Gutachten soll Aufschluss über Verkehrsströme geben – Beuting bringt Ratsbegehren ins Spiel

Fußgängerzone verlängern?

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Soll die Murnauer Fußgängerzone nach Süden in den Untermarkt verlängert werden? Das ist eine heiß diskutierte Frage.

Murnau – Ein Kran im Zen- trum weckt Begehrlichkeiten! Seit vergangenem Sommer ist der durchfließende Autoverkehr in der Schloßbergstraße durch besagten Baukran blockiert. Fahrzeuge, die von der Pfarrstraße kommend in den Murnauer Süden wollen, müssen über die Schwaigangerstraße ausweichen. Demjenigen, der den Untermarkt von Süden her hoch fährt, bleibt nichts anderes übrig, als an der Vereinsbank zu wenden.

Zurück zur genannten Begehrlichkeit: Die nicht repräsentative Diskussion in der Bevölkerung dreht sich darum, den Untermarkt dauerhaft zu einer Verlängerung der bestehenden Fußgängerzone umzuwidmen. Veronica Jones (Bündnis 90/Die Grünen) brachte das Thema kürzlich auf die Tagesordnung des Gemeinderates. Die Fußgängerzone nach Süden verlängern? Gemeinderat Welf Probst (Freie Wähler) startete Umfragen bei den im Untermarkt ansässigen Gewerbetreibenden. Sprachen sich hier im Herbst 2016 noch 89 Prozent für eine Fußgängerzone aus, waren es im Januar nur noch 40 Prozent. Mittlerweile votieren zwei Drittel der Befragten eher für eine verkehrsberuhigte Zone. Bürgermeister Rolf Beuting (ödp/Bürgerforum) rief derweil auf seiner Facebook-Seite zur Diskussion und Abstimmung auf. Befürworter und Gegner einer verlängerten Fußgängerzone halten sich hier in etwa die Waage.

Die von Jones im Gemeinderat angestoßene Diskussion machte das Dilemma deutlich: Es gibt derzeit keine belastbaren Zahlen und Fakten, wie sich eine mögliche Fußgängerzone im Untermarkt auf den gesamten Ortsbereich von Murnau auswirken würde. Andreas Müssig (CSU) gab zu bedenken, dass bei einer Fußgängerzone die Läden im Zentrum nicht mehr mit dem Auto erreichbar wären. Kunden würden ausbleiben. Maria Schägger (Freie Wähler) schlug sich auf die Seite der Senioren und Gehbehinderten, die das Rathaus und die Geschäfte ebenfalls mit dem Auto erreichen müssen – das wäre mit einer Fußgängerzone nicht mehr möglich.

Redner anderer Fraktionen, darunter Michael Manlik (ödp/Bürgerforum), hatten die Anlieger möglicher Ausweichrouten im Sinn: „Wir müssen diese Menschen, auch wenn sie in der Minderheit sind, vor verstärktem Autoverkehr schützen.“ Rainer Oppelt (Mehr Bewegen) ist davon überzeugt, dass mit einer verlängerten Fußgängerzone zusätzliche Parkplätze im Murnauer Süden notwendig werden.

Einstimmig verständigten sich die Räte auf einen Beschlussvorschlag der Marktverwaltung, Jones Antrag und damit die Einrichtung der verlängerten Fußgängerzone solange zurückzustellen, bis es Gutachten darüber gibt, wie sich mit einer Fußgängerzone die Verkehrsströme auf eventuelle Ausweichstraßen entwickeln – beispielsweise in der Schwaigangerstraße und im Ortsteil Weindorf. Diese Untersuchungen sollen, so der Wille der Gemeinderäte, von ausgewiesenen Fachleuten im Rahmen des Gesamtverkehrskonzeptes „Murnau Mobil 2025“ erstellt werden. Das Papier wird in den kommenden Jahren unter Federführung des örtlichen Umwelt- und Mobilitätsreferates ausgearbeitet.

Übrigens: Die Gemeinderäte sprachen sich auch mehrheitlich dagegen aus, die mögliche Fußgängerzone jetzt, solange der Baukran in der Schloßbergstraße steht, auszuprobieren. Da es zu dem Thema weder im Gemeinderat noch in der Bevölkerung eine eindeutige Mehrheit pro oder contra gibt, brachte Bürgermeister Beuting eine Bürgerbeteiligung in Form eines Ratsbegehrens in Spiel, sobald alle Fakten auf dem Tisch liegen: „Das Thema betrifft alle Bürger von Murnau. Daher sollen auch alle Wähler darüber abstimmen können.“ Michael Manlik zeigte sich skeptisch. Er hält das Thema zu komplex für eine einfache Ja-Nein-Fragestellung. Sein Fraktionskollege Holger Poczka gab ihm Recht: „Ein Bürgerentscheid muss von Fachleuten gut vorbereitet werden.“

von Günter Bitala

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