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Meisterschaften im Sensenmähen: Partenkirchner Grasflächen wurden mit der Handsense abgemäht

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Thomas Baumgartner
Thomas Baumgartner aus Ainring wurde im Profi-Feld mit einer Gesamtzeit von 1:18 Minute Zweiter. © Barbara Falkenberg

GAP – „Zieh, zieh!“, ertönte es schon von weit her. Wer sich am Samstag Nachmittag auf dem Weg zur Partnachklamm befand, blieb unweigerlich an den Wiesen im Zieleinlauf des Hornschlittenrennens stehen. Hier hatten sich an die 500 Schaulustige eingefunden und feuerten nicht etwa Sommerrodler an, sondern Sensenmäher.

„Wir haben die Werdenfelser Meisterschaften im Sensenmähen vor zwei Jahren quasi als Schnupperwettkampf das erste Mal durchgeführt, damals noch in kleinem Rahmen, dass so viele Gäste kommen würden, hätte ich mir nie träumen lassen, es freut mich ungeheuer“, meinte der pensionierte Finanzbeamte Peter Strodl (67).

Der Präsident des Hornschlittenvereins Partenkirchen mit seinen derzeit rund 600 Mitgliedern moderierte die launige Veranstaltung, die er und seine Vereinskameraden gemeinsam mit dem Handmähverein Thundorf Straß aus Berchtesgaden organisiert hatten. Für einen tollen Rahmen sorgten eine musikalische Untermalung und Köstlichkeiten vom Grill.

Für die Profi-Teilnehmer hieß es, so schnell und sauber wie möglich Grasflächen in der Größe von 35 Quadratmetern und einer Fläche von fünf mal sieben Metern mit der Handsense abzumähen, die Felder der Hobbysenser waren mit drei mal fünf Metern, also 15 Quadratmetern, gut halb so groß. „Die Bedingungen sind ideal, das Grün ist feucht, es schneidet sich besser als trockenes und das Wetter hält, es ist auch nicht zu heiß“, so Strodl weiter. In der Tat hatten er und alle Mitstreiter und Gäste riesiges Glück, denn das angekündigte Unwetter blieb aus und der Regen ließ bis zum Ende der Siegerehrung, als es leicht zu tröpfeln begann, auf sich warten.

Belohnt wurde nicht nur die Schnelligkeit, mit der die insgesamt 22 Aktiven, darunter auch vier Damen, das jeweilige Wiesenstück abmähten, sondern auch, wie viele Halme oder Grasbüschel am Ende noch standen. „Es gibt mehrere Wertungsklassen, der Gesamteindruck zählt. Bei einer Null, das heißt, wenn die Fläche optimal gleichmäßig, mit wenigen Stufen abgemäht wird, gibt es keine Abzüge, bei einer Eins kommen 7,5 „Straf-Sekunden“ hinzu, bei einer Zwei dann 15 Sekunden und so weiter auf die reine Mähzeit obendrauf“, erklärt Georg Weber (56) das Reglement. Der Profischiedsrichter, im Hauptberuf Landwirt, war 2005 bayerischer und deutscher Meister im Sensenmähen und kurzzeitig auch Halter des Weltrekords, begutachtete und bewertete mit Kennerblick nach jedem Schnitt das Ergebnis.

So ging es denn Feld für Feld weiter, das Publikum hatte seinen Spaß, applaudierte und jolte, was das Zeug hielt. Für Thomas Baumgartner aus Ainring im Berchtesgadener Land , der auch als zweiter Schiedsrichter fungierte, lief es jedenfalls ziemlich rund. Der 42jährige Elektriker zeigte sich in Top-Form und in Harmonie mit seinem 1,25 langen Sensenblatt. Schnell, aber dennoch mit Gefühl zog er das rasiermesserscharfe Schwert unter den Anfeuerungsrufen der begeisterten Menge ein ums andere Mal gleichmäßig über die Wiesenfläche. Am Ende wurde seine fast perfekte Kür mit einer reinen Mähzeit von 1:03 Minute zuzüglich 14 Sekunden Strafzeit belohnt und er wurde Zweiter im Profi-Klassement hinter Johannes Egger.

Eine tolle Leistung, auch wenn seine Zeit nicht ganz an den Weltrekord von gut 42,25 Sekunden für eine 49 Quadratmeterfeld, den seit 2009 ein Österreicher hält, heranreicht.

Im Feld der Hobbyklasse der Herren trat Josef Lindebner aus Garmisch-Partenkirchen, der noch nie zuvor an einem Wettbewerb teilgenommen und sich im Vorfeld eigentlich kaum Chancen eingeräumt hatte, gegen neun weitere Akteure, an. Am Ende wurde er zu seiner eigenen Überraschung hervorragender Dritter. „Ich habe aus reiner Gaudi mitgemacht, mähe sonst daheim meine Buckelwiesen per Hand und war nur neugierig, wie ich hier abschneiden würde“, erzählt der 40jährige Landwirt, der Mitglied im Hornschlittenverein Partenkirchen ist. In jedem Fall war er voll motiviert und verriet auch gleich noch ein wichtiges Mäh-Geheimnis, an das er sich bei seinem Auftritt eisern hielt: „Die Sense darf den Boden möglichst nicht verlassen, je besser sie liegt, desto mehr mäht man ab.“ Der Sieg im Hobby-Wettbewerb ging mit Korbinian Strodl ebenfalls an einen Einheimischen, er benötigte 58,15 Sekunden, um sein Feld zu mähen und war nicht nur enorm schnell, sondern auch einer der „saubersten“ mit nur 7,5 Strafsekunden.

Auch für die Bankkauffrau Alicia Mair, ebenfalls aus Ainring und Mitglied im Thundrofer Verein, eine der wenigen Damen im Turnier, lief es rund. Die 19-Jährige, die Sensenmähen „cooler als Tennis oder Fußball spielen“ findet, mähte das 15-Quadrateterfeld in knapp zwei Minuten und bewies damit auch, dass sich das zweimalige Sensen-Training in der Woche auszahlt.

Peter Eursch zeigte sich nicht nur von der Leistung der jungen Dame beeindruckt, der Beamte aus der Marktgemeinde fieberte am Rand mit allen Akteuren mit und war erstaunt über die gezeigten Darbietungen. „Das ist schon genial, was man mit einer Sense in kurzer Zeit abmähen kann, dafür sind viele Übung und Technik sicher gleichermaßen wichtig“, vermutet er, der sich nicht selbst an den Start getraut hatte, auch wenn er ab und an privat selbst mäht.

Nachdem alle Akteure ihr Bestes gegeben hatten sowie einer Vorführung über „Dengeln und Wetzen“ der Klingen, folgte ein weiterer Höhepunkt dieses Turniers, das weit mehr als nur ein Gaudi-Turnier war, denn auch wenn die amtierende Europameisterin nicht an den Start ging, waren doch einige hochkarätige Mäher im Teilnehmerfeld zu finden. In einem Einzelwettbewerb „Mensch gegen Maschine“, in dem nur die Geschwindigkeit zählte, trat Hansjörg Strodl auf einem fünf mal sieben Meter Feld mit einer 130 Zentimeter langen Profisense gegen einen Motormäher mit einem Mähbalken von 140 Zentimetern an. Die meisten der Zuschauer wetteten auf Strodl, doch am Ende reichte es ihm nicht ganz und so nahmen nur diejenigen an der Tombola teil, die auf die Maschine gesetzt hatten. Und auch wenn diese knapp vorn lag, in Punkto Sauberkeit, so die einhellige Meinung unter den Profis, kann a keine Maschine mit der Handarbeit mithalten. bf

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