Enttäuschung in Mittenwald

Grabungen eines Dokumentarfilmers in Mittenwald verliefen im Sand

+
Rummel um Nichts: Sogar ein Kamera-Team wollte wissen, ob die Ausgrabungen Nazigold zu Tage fördern. Dieses blieb jedoch aus.

Mittenwald – Es war ein grauer Herbsttag für den Dokumentarfilmer und Allroundkünstler Leon Giesen aus Utrecht vor kurzem, denn das Nazigold, nach dem er in Mittenwald suchte, hat sich als bloße Legende erwiesen.

Nach fünf Stunden Baggerbohrungen der Firma Kilian Willibald am nördlichen Ortsende, der Wörnerstraße, blieb nur ein ausgeschaufelter Erdrest übrig, aber keine Goldbarren oder Diamanten. Hinter einem aufgebauten Bauzaun, mit Planen abgedeckt, arbeitete der Bagger mit einem Geologen, einem Kamera- und PR-Team und dem Initiator Leon Giesen, um dort nach dessen Recherchen den legendären Nazi­schatz zu finden. Hier, wo Ende des Zweiten Weltkrieges die Gleise der Kasernen hinführten, sollten nach „wunderbaren” Überlieferungen die Kisten vergraben sein. Es gab aber nur ein tiefes Loch von fast vier Metern, lehmige Erde, Draht, Eisenresten und viele Steinen. Man könnte jetzt sagen „Viel Lärm um Nichts”, doch der 51-jährige unerschütterliche Schatzsucher sagte: „Schade, ich hatte so gehofft, hier etwas zu finden, vielleicht einen Motorblock oder irgendetwas Greifbares. Das macht nichts, ich habe es so gewollt, und außerdem ist das eine spannende Geschichte, aus der ich etwas machen kann.” Natürlich hat diese Schatzsuche einen realen Anfang. Leon Giesen gelangte auf Umwegen in den Besitz eines Notenblattes von einem „Marsch Impromptu” eines Gottfried Federlein. Der Legende nach soll Hitlers Privatsekretär Martin Bormann am Kriegsende dieses Notenblatt mit Zahlen, Texten und Zeichen verändert haben, die angeblich „Mittenwald” und „Geigenbau” als Schlagworte eines eventuellen Fundortes ergeben. Giesen fand in Utrecht 850 Gleichdenkende, die sein Abenteuer mit je 50 Euro finanzierten. Ein Vorsprechen beim Markt Mittenwald verlief einigermaßen erfolgreich, und die Bohrungen wurden genehmigt, allerdings ohne Publikumsrummel. Die Bohrlöcher im Asphalt wurden aber ohne Erfolg wieder geschlossen und auch das dritte, das umfangreichste, blieb, wie sich jetzt herausstellte, erfolglos. Für Ordnungsamtschef Hermann Baier war dieses Unternehmen von Anfang an eine „überflüssige Farce”. Nur bei Amtsleiter Karlheinz Schütz stand das Telefon mit Anfragen nicht mehr still. Doch Leon Giesen gibt nicht auf. Er bastelte seinen eigenen Schatz, indem er auf fünf Metalltafeln die Namen seiner Geldspender verewigte und sie still und ohne Publikum in die Grube warf. Sein Dank an die Geschichte und seine vergeblichen Bemühungen.   weh

Meistgelesen

Überragende Saison für Laura Dahlmeier
Überragende Saison für Laura Dahlmeier
Anstieg der Straftaten
Anstieg der Straftaten
Polizist angegriffen
Polizist angegriffen
Ausbildungskompass für die Region
Ausbildungskompass für die Region

Kommentare