Gastgewerbe besonders stark betroffen

Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Immer mehr Menschen haben Zweitjob  

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Zapfen im Zweitjob. Immer mehr Menschen sind im Landkreis Garmisch-Partenkirchen auf ein Nebeneinkommen angewiesen. Viele von ihnen arbeiten nach Feierabend in der Gastronomie.

Landkreis GAP – Gerade in Gastronomie und Gastgewerbe sind Minijobs weit verbreitet. Gleichzeitig wird oft über Fachkräftemangel geklagt. Was Arbeitgeber selbst für eine Verbesserung der Lage tun können, dazu äußert sich der Geschäftsführer der Gaststättengewerkschaft Georg Schneider.

Rund 4.800 Menschen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen haben laut Angaben der Arbeitsagentur neben ihrer regulären Stelle noch einen Minijob. Damit sei die Zahl der Zweitjobber innerhalb von zehn Jahren um 69 Prozent gestiegen, teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. Zusatz-Jobs in Restaurants, Gaststätten und Hotels sind besonders verbreitet: In der Branche habe es im Juni 2019 knapp 1.400 Zweitjobber gegeben – mehr als doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor (plus 125 Prozent). 

Schieflage auf dem Arbeitsmarkt

Gewerkschafter Georg Schneider spricht von einer Schieflage auf dem Arbeitsmarkt: „Im Schatten des Booms der vergangenen Jahre sind viele sozialversicherungspflichtige Stellen entstanden, die oft kaum zum Leben reichen. Nebenjobs müssen dann die Haushaltskasse aufbessern. Aber wer auf einen Zweitjob angewiesen ist, der arbeitet meist am Limit – auf Kosten von Familie, Freunden und Freizeit“, sagt der Geschäftsführer der NGG Rosenheim-Oberbayern. Dabei treffe der Boom bei den Nebenjobs langfristig auch die heimische Wirtschaft. „Gastronomen und Bäckermeister, die über den Fachkräftemangel klagen, aber gleichzeitig auf 450-Euro-Kräfte setzen, schneiden sich ins eigene Fleisch. Minijobber können keine Hotelfachleute ersetzen“, betont Schneider. 

Fachkräfte gewinnt man nur mit ordentlichen Löhnen

Doch Fachkräfte gewinne man nur mit ordentlichen Löhnen – „so hoch, dass die Beschäftigten keinen Zweitjob mehr brauchen“. Außerdem müssten sich die Arbeitgeber stärker um Nachwuchs kümmern. „Eine Lehre im Lebensmittelhandwerk oder im Gastgewerbe kommt für Schulabgänger nur infrage, wenn der Lohn und die Ausbildungsbedingungen stimmen“, so der Gewerkschafter. Die NGG sieht aber auch die Politik in der Verantwortung. Die Zunahme der Zweitjobs sei auch das Ergebnis einer verfehlten Arbeitsmarktpolitik der Nullerjahre. „Mit einer Reform könnte die Bundesregierung Minijobs voll in die Sozialversicherung einbeziehen. Allerdings sollten die Arbeitgeber den größten Teil der Beiträge zahlen. Das macht reguläre Stellen attraktiver und verschafft den Minijobbern heute eine bessere Absicherung“, sagt Schneider. kb

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