Marktgemeinde Murnau gedenkt des Kriegsendes vor 70 Jahren

Glockengeläut für Frieden und Freiheit

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Blickfang zum 70. Jahrestag des Kriegsendes: Amerikanische Militärjeeps in der Murnauer Fußgängerzone.

Murnau – Bürgermeister Rolf Beuting bringt es auf den Punkt: „Für uns Murnauer begann am 29. April 1945 eine neue Epoche. Aus der anfänglichen Niederlage wurde eine Befreiung. Aus Besatzern wurden Freunde, und auf dem Unrecht der NS-Zeit wuchs in den Jahrzehnten danach ein friedvoller und freiheitlicher Rechtsstaat.“

Diese Worte sind im Sinne der vielen Bürgerinnen und Bürger gewesen, die just am 70. Jahrestag des Einmarsches amerikanischer Militärs vor dem Rathaus der Marktgemeinde zusammengekommen waren, um sich an die damaligen Ereignisse zu erinnern und vor allem auch, um der 163 ge- fallenen Murnauer und der unzähligen Kriegsverwundeten zu gedenken. Eines einte die Menschen an diesem Nachmittag: Das unbeirrte Bekenntnis zu Frieden, Freiheit und Demokratie. Spektakulär begann die Gedenkfeier: Von allen Kirchtürmen läuteten zwei Minuten lang die Friedensglocken, am Rathaus und an der Mariahilfkirche flatterten weiße Fahnen im Frühlingswind. Gleichzeitig bahnte sich ein Konvoi aus vier amerikanischen Militärfahrzeugen durch die Passanten in der Fußgängerzone.

Rolf Beuting in seiner Ansprache: „Für die damaligen Bürger der Gemeinde ging mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen gleichzeitig auch die 12-jährige Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten zu Ende.“ Und ein paar Sätze später sagte er: „Der Schatten der braunen Vergangenheit Murnaus legt sich auch heute immer wieder auf unseren Ort. Einige Bürger fragen, wann ist endlich Schluss mit der Beschäftigung mit der NS-Zeit. Diesen Bürgern möchte ich sagen: Die Macht dieses Schattens lässt sich nicht durch Verdrängung überwinden, sondern nur durch eine umfassende wissenschaftliche Auf- arbeitung der NS-Vergangenheit. Der Gemeinderat hat sich für diese Aufarbeitung entschieden, um für Wahrheit und Klarheit zu sorgen.“

Bewegend anschließend die Schilderung von Alfred Rebholz, der als Elfjähriger den Einmarsch der Amerikaner erlebte: Von Norden kommend sind die Panzer und Jeeps durch den Obermarkt gefahren. Später sind die Soldaten durch alle Häuser gegangen, um Waffen zu suchen und auch um ein paar Radios zu beschlagnahmen.“ Der 81-jährige Rebholz schließt seine Ausführungen: „Angesichts dessen, welches Leid mit dem Abschluss des Zweiten Weltkrieges für Murnau, Deutschland und Europa zu Ende ging, muss es eine Selbstverständlichkeit sein, heute den Flüchtlingen zu helfen, die vor Krieg, Mord und Terror in ihren Heimatländern bei uns Schutz suchen.“

Der evangelische Pfarrer Hans-Peter Schäfer: „Es wäre ein ermutigendes Zeichen, wenn fortan jedes Jahr am 29. April um 15.30 Uhr die Kirchenglocken fünf Minuten lang für den Frieden und die Freiheit läuten. Es wäre schön, wenn sich dafür eine Mehrheit im Gemeinderat und in den kirchlichen Gremien finden würde.“

Von Günter Bitala

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