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Musikfreunde aufgepasst: Zehn Levi-Liedern sind jetzt auf CD eingespielt

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Von: Margot Schäfer

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Hermann Levi
Hermann Levi. © Archiv

GAP – Was für berührende Lieder von Hermann Levi (1839 – 1900)! Wie viele wären noch entstanden, hätte er nicht auf den Rat seines Freundes Johannes Brahms (1833 – 1897) gehört, der ihm nach harscher Kritik nahelegte, das Komponieren zu lassen. Wenigstens zehn seiner Lieder sind jetzt auf CD eingespielt.

Bassbariton René Perler aus Strasbourg und der englisch-schweizerische Pianist Edward Rushton haben sie in der Bayreuther Villa Wahnfried am originalen Steinway-Flügel Richard Wagners von 1876 interpretiert. Auf dem Instrument mit dem schönen warmen Klang hatte er ebenso wie Wagner selbst, Franz Liszt oder Arthur Rubinstein konzertiert. Auf dem ‚grünen Hügel‘ der Stadt war Levi als Dirigent der Uraufführung von Richard Wagners „Parsifal“ gefeiert worden. Trotzdem war er bereits zu Lebzeiten antisemitischer Propaganda und Anfeindungen ausgesetzt. Bewundernswert, dass es ihm gelang, stets die Musik über alles zu stellen. Später wurde er diffamiert und totgeschwiegen. Jetzt gibt es für Levi eine Erinnerungskultur und auch ein Comeback als Lied-Komponist. Seit Jahren beschäftigen sich neben bekannten Musikwissenschaftler auch Perler und Rushton mit seinem Oevre. Eine Auswahl an Liedern stellten sie bereits im Kloster Ettal, in Bayreuth und im Richard-Strauss-Institut Garmisch-Partenkirchen vor. Hier, in der Marktgemeinde, seinem letzten Wohnort, wo er zur Ruhe kommen, gesund werden wollte und viel zu früh verstarb, gab es mit dem Gedächtniskonzert unter der Leitung von Kirill Petrenko 2021, einer Sonderausstellung, Symposium und eben dem Liederabend Bemühungen zur Wiedergutmachung.

Eine würdige Grabstätte hat der Partenkirchner Ehrenbürger Levi inzwischen auf dem Riedberg erhalten. Bronzetafel und der bereits konzipierte Gedächtnisweg mit Infotafeln lassen zwar – auch durch Pandemie bedingte Verzögerungen – noch auf sich warten, aber die beauftragte Künstlerin Franka Kaßner arbeitet daran. „Der letzte Gruß“ in Anlehnung an das gleichnamige Lied des Komponisten hat sie die Grabstätte benannt. „Der letzte Gruß“ ist auch der Titel der erschienenen CD. Auf dem Cover ist ein Hirtenknabe-Gemälde von Franz von Lenbach, der Levi auch porträtierte, zu sehen. Im Begleitheft ist neben den Liedtexten Wichtiges über Levi im Kontext seiner Zeit auch in Englisch und Französisch zu lesen, gibt es Faksimiles und historische Bilder zu betrachten. Es lohnt sich, das Heft in die Hand zu nehmen, dabei Perlers Gesang, seiner Stimme, die mit warmen, dunklem Timbre besonders in der Tiefe gefällt, und seinem Pianisten, der ihn wunderbar einbettet begleitet, zu lauschen.

Die gradlinig angegangenen Töne, oft im schönen Pianissimo, bringen die Vertonungen nach Gedichten von Heinrich Heine, Joseph von Eichendorff oder Adolf Böttger nahe, machen Lyrik hörbar. Nach den ersten Passagen glaubt man, Robert Schumann (1810 – 1856) zu erkennen, und doch ist es die Handschrift Levis, die die Komposition ausmacht. Besonders die drei später entstandenen und erst kurz vor seinem Tode herausgegebenen Lieder nach Gedichten von Johann Wolfgang von Goethe bleiben im Ohr. Ergänzt ist die CD mit Liedern von Schumann, Brahms, Heinrich von Herzogenberg (1843 – 1900) und Heinrich Duparc (1848 – 1933), die im Bezug zu Levi stehen. Interessant für Musikfreunde auch das zweimal gesungene Goethe-Lied „Dämmerung senkte sich von oben“. Einmal in der Vertonung von Levi, dann von Brahms, der sich nachweislich der Komposition des Freundes bedient hatte. Wie gut, dass Levi, nachdem Brahms die Freundschaft aufgekündigt hatte, nicht völlig das Komponieren aufgab, und wie schade, dass es nicht mehr Lieder geworden sind.

PROSP0018, 0630835523865, CD Digibook mit 44 Seiten Booklet sm

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