Langfristige Hilfe für Haiti

Andreas Geuther ist gesund und wohlbehalten von seinem Einsatz in Haiti zurückgekehrt. Der erfahrene Auslandsdelegierte des DRK, der bereits in Sri Lanka, in Rumänien und Russland mittel- und langfristige Hilfsprojekte organisiert hat, schilderte vor kurzem seine Eindrücke.

Das Erdbeben hatte so verheerende Auswirkungen auf den ohnehin armen Karibikstaat, weil es ein bodennahes Ereignis war. „Die Häuser sind wie Kartenhäuser zusammengestürzt, wir waren überrascht vom Ausmaß der Zerstörungen“, sagt der Bausachverständige, der in Oberau zu Hause ist. Nachdem die unmittelbaren Hilfs- und Rettungsleistungen rasch und gut angelaufen waren, sehen sich das Internationale Rote Kreuz und weitere Hilfsorganisationen nun vor neue Herausforderungen gestellt. „Die Notcamps beherbergen auf engstem Raum bis zu 20.000 Menschen. Mit Planen oder oftmals auch nur durch Tücher voneinander getrennt haben sich die Obdachlosen da eingerichtet. Es fehlt an Latrinen und die Seuchengefahr steigt mit jedem Tag“, schätzt der Werdenfelser ein. Die medizinische Versorgung der Überlebenden, aufbereitetes sauberes Wasser und die Schaffung stabiler Notunterkünfte und ausreichender Sanitäranlagen sind die Gebote der kommenden Wochen. Die Regenzeit wird Anfang April erwartet, „dann nützen die Zelte und Planen den Menschen nicht mehr viel“, stellt Andreas Geuther fest. Mit Sorge schauen die Menschen auch auf den August, denn dann muss auch wieder mit Wirbelstürmen gerechnet werden. Die Zusammenarbeit der Hilfskräfte vor Ort schätzt der erfahrene Organisator als hervorragend ein. Ein großes Lob spricht er den vielen ehrenamtlichen Rot-Kreuz-Kräften aus Haiti aus. Geuther selbst war überrascht, dass diese Struktur dort so ausgeprägt ist; „ohne die Haitianer wären wir noch lange nicht so weit.“ Von unschätzbarem Nutzen ist die Abwicklung des Flugverkehrs, den das amerikanische Militär organisiert, nur so können die Hilfsleistungen nach wie vor ins Land kommen. Die Spendengelder des Deutschen Roten Kreuzes werden zu zwei Dritteln in medizinische und zu einem Drittel in Infrastruktur-Projekte eingesetzt. „Alles was die internationalen Rotkreuz-Gesellschaften oder auch das THW z.B. dort errichten, so die Basisgesundheitsstationen, die Wasseraufbereitung, die Notunterkünfte und so weiter, verbleibt in Haiti“, macht Geuther klar. Das Deutsche Rote Kreuz hat sich auf die Region Carrefour konzentriert, wo ein mobiles Rotkreuz-Hospital auf dem Gelände eines Fußballstadions errichtet wurde. „Das muss man sich wie ein Kreiskrankenhaus vorstellen“, erklärt der Werdenfelser. „Hier gibt es eine Aufnahme, wo die Hilfesuchenden sortiert werden, Operationsplätze, eine Röntgenstation, 120 stationäre Betten, eine Apotheke, eine Entbindungsstation, ja sogar eine Art Kindergarten.“ Eine weitere große Herausforderung ist die Masern-Impfaktion, die die Rotkreuzhelfer in den Notcamps realisieren: Etwa 140.000 Kinder müssen dabei geimpft werden. „Besonders schwierig ist für die Kräfte hier die Einhaltung der Kühlkette für den Impfstoff“, erinnert sich Geuther. Die international bunt durchgewürfelten Gruppen der Rotkreuz-Gesellschaften arbeiten an ihrer Leistungsgrenze. 6 Uhr beginnt der Arbeitstag der Hilfskräfte, der mit Nachbereitung und dem Tippen von Berichten nicht selten bis 23 Uhr geht. „Aber auch ohne Klimaanlage schläft man dann hervorragend“, merkt Andreas Geuther an, der sich bei seinem Rückflug mit einer Linienmaschine („Der Hinflug mit der Iljuschin-Frachtmaschine war übrigens besser als gedacht“) die Klagen eines Ehepaares über die unzureichende Qualität der Hotelbetten in ihrem Urlaubsland anhören musste . . .

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