Luise Friedl hat fast genau 50 Jahre lang den Kreisboten ausgetragen

Jubiläum mit Seltenheitswert

Jubiläum
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V.l.: Angela Marek, Zustellbetreuerin, gratuliert Luise Friedl zu dem ganz besonderen Jubiläum und bedankt sich für das 50-jährige Engagement.
  • Ilka Trautmann
    VonIlka Trautmann
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GAP – Da ist die Burgrainerin ehrlich: „Ein paar wenige Wochen haben dann letztlich gefehlt. Aber ja, es sind 50 Jahre, dass ich den Kreisboten ausgetragen habe, und ich habe es immer gern gemacht.“ Ein Jubiläum, das absoluten Seltenheitswert hat und zu dem der Kreisboten-Verlag Garmisch-Partenkirchen auf‘s Herzlichste gratuliert. Corona-bedingt konnten Dank und Anerkennung erst dieser Tage übermittelt werden, aber darauf hat Luise Friedl gern gewartet.

Bei einem gemütlichen Treffen erinnert sich Luise Friedl an ereignisreiche fünf Jahrzehnte. 1970 hatte sie angefangen, Kreisboten auszutragen, um ihren Lieblingssport, das Golfen, betreiben zu können. Nicht nur ihr Mann Walter hat sie dabei tatkräftig unterstützt, sondern auch die Mutter hatte bei den Anfängen mitgeholfen. Damals haben die Friedls in Partenkirchen ausgetragen. Woche für Woche 2600 Stück vom Kratzmair am Sebastianskircherl bis zum damaligen Kreiskrankenhaus. „Auch in den Schwesternwohnhäusern hat man auf den Kreisboten gewartet. Die Runde hat uns bis 23.30 Uhr beschäftigt. Aber auch im Dunkeln habe ich nie Angst gehabt“, sagt Luise Friedl. „Eher schon vor Hunden.“

Bei Wind und Wetter, bei Regen, Schnee und Matsch, sind die Friedls auf‘s Rad gestiegen, um den Kreisboten zu den Lesern zu bringen. Den Lohn, den sie sich erwirtschaftet haben, haben sie für ihr Lieblingshobby, das Golfen, genutzt. Schon als Kind hatte Luise Friedl den Amerikanern die Golftaschen getragen – die Fazination für diesen Sport hat sie seither nicht mehr losgelassen.

Zu einer immer größeren Herausforderung wurde über viele, viele Jahre dann das Einlegen der zahlreichen Beilagen. Dafür hatten die Friedls in ihrem Haus in Burgrain ein extra Zimmer genutzt. Von Vorteil war jetzt auch, dass die Friedls in Burg­rain in drei Gebieten ausgetragen haben. Die Kinder und später auch die Enkelkinder haben oft mitgeholfen.

Waren es anfänglich 75 Zeitungen gewesen, die Luise Friedl mit dem Rad hatte mitnehmen können, waren es angesichts der vielen Beilagen später nur noch 25 Stück – denn Papier hat sein Gewicht. Dies alles genau auszurechnen und die Runden zu planen, war Sache von Ehemann Walter: „Ich war so etwas wie der Technische Direktor“, sagt er und lacht.

Den Kreisboten zu den Menschen zu bringen, hat Luise Friedl stets Spaß gemacht. „Ich hatte Bewegung an der frischen Luft, auch das hat mich fit gehalten.“ Manch einer, der sehnsüchtig auf das Lokalblatt mit dem Slogan „Heimat ist unsere Stärke“ gewartet hat, sei es um ein Wohnungsinserat, den Kfz- oder Stellenmarkt zu studieren, hat schon mal in Anerkennung der pünktlichen Auslieferung ein kleines Trinkgeld springen lassen. An eine Anekdote denkt die zierliche 82-Jährige mit der exakt geschnittenen Kurzhaarfrisur noch immer zurück: „Eines Tages kam ein Herr auf mich zu und sagte ‚Kloaner, gib mir mal einen‘. Dass der Mann mich mit 60 Jahren als jungen Burschen sah, habe ich gern als Kompliment genommen.“

An dieser Stelle möchte der Kreisboten-Verlag nochmals das außergewöhnliche 50-jährige Engagement herausheben und Luise Friedl und ihrer Familie – stellvertretend für die vielen fleißigen Austräger, die Woche für Woche Treue beweisen – danken. tra

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