Die Krone ist nun perfekt – Maria Riesch setzt letzten Diamanten ein: Sieg im Gesamt-Weltcup

Maria Riesch ist die Skikönigin des Winters. Foto: Sehr

Was für ein Saisonende für Maria Riesch! Die Partenkirchnerin gewann erstmals in ihrer Karriere den Gesamt-Weltcup. Die Grundlage hatte sie dafür im Slalom am vergangenen Freitag gelegt, bei dem sie auf Rang vier fuhr.

Denn der Riesenslalom in Lenzerheide einen Tag später wurde wegen schlechter Pistenverhältnisse gestrichen. Dadurch lag die Partenkirchnerin in der Endabrechnung mit 1728 Punkten drei Zähler vor ihrer US-Rivalin Lindsey Vonn. „Das ist das Größte überhaupt! In der öffentlichen Wahrnehmung mögen der Weltmeister-Titel und Olympiasiege wichtiger sein, aber sportlich gibt es nichts, was diesen Stellenwert hat“, sagte Riesch. DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier würdigte die erste deutsche Gesamtsiegerin seit Katja Seizinger 1998 – auch 1996 hatte sie die große Kristallkugel gewonnen: „Maria hat jetzt alles geschafft, was man als große alpine Sportlerin schaffen kann. Sie hat den letzten Diamanten in ihre Krone eingesetzt.“ Mit insgesamt neun Siegen, 27 Podestplätzen, einer kleinen Kristallkugel und dem Gesamt-Weltcup haben die deutschen Alpinen im Weltcup so gut abgeschnitten wie seit 13 Jahren nicht mehr. Damals hatten Katja Seizinger und Co. 17 Siege und 38 Podiumsränge eingefahren. Vonn war im letzten Slalom der Saison auf Rang 13 gefahren und war so die Führung im Gesamt-Weltcup wieder los, die sie zwei Tage hatte. Riesch hatte fast die ganze Saison vorne gelegen, teilweise mit mehr als 200 Punkten. „Es ist denkbar eng“, meinte Riesch nach dem Torlauf. Vonn ahnte schon eine Absage des Saisonfinales: „Mein Problem ist, ob überhaupt ein Rennen ist. Ich kann nur Gott fragen und um Hilfe bitten.“ Nach einer kleinen Durststrecke, die mit dem 17. Abfahrtsplatz in Lenzerheide ihre Fortsetzung fand, zeigte sich Riesch am Freitag wieder von ihrer besten Seite. Sie hatte zuvor mit ansehen müssen, wie Vonn sich nach der Abfahrts- auch noch die Super-Kombi- und Super-G-Kugel abholte. Den Sieg beim Slalom holte sich Tina Maze aus Slowenien vor der Österreicherin Marlies Schild, die zuvor schon als Disziplin-Weltcupsiegerin feststand. Rang drei ging an Veronica Zuzulova aus der Slowakei. „Das ist schon spannend“, befand Vonn. „Die Nerven sind ganz okay. Nur nach dem ersten Durchgang war ich böse.“ Da war sie mit 1,75 Sekunden Rückstand auf die Halbzeitführende Schild nur 14. gewesen. Riesch, die um zwei Hundertstelsekunden am Podium vorbei schrammte: „Ich war Gott sei Dank wieder lockerer.“ Sie lag aber auch nur 0,01 Sekunde vor der Fünften Maria Pietilae-Holmner. Wäre sie um zwei Hundertstelsekunden langsamer gewesen, hätte sie 45 anstatt 50 Weltcuppunkte geholt und wäre damit zwei Punkte hinter Vonn gewesen. Gut in Form war auch Susanne Riesch, die sich zum Saisonabschluss über Rang zehn, ihrem viertbesten Ergebnis des Winters, freuen konnte. So belegte die Partenkirchnerin im Slalom-Weltcup Rang 13. Ihre Teamkollegin vom SCP, Fanny Chmelar wurde hier 18., nachdem sie zum Abschluss der Saison auf Rang 15 gefahren war. Einen Tag später durfte Riesch schon am Morgen mit einem Gläschen Sekt anstoßen, weil die Jury das letzte Rennen der Saison in Lenzerheide abgesagt hatte. Ein bisschen fühle es sich wie Weihnachten an, sagte ein stolzer Wolfgang Maier, dem durch den Kopf gegangen war, „wie oft wir die Kugel schon knapp verloren haben“. Regen und leichter Schneefall setzen der Strecke Silvano Beltrametti