettal öffentlich zu sehen. Martin Lödermann baute die Gelände und die Gebäude, schnitzte und fasste die Figuren. Seine Frau Anni half ihm beim Anziehen der winzigen Püppchen. Da spielt Jesus als Bub schon mal in Lederhose gekleidet im Garten. Josef trägt beim Holzmachen einen Trachtenjanker.

Nicht nur das Geschehen in der Christnacht ist zu sehen; Lödermann zeigt wie ein hartherziger Wirt mit zähnefletschendem Hofhund der schwangeren Maria und ihrem Josef den Zugang zur Herberge verweigert. Das ganze Weihnachtswunder wird deutlich, als sich die Familie auf einem, von einem Engelchen geführten Esel, auf den Heimweg von Bethlehem nach Nazareth macht; einst wilde Bären und Wölfe verneigen sich vor den Dreien, machen ihnen den Weg frei.

In Ettal sind aber auch Krippen zu sehen, dessen Figuren Lödermann von anderen Schnitzern übernommen hatte.

Noch einmal zurück zur Weihnachtsgeschichte: Die Hirten stehen also vor dieser Krippe, in der das zierliche Kind selig schlummert. Da wandelt sich ihre anfängliche Skepsis in eine unbändige Freude. Martin Lödermann bringt diese Faszination - die durchaus seine eigene gewesen ist - zum Ausdruck, in dem er die Viehhüter mit glänzenden Augen um das in göttlichem Licht strahlende Baby versammelt. Ähnlich den Hirten mag es kurze Zeit später den Weisen ergangen sein, als sie von einem Stern geleitet den König der Könige suchten. Ein Kaiser sollte es zumindest sein. Sie finden stattdessen diesen Neugeborenen. Die Drei legen Gold, Weihrauch und Myrrhe als Geschenke nieder, und wissen, mit dem von Gott geschickten Retter ist etwas ganz anderes gemeint, als sie bislang geglaubt hatten. Dieses Kind wird niemals mit Feuer und Schwert gegen das Unrecht in der Welt ankämpfen. Es liegt in einer Futterkrippe – Jesus Christus ist also das Geschenk göttlicher Liebe, und wird allen Menschen in allen Zeiten und allen Völkern zuteil.

Abt Barnabas Bögle in seiner Laudatio: „Martin Lödermann hat sein Leben lang nicht nur als Krippenbauer und Krippensammler gewirkt, sondern seine Erfahrung, sein Wissen und Können auch an andere weitergegeben. Schon bald nach der Gründung des Vereines der Werdenfelser Krippenfreunde leitete er mit Alfred von Schmuck die Krippenbaukurse, wurde 1981 zweiter Vorsitzender.“

Die von Frater Basilius und Frater Thomas mit gekonntem Blick fürs Detail zusammengestellten Exponate sind bei freiem Eintritt im Westtrakt des Klosterinternats zu sehen. Eingang, links die Türe im Oberammergau-Tor. Der Zugang ist leider nicht barrierefrei. Bis zum Sonntag, 7. Januar 2018, ist die Ausstellung geöffnet. Werktags, incl. samstags von 10 bis 16 Uhr. Sonn- und Feiertags von 13 bis 17 Uhr. Heiligabend geöffnet von 13 bis 17 Uhr. Am ersten Feiertag ist geschlossen.

von Günter Bitala

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