`s Mauganest in Mittenwald

"Hier weint keiner"

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Sie sind Tag und Nacht für „ihre“ Kinder da: Heimleiterin Christiane Hertkorn (li.) mit dem kleinen Max (Name von der Redaktion geändert) und ihren Angestellten sowie die stellvertretende Leiterin Monika Wendt (3. v.re.).

Mittenwald – Es ist Donnerstag, halb 12. Martin (Name von der Redaktion geändert) kommt gut gelaunt mit seinem Freund und Mitbewohner durch die Holztüre vom Mauganest. Aus seinem blauen Schulranzen holt er seine Trinkflasche und seine gelbe Brotzeitdose raus und legt sie auf den Tresen der Küche. „Hast du denn alles aufgegessen?“, fragte ihn Heimleiterin Christiane Hertkorn. Er bejahrte die Frage mit einem frechen Grinsen im Gesicht und ging in das Spielzimmer.

Der junge Mann ist sieben Jahre alt und besucht die Schule in Mittenwald. Sein Zuhause ist das Kinderheim. „Die Kinder erfahren hier eine Routine“, erklärte die diplomierte Psychologin. Martin ist eines von neun Kindern, die momentan im Mauganest leben. „Wir haben gerade fünf Schulkinder, ein Kindergartenkind und drei Minis im Haus“, so Hertkorn. Es sind auch Geschwister da. Das jüngste Kind ist sechs Monate alt, heißt Max (Name geändert) und der Sonnenschein für alle Mitarbeiter.

Am 2. Januar diesen Jahres wurden die Türen geöffnet, am 9. Januar waren schon die ersten Kinder da. Warum müssen/kommen Kinder ins Kinderheim? „Das hat ganz unterschiedliche Gründe. Mal sind die Eltern zu jung und überfordert mit der Erziehung, oft sind aber Alkohol- und Suchtprobleme, psychische Erkrankungen, Gewalt in der Partnerschaft oder Misshandlung von Kindern ein Grund, dass Kinder in ein Kinderheim kommen. Bei älteren Kindern sind es die finanziellen Probleme der Eltern. Die Förderung fehlt, denn die Kinder besuchen die Schule unregelmäßig. Die Eltern erfüllen ihre Pflichten nicht und dann muss das Jugendamt einschreiten“, erklärte Hertkorn. Natürlich kommen Kinder nicht sofort ins Heim, da gibt es gewissen Vorstufen. Diese kennt Sina Achenbach. Sie ist Verfahrensbeistand, also ein „Anwalt für Kinder“. „Bevor das Kind aus der Familie genommen werden darf, muss einiges geprüft werden. Stimmen die Anschuldigungen, die gemacht wurden? Kooperieren die Eltern mit dem Jugendamt ist das eine gute Sache. Kooperieren sie nicht, weil sie ihre Fehler vielleicht nicht einsehen, dann kommt der Fall vor das Familiengericht. Dann wird erst einmal ein familienpsychologisches Gutachten erstellt. Da wird der Umgang der Eltern mit den Kinder diagnostiziert und die Erziehunsgfähigkeit der Eltern geprüft. Sieht das Gericht das Kind dann als gefährdet an, wird es der Familie entzogen. Das kann aber bis zu sechs Monate dauern“, erklärte sie.

"Hier bin ich sicher"

Wenn das Kind ins Heim muss, stellt man sich das oft sehr tränenreich und mit viel Emotionen vor. Es muss sicherlich schlimm für ein Kind sein, seine Eltern zu verlassen. „Hier weint keiner. Es ist schon ein Phänomen. Für die Kleinen ist es eher eine Entlastung. Wenn man als Kind täglich Gewalt oder suchtkranke Eltern erlebt, fühlen sie sich hier sicher. Sie wissen, hier tut mir keiner was“, weiß Monika Wendt, Sozialarbeiterin und Mediatorin.

Zusammenarbeit mit Eltern ist wichtig 

Die Eltern spielen natürlich auch eine Rolle. Wenn man den Kindern erklärt, warum sie hier sind und der regelmäßige Kontakt besteht, entsteht auch kein Heimweh. Sie besuchen, wenn möglich, ihre Kinder alle zwei Wochen. Sie dürfen aber nicht in das Kinderheim. Es gibt separate Räume, die es für Besucher gibt. „Für die Kinder ist das Mauganest ein sicherer Ort und der soll das auch bleiben. Sollten Eltern sich streiten oder jemand wird mal laut, dann bitte nicht im Kinderheim“, so Hertkorn. Die Elternarbeit ist ein wichtiger Punkt. „Wir arbeiten immer auf eine Rückführung hin. Wir haben tolle Leute, die das wunderbar machen und es läuft auch gut“, so Wendt.

Integration klappt wunderbar 

Die Schule und der Kindergarten vor Ort kooperieren sehr gut und die Arbeit mit den Vereinen ist super. Die Offenheit im Ort besteht und die Integration ist kein Problem. „Natürlich dürfen auch die Freunde der Kinder zu uns kommen und spielen, das ist überhaupt kein Problem“, so Hertkorn. Spielen, lernen, sprechen, sich sicher fühlen - und einfach Kind sein dürfen, das ist im Mauganest für sie möglich. 

Regeln, die jeder einhalten muss

Im Kinderheim gibt es keinen Fernseher, keine Handys und auch keine Süßigkeiten. „Außer es gibt zum Nachtisch Kuchen oder ähnliches, ansonsten bekommen die Kinder von uns nichts“, sagte Hertkorn. Am Wochenende schauen die Kinder zusammen eine DVD oder hören ein Hörspiel. Aber das war es dann auch. „Es ist schon ein Fulltime-Job. Wir, damit meine ich Sozialpädagogen, Kinderpfleger und Erzieherinnen sind Tag und Nacht für unsere Kinder da.“ Eine Psychologin spricht regelmäßig mit den Kindern, damit sie das Erlebte, was auch immer es war, verarbeiten können.

in.puncto Zukunft e.V. 

Ausflüge, Spielsachen, Kinderwägen und weitere Utensilien, die Kinder brauchen, wurden von Mitmenschen gespendet oder vom Förderverein in.puncto Zukunft e.V. finanziert. Er plant kulturelle, sportliche und musische Bildung für die Kinder und möchte auch das heilpädagogische Kinderheim `s Mauganest unterstützen. Momentan ist das Gartenprojekt der Hit für die Kinder. „So bekommen sie einen Bezug zu Ernährung, was sehr wichtig ist.“ Kinderwünsche, wie ins Eisstadion zu einem Eishockeyspiel oder der Besuch der Musikschule möchte das Heim ebenfalls ermöglichen. Der Garten des Mauganests wurde schön hergerichtet und wenn das Wetter so schön ist, wie in den letzten Tagen, sind die Kinder gerne draußen. Martin hat ja seine Brotzeit aufgegessen. Dann wird das Wetter in den nächsten Tagen sicherlich gut.

`s Mauganest ist noch auf der Suche nach geeignetem Personal. Interessierte bitte unter der Tel.: 08823/9108690 melden.

Spenden: `s Mauganest, bei der Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen, IBAN: DE70703500000011294857, BIC: BYLADEM1GAP.

Von Alma Jazbec

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