Leonhardiritt zur malerisch gelegenen Kappel

Mit einer Wallfahrt bittet man den heiligen Leonhard um Schutz für Mensch und Tiere. Günter Bitala

Mit einem Pferderitt hinaus zur malerisch gelegenen Kappelkirche erbitten am letzten Sonntag im Oktober die Gläubigen aus Unterammergau den Segen für Menschen und Tiere. Die erste Wallfahrt dieser Art fand 1963 statt.

Ursprünglich stammt der Brauch aus dem 17. Jahrhundert, doch seine Wurzeln reichen weiter zurück. Der heilige Leonhard wurde im 6. Jahrhundert als Sohn eines fränkischen Adelsgeschlechts gebo- ren und lebte am Hof des Merowinger Königs Chlodwig. Er wurde zum Priester geweiht und kümmerte sich um Gefangene. Er erreichte, dass Chlodwig Unschuldige begnadigte, aus diesem Grund wird der Heilige auf Votivbildern und Gemälden mit einer Kette in der Hand dargestellt. Noch im 16. Jahrhundert brachten Häftlinge ihre Gefangenenketten zu den Leonhardi-Kirchen. Doch Leonhard wurde auch zum Nothelfer der Gebärenden, weil er der Gattin Chlodwigs bei einer zu früh einsetzenden Geburt beistand. Später gründete er in der Nähe von Limoges ein Kloster, in dem er bis zu seinem Tod zurückgezogen lebte. Fast ein halbes Jahrtausend blieb Leonhard vergessen. Zur Zeit der Kreuzzüge tauchte sein Name wieder auf, denn die Kreuzfahrer stifteten eine Reihe von Leonhardi-Kirchen. Der „Kettenheilige” wurde zum Volksheiligen. Er wird auch von Arbeitern in den Schmelzhütten und Eisenminen, von Hufschmieden und Bauern um Hilfe angerufen. Die Säkularisation brachte das vorläufige Ende der Leonhardi-Verehrung. Die Wallfahrten wurden untersagt, Votivgaben und Ketten aus den Kirchen entfernt. Erst König Ludwig I. hob dieses Verbot 1825 auf, seit Beginn des 20. Jahrhunderts wird die Tradition der Wallfahrten wieder gepflegt. Die Mitglieder der Leonhardigemeinschaft Unterammergau und Umgebung rech- nen am Sonntag mit 130 bis 140 Pferden, 20 davon an Fuhrwerken. Vier Blaskapellen spielen während des Rittes, beim Gottesdienst und im Verlauf des weiteren Tages auf. Die Aufstellung an der Pfarrkirche St. Nikolaus beginnt um neun Uhr. Um 9.45 Uhr setzt sich die Wallfahrt in Bewegung. An der Kappel wird eine Feldmesse zelebriert, daran schließt sich die Pferdesegnung an. Am Abend des 28. Oktober findet ein Festball statt.

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