Leonhardifahrt von Murnau nach Froschhausen – Kramermarkt und Tanz

Unter Buchsbögen sitzen Frauen und Mädchen

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Zur Tracht der Frauen gehört ein Fuchskragen.

Murnau / Froschhausen – Das freute den Chronisten, als er 1928 schwärmte: „Unter Buchsbögen sitzen Frauen und Mädchen aus Murnau in ihrer alten Tracht.“ Am Donnerstag, 6. November, ist es wieder soweit. Während die Murnauer ihre Häuser mit weißblauen und grünweißen Fahnen schmücken, kommen die Teilnehmer zur Leonhardi-Wallfahrt in der Seidlstraße zusammen. Pünktlich um 9 Uhr setzt sich der Zug der Gläubigen von dort unter dem Geläut der Pfarrkirche St. Nikolaus in Bewegung. Eine dreiviertel Stunde später er- reichen die Rösser, Reiter und Pferdegespanne die Leonhardikirche in Froschhausen. Pfarrer Siegbert Schindele wird die Menschen und ihre Tiere segnen, dann feiern alle einen Gottesdienst am See.

Viele der Bauern und Pferdebesitzer machen seit Jahren, einige sogar schon seit Jahr- zehnten bei der Murnauer Leonhardifahrt mit. Aber jeder freut sich darauf, wenn Georg Götz, als Vorsitzender des Leonhardivereines Froschhausen, schon im Oktober zu ihnen kommt, um sie persönlich zur Wallfahrt einzuladen. Und fast jeder der Festwagen hat seine eigene Geschichte. So ist beispielsweise der Murnauer Sepp Gramer stolz, dass die Festtagsgeschirre für seine Pferde handgenäht sind. Sie stammen aus Südtirol, wo die Pferderasse der Haflinger ursprünglich zu Hause ist. Etwas Besonderes ist der Wagen der Murnauer Ministranten; Florian Machne erzählt: „Früher konnten nur zwei Ministranten in der Kutsche des Pfarrers mitfahren. Seit 1978 gibt es den eigenen Ministrantenwagen, den wir mit den Murnauer Filialkirchen bemalt haben Jetzt finden alle Ministranten darauf reichlich Platz. Viel älter als der Ministrantenwagen ist der „Froschhauser Frauenwagen“, den der Leonhardiverein den verheirateten Frauen zur Verfügung stellt. Die 18 Frauen, die darauf Platz nehmen, kommen schon lange nicht mehr nur aus Froschhausen, sondern auch aus Murnau, Rieden, Seehausen und Uffing. Viele Besucher der Leonhardifahrt nutzen die Gelegenheit, sich in Froschhausen die Leonhardikirche anzusehen, und mitunter dort auch ein kurzes Gebet zu sprechen. Der Hochalter der Kirche zeigt den heiligen Leonhard, die Gottes- mutter und den heiligen Christopherus. Das Deckengemälde malte der Kaufbeurer Aloys Gaibler. Das Bild hat den heiligen Leonhard zum Thema, wie er einem Besessenen den Teufel austreibt. Zahlreiche Hinterglasbilder aus den vergangenen Jahrhunderten, das sind die Votivgaben der Wallfahrer, erinnern an die Bestimmung des Kircherl. Nach der Wallfahrt geht es zurück nach Murnau, zum Leonhardi-Markt in der Bahnhofstraße. Die Tradition dieses Marktes reicht bis in das Jahr 1722 zurück und war bis in die 1960er Jahre noch mit einer Viehauktion verbunden. Abends steigt der Leonharditanz im Kultur- und Tagungszentrum. Der Murnauer Trachtenverein lädt dazu ab 20 Uhr ein.

Von Günter Bitala

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