50 Meter durch trübes Wasser gekrochen

Ein seltsames Bild bot sich vor wenigen Tagen in Garmisch-Partenkirchen. Zwei dutzend Gestalten waren abends in Neoprenanzügen und bunten Helmen auf der Fürstenstraße unterwegs. Im Dunkeln blitzten ihre Reflexstreifen. Bei der eigenartigen Gruppe handelte es sich um Wasserwachtler des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) auf dem Weg zu einem Übungseinsatz an der Loisach.

Rainer Franke von der Wasserwacht Grainau hatte sich die Trainingseinheit ausgedacht: „Die Aufgabe war es, den unterirdischen Kanal des Überlaufes vom Mühlbach zur Loisach zu durchqueren.“ Das sind etwa 50 Meter, gefüllt mit trübem Wasser und absoluter Dunkelheit. Die Wasserwachtler konnten die Umgebung lediglich mit kleinen Helmlampen ausleuchten, ansonsten mussten sie sich vorsichtig in dem schulterhoch überfluteten Gelände vorantasten. „Das Ziel der Ausbildung ist es, die Rettungskräfte an Extremsituationen heranzuführen. Ihre Ängste vor dunklen Löchern abzubauen und gleichzeitig das Vertrauen in die nebenan laufenden Kameraden zu stärken“, erklärte Franke. Die Übungsszene ist nicht willkürlich gewählt worden, wie Franke betonte: „Bei der Suche nach einem Vermissten waren wir bereits in einer ähnlichen Situation.“ Das Aufgabenspektrum der Wasserwacht habe sich in den vergangenen Jahren massiv gewandelt: „Unsere Helfer versehen nicht mehr nur ihren Dienst in Strand- und Hallenbädern, wie das früher einmal gewesen sein mag. Wir kommen verstärkt in Kooperationen mit den Feuerwehren, dem Landrettungsdienst, der Bergwacht oder der Polizei zum Einsatz. Die BRK-Wasserretter sind hochqualifizierte Fachleute für den Einsatzort Wasser.“ Die Ausbildung der jungen BRK-Retter ist auf zwei Jahre angelegt. Bei den Schulungen stehen nicht nur Rettungsschwimmen und Wiederbelebung auf dem Programm, sondern auch Eisrettungen, Rettungen aus Wildwasserflüssen oder auch aus unwegsamen Kanälen. Franke: „Solch schwierige Einsätze können die Mitglieder der einzelnen Wasserwacht-Ortsgruppen alleine oft nicht bewältigen.“ Deswegen arbeiten immer mehrere Verbände zusammen. Bei der Übung am Mühlbach waren deshalb Wasserretter aus Grainau, Garmisch, Uffing, Seehausen und aus Penzberg mit dabei.

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