Mechanisches Blechspielzeug im Museum Aschenbrenner

Vögelchen und Seiltänzerinnen

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Mit leuchtenden Augen bei der Ausstellungseröffnung, v. li: Vizebürgermeister Wolfgang Bauer, Spielzeugsammler Karl Bürger, Museumsleiterin Karin Teufl und Vizelandrat Dr. Michael Rapp.

GAP – Es sind ja nur Manschgerl aus bunt bemaltem oder bedrucktem Weißblech – könnte man jetzt blaffen, angesichts der aktuellen Sonderausstellung im Museum Aschenbrenner. Weit gefehlt, denn wer näher hinschaut und sich Zeit nimmt, erkennt, welche Schätzchen da in den Vitrinen schlummern:

Mechanisches Blechspielzeug, Figuren aus den Jahrzehnten zwischen 1870 und 1950. Der Münchener Karl Bürger hat die Stücke zusammengetragen, und stellt sie bis zum Montag, 2. April 2018, dem Museum in der Loisachstraße zur Verfügung. Übrigens, es handelt sich um die größte Sammlung von Blechspielzeug in Europa, in Garmisch-Partenkirchen wird aus Platzgründen nur ein Bruchteil davon gezeigt.

Am ersten Ausstellungstag waren Vizelandrat Dr. Michael Rapp und Vizebürgermeister Wolfgang Bauer in den ersten Stock des Museum gekommen. Mit leuchtenden Augen schlendern sie durch die Reihen und lassen in ihrer Fantasie eine grazile Artistin auf dem Seil tanzen, einen blechernen Ballon in die Lüfte steigen, Vögel zwitschern, Roller- und Rikschafahrer rumkurfen. Museumsleiterin Karin Teufl: „Jede einzelne der Figuren ‚kann‘ irgend etwas. Ihre Innenleben sind. mit komplizierter Mechanik ausgestattet. Um die ausgefeilte Technik zu konstruieren, die ja vor allem spielende und oft nicht zimperlich zupackende Kinderhände aushalten musste, beschäftigten die Spielzeug-Produzenten bestens ausgebildete Ingenieure und Designer; diese entwickelten winzige Schwungräder und Federwerke. Ihre filigrane Arbeit glich derer von Uhrmachern. Die Bewegungen der Figuren sollten möglichst nahe an der Realität sein. Es entstanden mechanische Wunderwerke, die Kinder- und Erwachsenenherzen höher schlagen ließen.“ Weil nun im Museum nicht alle Blechpüppchen herumspringen können, filmte Karl Bürger ein paar eindrucksvolle Beispiele; das Video ist in der Ausstellung zu sehen.

Die deutschen Firmen – Siegfried Günthermann (Nürnberg), Ernst Paul Lehmann (Brandenburg), Adolf Ring (Nürnberg) – waren vor dem ersten Weltkrieg Weltmarktführer in Sachen Blechspielzeug. 70 Prozent der Produktion ging in den Export. Das waren Verkaufsschlager: Jedes der Cowboys, Musikanten, Zirkusclowns, Feuerwehrmänner und Marienkäfer wurden mit einer Auflage von mindestens 10 000 Exemplaren hergestellt; manche schafften sogar die Zweimillionen-Marke. Für die US-amerikanische Filmindustrie wurden in den 1920er-Jahre Sonderserien der Comic-Helden ‚Mickey Mouse‘, ‚Fritz the cat‘, ‚Barney Google‘, ‚Donald Duck‘ angefertigt.

Heute sind Blechspielzeuge preislich hoch gehandelte Sammlerstücke. Karl Bürger erzählt: „Früher konnte man auf fast jedem Flohmarkt für kleines Geld fündig werden. Man musste nur so gegen fünf Uhr in der Frühe auf dem Platz sein, und zum Leidwesen der Händler Kisten und Schachteln durchstöbern.“ Gute Quellen in den 1970er und 1980er-jahren waren Spielwaren-Fachgeschäfte, die ihr Sortiment auf Plastikspielzeug umstellten: „Auf deren Speichern und Kellern konnte man reichlich blecherne Ladenhüter finden; die wollte keiner mehr kaufen.“ Dann begann das große Ebay-Zeitalter: „Man konnte stundenlang das Internet durchforsten, und reiche Beute machen. Das ist heute schwierig geworden, denn erstens ist der freie Markt fast leergekauft, und zweitens kann man sich nicht mehr sicher sein, dass man ein Originalstücke ergattert oder für teueres Geld eine asiatische Fälschung bekommt.“ Ernsthafte Sammler sind heute fast ausschließlich in den, auf Spielzeug spezialisierten Auktionshäuser unterwegs.

Die Ausstellung im Museum Aschenbrenner wird umrahmt von einem interessanten Begleitprogramm. Es gibt eine Reihe von Führungen für Erwachsen und in der Museumspädagogik auch für Kinder. Karl Bürger wird selber nach Garmisch-Partenkirchen kommen – zur Blechspielzeug-Sprechstunde; dabei kann man sein eigenes Schätzchen begutachten und bewerten lassen. Alle Termine und Informationen: www.museum-aschenbrenner.de, Tel. 08821/7303105.

von Günter Bitala

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