Lodernde Nacht für den "Kini"

Die Feuermacher vom Zweier, eine Aufnahme aus der Passion 2010, wie Haar und Bart noch zeigen (v.li.): Vitus Norz, Hannes Lutz, Leonhard Wiedemann, Thomas Bartl, Martin Norz und Christian Mayr. Foto: Zinner

Oberammergau – Die Oberammergauer Wilhelm Lang und Karl Binder entzündeten 1888 erstmals im Kofelflecken ein großes, aus Holzstößen bestehendes Kreuz – 2013 feiert man also das 125-jährige Bestehen des Ludwigsfeuers. Lange Zeit stand nur der Kofel im Mittelpunkt, zwischenzeitlich sind aber Bergfeuer rund um Oberammergau dazugekommen. Am nächsten Freitag, 24. August, ist es wieder so weit: Zu Ehren von König Ludwig II. erstrahlen nach Einbruch der Dunkelheit wieder die Bergfeuer. Neben dem Kreuz im Kofelflecken die Krone auf dem Gipfel des Kofels, ein großes Feuer auf dem Rappenkopf, auf der gegenüberliegenden Seite das „L“ am Kircheck, die römische „II“ am Hebamsberg und ein Kreuz am Laberköpfl. Aus der Kofelwand erklingen Choräle, gespielt von den Blechbläsern des Oberammergauer Musikvereins, und zum Schluss ertönt die Bayernhymne.

Die nächtliche Illumination stößt bestimmt wieder auf großes Interesse bei Einheimischen und Urlaubern, kurz nach 21 Uhr geben drei Böller aus der Kofelwand das Signal zum Anzünden. Nach dem Abbrennen der Feuer machen sich die Feuermacher an den Abstieg ins Tal, vom Sportzentrum geht es dann gegen 23 Uhr mit Trommlerzug und Blaskapelle durch das Dorf, mit der wohlverdienten Brotzeit und einer Halben Bier klingt das Brauchtumsfest aus. Wie bereits erwähnt, begann alles mit einem Kreuz im Kofelflecken vor 124 Jahren, seit Jahrzehnten ist es die Gesamtheit der Feuer rund um Oberammergau. Lange gab es in Oberammergau keine genauen Daten über die Entstehung der Feuer. Genaueres förderte 1998 die Zulassungsarbeit einer angehenden Realschullehrerin zu Tage, sie erforschte den Brauch des Ludwigsfeuers in Oberammergau. Mit Unterstützung der Gemeinde entstand eine 124 Seiten umfassende Dokumenta- tion, ein Exemplar der Arbeit befindet sich im Gemeindearchiv als wichtiges Nachschlagewerk. Heute wollen wir einen kurzen Blick auf die römische II am Hebamsberg werfen, das „jüngste“ Feuer, wie es in der Facharbeit heißt. 1975 schilderte ein Oberammergauer seine Idee, das L am Kircheck durch die II am Hebamsberg zu ergänzen. Der damalige Bürgermeister Ernst Zwink gab sofort seine Zustimmung. Zwei Feuermacher waren es zu Beginn, mittlerweile ist die Mannschaft auf fünf angewachsen. Mit einem Absperrband, gut im Tal sichtbar, wird die Kontur der II umrissen, kleine Korrekturen dann per Handy oder Funk von „drunt“, wie es heißt, vorgenommen. Anschließend werden 200 Fackeln im Abstand von einem Meter ausgesteckt und mit einem Öl-Benzin-Gemisch getränkt. Auch vom Hebamsberg steigen nach dem Anzünden bunte Leuchtkugeln in den Nachthimmel.

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