Mythen durcheinander rütteln

Künstlerinnen und Künstler haben sich mit dem "Mythos Bayern" kreativ auseinandergesetzt

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Barbara Hauer: „Neuschwanstein“, Acryl auf Leinwand

Oberammergau – Auch die Künstlerinnen und Künstler des Künstlerbundes Garmisch-Partenkirchen widmen ihre Aufmerksamkeit der bevorstehenden Landesausstellung.

Bereits vor der Eröffnung ihrer Schau „Mythos Bayern preview“ im Oberammergau Museum, waren Eingangsbereich und Aus- stellungräume gut gefüllt. Leiterin Dr. Constanze Werner begrüßte die ausstellenden Künstler und eröffnete die Werkschau „als Vorreiter zur großen Landesausstellung in Ettal“. Die Vorsitzende des Künstlerbundes Michaela Gräper, Landrat Anton Speer und Werkleiter Walter Putz hielten einführende Worte und wünschten der Austellung Erfolg. Der Bezeichnung „Mythos Bayern“ ermögliche vielseitige Interpretationsmöglichkeiten. Mythos könnte man z.B. mit der Bewußtseinsbildung und welthistorischer Entwicklung eines Persönlichkeitsbildes zusammenbringen. Legenden, Sagen und Wahrheiten sind durch die Jahrhunderte gewachsen, zu denen Märchen, Vorstellungen und geheimnisvoll-malerische Vokabeln gehören.

34 Künstlerinnen und Künstler haben aus ihrer individuellen Sicht dem Phänomen „Mythos Bayern“ kritisch und atmosphärisch nachgespürt und augenzwinkernde Assoziationen auf die „selbstgefälligen“ Darstellungen von „dahoam is dahoam“, die wirtschaftliche wie kulturelle Lage gerichtet. Ein breites Spektrum von temporär bis gegenwärtig bietet sich den Besuchern über drei Stockwerke. Die großformatige Arbeit „Zenos Felsen“von Stefan Wehmeier bezieht sich auf ein Bild des Oberammergauer Malers Michael Zeno Diemer und zieht den Besucher fast magisch an. Das dargestellte Felsgestein erzeugt eine archaische Gewalt - aber auch den bildnerischen Freiraum, sich daraus zu entfernen. Eine gelungene, nachdenkliche Präsentation sind die Arbeiten von Nicola von Thum, „Wilderer und Jäger“, zwei bayerisch-anmutende Fotografien, auf denen die Künstlerin im Selbsportrait zum Wilderer und Jäger mutiert. Die dazu passenden und neben den Bildern angebrachten blutigen Porzellan-Messer wie auch das Porzellan-Gewehr finden sich in den Fotoarbeiten wieder und schließen den künstlerischen Zusammenhang. Im kleinen, abgetrennten Raum kommen die bayerischen „VIPs“ zusammen, in Hinterglasmalerei von Hubert Lang mit König Ludwig, Maria und Ludwig Thoma. Dazu auf blauem Grund in Comic-Strich das „ganz in Weiß“ gehaltene Schloss Neuschwanstein von Barbara Hauer sowie eine Inspiration einer ebenfalls in Blau gehaltenen Zugspitze von Tanja Schönberg. Wolfgang van Elst hat zum „Mythos Bayern“die Heimat dazugeführt, die Beziehung zwischen Mensch und Raum. Die gewerblichen Schnitzereien von „Gämsen auf Felsen“, erworben über ebay, in Linden- und Zirbenholz, hat Michael von Brentano weitergeschnitzt. Der ursprüngliche Gamskopf wird zum Totenschädel. Eine grausige Veränderung von friedlich-heiler Welt in menschliche Unwegbarkeit.

Michaela Gräper schaut mit mehrteiligen Installationen von diversen Materialien „mit dem Ofenrohr ins Gebirge“. Dabei berührt sie die Missbrauchs­skandale im Kloster Ettal, Zölibat in der Kirche und eine Scheinwelt von Pomp und Gloria sowie die Umweltzerstörung durch Blechlawinen, Feinstaub und Plastikmüll. Auch die beliebte bayerische „Bavaria“ von Marinus Wirtl schwebt sozusagen im Ofenrohr ins Gebirge, auch seine Vitrine mit der Stimme „Bayern“ auf Knopfdruck ist sehr zu empfehlen, ebenso wie sein „Dirndldrahn“. Für Katharina Schmidmayer sind die grauen „Plattlerstreiflichter“ ein Symbol für Mann und Frau. Bettina Hobel sucht in ihren „Heilen Welten“ nach einer bereits verloren gegangenen Heimatidylle, weil die Gesellschaft dabei ist, ihre Wurzeln und Individualität zu verlieren. Und wenn es nur ein „bisschen“ von allem wär, was man erreichen könnte.

Die Künstlerinnen und Künstler haben sich mit „Mythos Bayern – preview“ genau auseinandergesetzt und die State­ments zu diesem Thema mit „Für und Wider“ künstlerisch durchdacht. Mythen sind unvergänglich, doch sollte man sie ab und zu durcheinander rütteln.

Die Ausstellung ist bis 15. April, Dienstag bis Sonntag, von 10 bis 17 Uhr, geöffnet. Montags ist geschlossen. Eine Finissage findet am Sonntag, 15. April, ab 15 Uhr, im Oberammergau Museum statt. Musiker aus der Region spielen auf und man kann mit den anwesenden Künstlern ins Gespräch kommen.

von Kornelia Wehmeier

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