Magdalena Neuner sagt "Servus" – Wallgauer Spitzenbiathletin will zum Saisonende im März 2012 ihre sportliche Laufbahn beenden

Magdalena Neuner sagt am Saisonende Servus! Foto: Thomas Sehr

Es ist die Woche der großen Rücktritte: Zunächst lief die letzte „Wetten Dass“-Sendung mit Thomas Gottschalk, nur drei Tage später erklärt eine der größten Athletinnen, die der deutsche Sport jemals herausgebracht hat, ihren Rücktritt: Magdalena Neuner wird im März ihre Karriere beenden. Die Doppel-Olympiasiegerin verkündete am Dienstag ihren Rücktritt zum Saisonende. „Ich habe mich entschieden: Nach dieser Saison werde ich meine Biathlonkarriere beenden“, schrieb die 24-Jährige am Dienstag auf ihrer Homepage.

Die Ausnahmesportlerin aus Wallgau wird ihr letztes Rennen am 18. März 2012 beim Weltcup-Finale im russischen Chanty-Mansijsk bestreiten – 38 Tage nach ihrem 25. Geburtstag. Dort hatte Magdalena Neuner übrigens im März diesen Jahres den letzten ihrer bislang zehn WM-Titel gewonnen. Bei der Heim-Weltmeisterschaft vom 29. Februar bis 11. März in Ruhpolding will Deutschlands Sportlerin des Jahres 2007 zum Abschluss ih-rer Karriere in jedem der sechs Wettkämpfe eine Medaille gewinnen. Aus und vorbei. Nachdem in den vergangenen Wochen viel spekuliert worden war, hat Magdalena Neuner am Dienstag bekannt gegeben, dass diese Saison ihre letzte sein wird. Auf ihrer Homepage gab die Wallgauerin ihre Entscheidung bekannt. Es sei ihr „ganz, ganz wichtig“ gewesen, den Entschluss ihren Fans mit den eigenen Worten anzukündigen. „Der Text ist gereift“, sagte sie. Hier ist er im Wortlaut: „Liebe Fans, liebe Besucher meiner Homepage, bevor die nächsten Wettkämpfe anstehen, habe ich noch etwas Wichtiges, das ich Euch gerne mitteilen möchte. Eigentlich hatte ich geplant, Euch das schon vor zwei Wochen zu sagen, aber leider war mir das aus organisatorischen Gründen nicht möglich und ich musste einen späteren Termin wählen. Das war mir sehr unangenehm, weil ich eigentlich von Anfang an ehrlich und offen mit dem Thema umgehen wollte. Immer wieder wurde ich in den letzten Interviews gefragt, wie lange ich denn noch Biathlon machen werde. Es wurde sehr viel spekuliert und ich musste mich immer heraus winden und um den heißen Brei herum reden. Ich habe gesagt, sobald ich mehr weiß, werde ich dies bekannt geben. Ich habe eine Entscheidung getroffen, die für mich persönlich richtig und auch sehr gut überlegt ist, und ich bin froh, dass ich endlich ehrlich das aussprechen kann, was ich denke. Ich werde meine Karriere als Biathletin nach dem Winter beenden. Für einige von Euch ist das jetzt sicherlich sehr überraschend und unangenehm. Das kann ich gut nachempfinden und verstehe, dass diese Entscheidung nicht leicht nachvollziehbar ist und jeder von Euch anders darüber denkt. Lange Zeit habe ich mit mir gehadert, mir Gedanken gemacht, die Situation aus mehreren Blickwinkeln betrachtet und habe dabei natürlich auch an Euch gedacht. Ich habe es mir mit Sicherheit nicht leicht gemacht. Doch mittlerweile habe ich eine Entscheidung getroffen und habe einfach das Gefühl, dass die Zeit reif ist für eine Veränderung und mich nach dem Sport etwas Neues, ganz Tolles erwartet! Zum einen sehne ich mich nach Normalität, nach ein wenig mehr Ruhe und danach, einfach mal die Dinge machen zu können, die ich in meinem Sportlerleben nie machen konnte; zum anderen bin ich sehr motiviert neue Dinge auszuprobieren, habe schon viel getestet und mit Sicherheit auch Fähigkeiten in anderen Bereichen. Vielleicht könnt ihr mir ja dabei helfen, neue Ideen zu entwickeln. Dafür wäre ich euch sogar sehr dankbar und bin offen für Anregungen, wenn sie zu mir passen. Irgendwann spielt auch das Thema Familienplanung für mich eine Rolle, das können bestimmt gerade die Frauen unter Euch gut nachvollziehen. Doch vorher möchte ich einfach erst mal noch ein paar Dinge ausprobieren. Zur Zeit bin ich noch dabei, den C-Lizenz Trainerschein zu machen und freue mich darauf, Kindern und Jugendlichen meine Erfahrungen, die ich als Sportlerin gemacht habe, als Trainerin weiter zu geben. Auf jeden Fall werde ich euch erhalten bleiben, eben einfach nur an einer anderen Stelle und ich würde mich