Murnauer Bürger besuchen "Energie-Mekka" Wildpoldsried

Energiewende gemeinsam anpacken

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Murnauer besuchen den Energievorzeige-Ort Wildpoldsried.

Murnau – Nun gut, es war Samstag und so hatten die meisten Murnauer Lokalpolitiker besseres zu tun, als mit ihren Bürgern nach Wildpoldsried zu fahren; das Wetter war ja auch nicht sooo toll. Zur Erinnerung: Wildpoldsried ist die Gemeinde im Oberallgäu, die seit mehr als 20 Jahren die Energiewende ernst nimmt und mittlerweile siebenmal so viel Strom erzeugt, als die 2 600 Einwohner verbrauchen können.

Der Bus ist trotzdem voll geworden, und die Murnauer hatten sich für ihre – von Volkshochschule, Murnau-miteinander und Umweltreferat organisierten – Exkursion dorthin vorgenommen, sich einmal anzuschauen, wie das funktioniert. Zur Ehrenrettung: Karl Steingruber (Gemeindewerke) und Patrick Fierhauser (Klimamanager) vertraten die Rathausverwaltung. Reiner Oppelt hielt das Fähnchen des Gemeinderates hoch.

Der Vizebürgermeister von Wildpoldsried, Günter Mögele, begrüßte die Oberbayern. Nicht nur Murnauer waren dabei, sondern auch Leute aus Seehausen, Bad Kohlgrub, Riegsee, Eglfing, Huglfing, Oberhausen, Großweil, Raisting, Weilheim und Bernried. Den ersten Aha-Effekt gab es gleich am schmucken Dorfplatz: Die Gemeinde Wildpoldsried hat dort nämlich einen lange leerstehenden Gasthof für 12,5 Millionen Euro umgebaut und erweitert. Angela Braun (Murnau miteinander): „Die haben in dem Wirtshaus ein ökologisches Bildungszentrum eingerichtet, einen Kulturtreff und einen Veranstaltungssaal. Die Gemeinde betreibt darin auch ein Hotel mit 50 Zimmern, für die vielen Energie-Interessenten, die laufend hierher kommen.“ Richtig: Wildpoldsried ist Energie-Mekka für Besucher aus Afrika, China, USA und allen Ecken Europas.

Die Gemeinde setzt auf ökologischen Energiemix aus Biomasse, Wasserkraft, Windkraft, Photovoltaik und heimischen Rohstoffen. Natürlich waren 1996 als im Dorf die Energiewende begann, nicht gleich alle Bürger begeistert mit an Bord. Aber sämtliche Gemeinderäte zogen auf der gleichen Seite des Strangs, und überzeugten allmählich die Leute. Da half natürlich, dass seinerzeit mit der eigenen Stromerzeugung nach dem „Erneuerbare Energiegesetz“ viel Geld zu verdienen war – das geht ja seit 2016 nicht mehr. Aber – Ingrid Geiersberger (Murnau miteinander) ist begeistert: „Die 2 600 Einwohner von Wildpoldsried und das ortsansässige Gewerbe haben während der vergangenen 20 Jahre zusammen 40 Millionen Euro in ihre private Energiewende investiert. Selbst die Windräder sind alleine über eine Bürgerbeteiligung finanziert worden.“ Dazu kommen noch die Investitionen der Gemeinde; beispielsweise in ein modernes, regeneratives Heizsystem an das alle kommunalen Gebäude und auch die meisten Privathäuser angeschlossen sind.

Soviel Innovation von Seiten der Bevölkerung beflügelt Wildpoldsried als Standort der mittelständischen Industrie. Wirtschaftsförderer aufgepasst! So hat sich dort in der Provinz einer der Weltmarktführer in der Batterietechnik angesiedelt. Und, Siemens kooperiert mit der Gemeinde, der Hochschule Kempten und der Technischen Hochschule Aachen bei der Entwicklung einer sogenannten Smart-Grid-Infrastruktur. Smart-Grid für Anfänger? Das sind kleine Geräte, die Energie-Erzeuger und Energie-Verbraucher intelligent vernetzen und so den Stromverbrauch effektiv steuern. Das funktioniert im privaten Haushalt ebenso, wie auf eine ganze Gemeinde hochgezogen.

„Beglückt“, wie es Ingrid Geiersberger ausdrückt, ist die Gruppe abends wieder nach Murnau gefahren. Allerdings mit der Erkenntnis, dass man in der Marktgemeinde, will man die Energiewende wirklich schaffen, noch viel Arbeit leisten muss. Aber das klappt, wenn man es gemeinsam anpackt.

von Günter Bitala

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