Deeskalierend einwirken

Mitarbeiterschulung zur Gewaltprävention am Klinikum Garmisch-Partenkirchen

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Hintere Reihe, stehend: Angelika Baader, Monika Melitzer, Diana Franke, Steffi Eisenach, Christine Steinmetz, Katja Preißner, Sabine Geigl. Vordere Reihe, kniend: Lena Neuner, Jessica Neuner, Melanie Tausch, Andrea Psychogios.

GAP – „Wir möchten mit unserem Training den Mitarbeitern ein Werkzeug an die Hand geben, wie sie mit aggressiven, übergriffigen Patienten umgehen können“, erklärt Monika Haas (52).

Die Fachkrankenschwester in der Notfallpflege und stellvertretende Bereichsleitung ist seit 30 Jahren im Klinikum in Garmisch-Partenkirchen tätig und bietet gemeinsam mit ihrer Kollegin Angelika Baader (56, Fachkrankenschwester für Intensiv- und Anästhesie) eine Deeskalations-Schulung an. „Wenn Patienten gewalttätig reagieren, ist es für unsere Mitarbeiter oft sehr schwer, eine angemessene und schützende Reaktion zu finden“, erläutert Baader die Intention dieses Angebotes für die Belegschaft im Klinikum.

In einzelnen Schulungen wird beispielsweise geübt, wie man mit einem Patienten kommuniziert, der aufgebracht und angreifend agiert. „Damit die Mitarbeiter nicht mehr hilflos solchen Situationen gegenüber stehen“. Um dieses Wissen zu vermitteln, haben die beiden Fachkrankenschwestern eine Ausbildung zur Deeskalations-Trainerin absolviert. Als Mitarbeiterbefragungen einen Anstieg aggressiver Verhaltensweisen von Seiten der Patienten offen legten – diese Entwicklung ist übrigens nicht spezifisch für den Klinik-Bereich, sondern Teil der allgemeinen, gesellschaftlichen Veränderung hin zu mehr Gewalt- und Aggressionsbereitschaft – reagierte das Klinikum vor sieben Jahren und erarbeitete als eine der ersten somatischen Kliniken im Landkreis ein umfangreiches Konzept zur Gewaltprävention. Neben baulich-technischen Veränderungen und der Etablierung eines Meldesystems werden seither im Rahmen eines ganzheitlichen professionellen Deeskalationsmanagements externe Schulungen in Sachen Gewalt-Prävention angeboten.

In verschiedenen Deeskalationsstufen nach dem sog. ProDeMa-Modell lernen die Mitarbeiter, wie sie verbal mit Worten und mit angemessenen Handlungen (hierzu gehören Lösungsgriffe) eine aggressionsgeladene Situation entschärfen können. Dabei wird berücksichtigt, dass jeder Klinikaufenthalt für die Betroffenen eine Belastung bedeutet. Hinter den so genannten Primäremotionen wie Wut, Ärger und aggressivem Verhalten versteckten sich, so Baader, häufig Ängste, Hilflosigkeit, Überforderung und innere Not. „Wenn diese an die Oberfläche gelangen und der Patient sich verstanden fühlt, ist das meiste schon erreicht.“

Es gelte in den Schulungen auch, aggressionsauslösende Reize zu erkennen, sie zu reflektieren und somit zu minimieren. Auch die Wertschätzung der Patienten sei immens wichtig und eine eigene Abgrenzung. „Je weniger man persönlich nimmt, desto besser“, empfiehlt Haas und „wir lernen, Missverständnisse in der Kommunikation und eigene Sichtweisen und Interpretationen zu hinterfragen, denn gerade in Grenzsituationen gibt es oft zu wenig Puffer.“

Mit Video-gestützten Situationstrainings können die Teilnehmer das Erlernte dann praktisch einüben. „Für mich ist dieses Training sehr wichtig, denn hier lerne ich Maßnahmen im Umgang mit meinen kleinen, aggressiven Patienten“, meint die Kinderkrankenschwester Andrea Psychogios. Und ihre Kollegin Jessica Neuner (25) von der Akut-Pädiatrie weiß nun „wie wichtig es ist, richtig und angemessen mit den Patienten zu kommunizieren.“

Ein weiterer wichtiger Bereich der Schulungen ist zudem die kollegiale Nachsorge. Wenn es doch zu belastenden Vorfällen kommt, lernen die Mitarbeiter, ihre betroffenen Kollegen zu unterstützen. Die Schulungen bestehen aus dreitägigen Basisseminaren, zusätzlichen Refreshings und Konfliktschulungen. Schon die Schüler in der eigenen Gesundheits- und Krankenpflegeschule lernen die Deeskalations-Methoden, um sie als spätere Berufsanfänger rechtzeitig für das Thema zu sensibilisieren.

von Barbara Falkenberg

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