freuen, wenn ihr mich auf meinem neuen Lebensabschnitt begleitet. Über diese zukünftigen Entwicklungen halte ich euch regelmäßig auf dem Laufenden. Die letzten Jahre waren eine ganz besondere und aufregende Zeit für mich – und ich genieße meine Zeit im Sport immer noch sehr! Jetzt freue ich mich erst einmal sehr auf den bevorstehenden Winter, vor allem natürlich auf die WM in Ruhpolding. Auf Euch Fans, die tolle Stimmung in den Stadien und die schönen Dinge, die ich im Sport noch erleben darf. Es wird für uns alle bestimmt eine ganz schöne Saison und ich würde sagen – lasst sie uns einfach so richtig genießen und zusammen feiern! Eure Magdalena“ Der Deutsche Skiverband bedauert die Entscheidung der 24-Jährigen. „Für uns ist es extrem schwierig die Situation zu meistern. Wir verlieren eine Top-Athletin, die Biathlon geprägt hat“, sagte Uwe Müssiggang, der DSV-Cheftrainer. „Ich denke diesen Entschluss hat sie hundertprozentig getroffen.“ Die Möglichkeit auf ein eventuelles Comeback ist aber noch nicht vollständig ausgeschlossen. „Die Chance ist sehr, sehr, sehr, sehr gering und liegt vielleicht bei zwei Prozent“, sagte Neuner. Dass sie in dieser Saison wieder voll angreifen will, unterstrich die Wallgauerin in den ersten Rennen der neuen Saison, hier kam sie dreimal aufs Podest. Zwei Fehlschüsse im letzten Schießen kosteten ihr beim Weltcup-Auftakt den Sieg. Zunächst lief auch alles nach Plan: Liegend traf sie alle zehn Scheiben, stehend ließ sie zunächst eine stehen. Als sie zum vierten und letzten Schießen kam, blieben die ersten zwei Scheiben stehen. „Die Bedingungen am Schießstand waren sehr schwierig aufgrund der wechselnden Winde“, sagte Neuner. Bei Schneeregen und böigem Wind im schwedischen Östersund hatte die 24-Jährige im 15-Kilometer-Einzel als Dritte einen Rückstand von 1:41,7 Minuten auf Siegerin Darja Domratschewa aus Weißrussland. Zweite wurde die Schwedin Anna Maria Nilsson. „Das habe ich das letzte Mal vor vier Jahren geschafft“, sagte Magdalena Neuner und war nicht unzufrieden: „Das ist ein super Einstand. Auch wenn mir läuferisch noch der letzte Punch gefehlt hat, da muss ich noch mal das Rohr durchblasen.“ Noch mehr als über die eigene Leistung freute sie sich aber über das gelungene Weltcup-Debüt ihrer Zimmerkollegin Franziska Hildebrand aus Köthen in Anhalt, die nach nur einem Schießfehler Sechste wurde. Die Garmisch-Partenkirch- nerin Miriam Gössner kam nach sechs Schießfehlern auf Rang 43. Im Sprint über 7,5 Kilometer feierte Neuner zwei Tage später ihren 25. Weltcupsieg. Sie siegte hauchdünn vor der Norwegerin Tora Berger, die nur 0,2 Sekunden hinter der Rekordweltmeisterin lag. Beide hatten sich bei starkem Schneetreiben einen Schießfehler geleistet. „Ich habe schon fast befürchtet, dass die Tora heute ihre Revanche bekommt von Östersund 2008, da habe ich sie auch so knapp geschlagen. Es war verdammt hart, aber es war auch schön, dass ich mich wieder verausgaben konnte“, sagte Neuner. „Gleich am ersten Weltcup-Wochenende einen Sieg zu schaffen, das habe ich noch nie geschafft.“ Die letztjährige Gesamtweltcupsiegerin Kaisa Mäkäräinen aus Finnland belegte nach zwei Fehlern mit 15,2 Sekunden Rückstand auf Neuner den dritten Platz. Miriam Gössner kam nach fünf Fehlern auf Rang 22. Im Abschlussrennen von Östersund, dem Verfolger, vergab Neuner ihren zweiten Sieg am Schießstand. Über zehn Kilometer leistete sie sich insgesamt vier Fehlschüsse und landete nach ihrem Sprintsieg dieses Mal mit 1:24,4 Minuten Rückstand auf Platz drei. Die Norwegerin Tora Berger gewann vor der Finnin Kaisa Mäkäräinen. Für Berger war es der 13. Weltcupsieg ihrer Karriere, Neuner verteidigte das Gelbe Trikot der Weltcup-Gesamtführenden. „Ich habe die Kräfte gestern schon verbraucht. Ich merke, dass ich im Laufen noch Reserven habe. Es war heute ärgerlich, weil am Schießstand super Bedingungen waren. Ich kann es besser“, sagte Neuner. Miriam Gössner kam auf Rang 38.

Meistgelesen

Polizist angegriffen
Polizist angegriffen
Ausbildungskompass für die Region
Ausbildungskompass für die Region
Anstieg der Straftaten
Anstieg der Straftaten
Sohn der Pflegekraft festgenommen
Sohn der Pflegekraft festgenommen

Kommentare