"Ich wollte immer aufhören mit dem Gefühl des Gewinnens."

Marcel Hirscher hat seine Karriere beendet

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2017 wurde Marcel Hirscher in St. Moritz Weltmeister im Slalom vor seinem Landsmann Manuel Feller (li.) und Felix Neureuther (re.).

In einem weißen T-Shirt ohne Sponsorenaufdruck erklärte der Überflieger des vergangenen Ski-Jahrzents, Marcel Hirscher,  im Salzburger „Gusswerk“ seinen Entschluss. Diese Pressekonferenz wird in die Geschichte des österreichischen Sports eingehen. Es war ein bewegender Tag. 

Insgesamt holte Hirscher in seiner Karriere wie US-Star Lindsey Vonn, die ihre Karriere ebenfalls beendet hat, 20 Kristallkugeln. Dazu kommen fünf Einzel-Weltmeistertitel, zwei mit der Mannschaft und zwei Olympiasiege bei den Winterspielen in Pyeong­chang. Vier Jahre zuvor in Sotschi holte er zudem Silber bei den Olympischen Winterspielen. Vor der Pressekonferenz war Hirscher angespannt: „Das hat sich angefühlt wie vor dem Slalom bei der Heim-WM 2013 in Schladming“, gestand er, „ich war schon lange nicht mehr so nervös.“ 

Den endgültigen Entschluss, die Karriere zu beenden, hat der Österreicher vor zwei Wochen gefällt. Die Entscheidung ist in ihm über Monate hinweg gereift. Bereits nach seinem Gewinn des WM-Slaloms in Åre hatte sich Hirscher ausgelaugt wie noch nie zuvor gefühlt. „Damals habe ich gemerkt, dass dieser WM-Titel mich extrem viel Kraft gekostet hat und den Körper auch sehr mitgenommen hat.“ Hirscher hat im Sommer für sich die Zeichen der Zeit erkannt. „Ich bin nicht mehr bereit, den Preis zu bezahlen. Es steht einfach nicht mehr dafür. Mein Akku lädt nicht mehr so schnell wie früher.“ Obendrein hatte sich der achtfache Gesamtweltcupsieger bereits in jungen Jahren eines vorgenommen: „Ich wollte immer aufhören mit dem Gefühl des Gewinnens. Auf dem Höhepunkt. Und ich habe heuer den Gesamtweltcup mit deutlichem Vorsprung geholt. Außerdem wollte ich gesund abtreten.“ Das hat er geschafft: In einer Sportart, in der Knieverletzungen (leider) zu den Karrieren dazugehören, blieb der 30-Jährige davon immer verschont. In dem ganzen Dutzend an Jahren im Hochleistungsgeschäft war er nur zweimal ernsthaft verletzt (zwei Knöchelbrüche). 

Eine Überraschung ist die Entscheidung nach monatelangen Spekulationen und den sich zuletzt mehrenden Indizien zwar nicht – ein schwerer Schlag ist der Rücktritt für den Österreichischen Skiverband und die Fans aber dennoch. „Ich habe bis zuletzt gehofft, dass der Marcel weitermacht“, sagte auch Felix Neureuther. „Mich überrascht das, ich hätte damit nicht gerechnet. In jedem Fall extrem bitter.“ Neureuther traf seine Entscheidung vor dem letzten Saisonrennen nach einem schwierigen Comeback-Jahr auch mit Blick auf seine Familie, seine Frau Miriam erwartet das zweite Kind. Im Sommer nach seinen Olympiasiegen von Pyeong­chang hatte Hirscher seine langjährige Freundin Laura geheiratet, im Oktober 2018 kam dann der erste Sohn des Paares zur Welt. Schon damals deutete der Salzburger an, dass seine Perspektiven sich verschoben haben, weg vom Skisport. „Ich will in Zukunft mit meinem Sohn Fußball spielen, in die Berge gehen, ohne Verletzungen auskurieren zu müssen“, sagte Hirscher nun.  Titus Fischer

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