derart zu, dass auch für den Riesenslalom der Frauen keine renntüchtige Piste hergerichtet werden konnte. So bleibt der Showdown zwischen Riesch und Vonn aus. „Wir wollten gegen 7.30 Uhr zum Hang fahren. Da riefen Leute von einer Ski-Firma vom Balkon, dass das Rennen abgesagt wird“, berichtet Riesch. Sie eilte sofort ins Hotel zurück. „Mein Verlobter Marcus hat sich gerade im Bad rasiert. Wir sind uns um den Hals gefallen. Ich habe ein paar Tränen verdrückt. Dabei bin ich gar kein Tränen-Typ. Die Last der letzten Wochen und Monate ist in diesem Moment von uns abgefallen.“ Das US-Skiteam legte Protest ein, aber die Bedingungen ließen kein Rennen zu. „Wir haben nicht die Schneeverhältnisse, die wir brauchen, um ein Rennen zu fahren. Wir wollen nicht zwei, drei Läuferinnen runterschicken, um dann abzubrechen“, sagte FIS-Renndirektor Atle Skaardal, der anfügte, dass es in der Saison genug Rennen für die Entscheidung im Gesamt-Weltcup gegeben habe. So knapp wie jetzt ging es bei den Frauen erst zweimal zu. 1979 holte sich die Österreicherin Annemarie Moser-Pröll ebenfalls mit drei Punkten Vorsprung auf die Liechtensteinerin Hanni Wenzel die große Kugel. Damals hatten lediglich die ersten zehn eines Rennens Weltcup-Punkte erhalten. 2005 hatte die Schwedin Anja Pärson ebenfalls im Schweizer Kanton Graubünden drei Punkte Vorsprung vor Janica Kostelic aus Kroatien ins Ziel gerettet. Damals wurden schon nach dem aktuellen Schlüssel Punkte vergeben. Bei der Vergabe der Kristallkugel ließ sich Vonn von Riesch umarmen, gratulierte ihr aber nicht. Ein schriftliches Statement war alles, zu dem sie sich hatte hinreißen lassen. „Sieg oder Niederlage, ich wollte die Chance. Ich bin am Boden zerstört“, meinte Vonn. „Die Absage dieses Rennens verletzt nicht nur mich, es schmerzt die Fans und den Skisport als Ganzes.“ Sie sei aber extrem stolz, dass sie in einer der aufregendsten Saisonen in der Skigeschichte im Kampf dabei gewesen sei. Zum vierten Mal in Folge hätte sie den Gesamtweltcup gewinnen können. Zu Riesch meinte sie: „Maria hatte eine großartige Saison und wieder bewiesen, dass sie meine größte Konkurrentin ist. Sie hat sehr hart gearbeitet. Ich freue mich für sie.“ Persönlich gratuliert hat sie Riesch allerdings nicht, erzählte diese: „Lindsey hat nichts gesagt. Ich habe sie umarmt, aber da war nichts.“ Das habe wohl mit der Entwicklung der letzten zwei Wochen zu tun, es habe Reibereien gegeben, so Riesch. „Es enttäuscht mich schon. Ich hatte in den letzten drei Jahren oft das Nachsehen, habe aber immer sportlich fair gratuliert und ihre Leistung respektiert.“ Sie habe es schon in der ganzen Saison gespürt, wenn sie besser gewesen ist, oder Vonn gemerkt habe, dass es eng wird für sie. „Irgendwie hing ein Schatten drüber. Jetzt, wo alles vorbei ist, hat es sich bewahrheitet. Sie kommt nicht so gut damit klar. Für Lindsey zählt halt nur der Sieg und sonst nichts, das finde ich schade.“ Ob sie glaube, dass Vonn zu ihrer Hochzeit im April kommen werde? Riesch: „Ich kann es mir jetzt nicht vorstellen, nein. Ich finde das schade.“ Sie selbst wird die langjährige Freundin nicht kontaktieren. Sie erwarte sich, dass Vonn auf sie zukommt. „Für mich ist es auch nicht immer leicht gewesen. Aber die Freundschaft hat es ausgehalten, weil ich eben eigentlich immer sportlich fair geblieben bin“, so Riesch. „Natürlich kann man sich ärgern, wenn es so knapp hergeht. Ich verstehe das ja. Aber eigentlich hat das nichts mit der persönlichen Ebene zu tun.“

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