In Farchant hob der BBV Bezirksverband die Bedeutung des landwirtschaftlichen Nebenerwerbs hervor

Bekenntnis zu Nebenerwerbslandwirten

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Machen sich in der Region für eine Entlastung der Nebenerwerbslandwirte stark (v.l.): Landrat Anton Speer, BBV-Obmann Nikolaus Onnich, Bezirksbäuerin Christine Singer, Betriebsleiterin Lisa Krötz, Betriebsleiter Josef Krötz und Farchants Bürgermeister Martin Wohlketzetter.

Farchant – Knapp die Hälfte der Bauernfamilien in Oberbayern wirtschaftet im Nebenerwerb. „Das bringt Baustellen mit sich, die die Politik endlich kräftig anpacken muss“, fordert der Sprecher der Nebenerwerbslandwirte des BBV-Bezirksverbandes Oberbayern, Johann Hacklinger, bei einem Gespräch auf dem Nebenerwerbsbetrieb der Familie Krötz in Farchant. Gerade die Nebenerwerbsbetriebe seien ein wichtiger Aktivposten im ländlichen Raum – darin war man sich bei dem Treffen einig.

Bei der künftigen Agrarpolitik dürfen Nebenerwerbslandwirte und Be- triebe mit Einkommenskombinationen deshalb nicht von der Förderung ausgeschlossen oder mit bürokratischen Nachweispflichten überflutet werden, unterstreicht auch BBV-Präsident Kreitmair. Insbesondere von der EU-Agrarpolitik sei hier Verlässlichkeit notwendig, denn die Nebenerwerbslandwirte brauchen für ihre langfristig angelegten betrieblichen Investitionen entsprechende Planungssicherheit. 

Künftig aber sollen nur noch „aktive Landwirte“ Geld aus dem EU-Topf erhalten. „Das klingt im ersten Moment einleuchtend, kann aber für Landwirte im Nebenerwerb oder mit Einkommenskombinationen schnell zur Falle werden“, befürchtet Johann Hacklinger. „Nach den bisherigen Plänen kann unseren Nebenerwerbslandwirten drohen, umfangreiche Einkommensnachweise vorlegen zu müssen und wegen außerlandwirtschaftlichen Einkommen sogar komplett von den Zahlungen der EU ausgeschlossen zu werden. Die Politik sollte für Landwirte, die sich mehrere Standbeine geschaffen haben, ein positives Klima schaffen, statt sie zusätzlich zu belasten“, sagt der Farchanter Nebenerwerbslandwirt Krötz. „Entscheidend darf deshalb einzig und allein die Landbewirtschaftung sein!“ Alle Forderungen für die Nebenerwerbsbetriebe werden vom BBV-Fachausschuss für Nebenerwerbslandwirtschaft und Einkommenskombination für Bayern zusammengefasst und an die Politik von München bis Brüssel weitergegeben. Auch der längst überfällige Bürokratie-Abbau sollte endlich auf allen politischen Ebenen angepackt werden, wurde in Farchant gefordert.

Den Nebenerwerb stärken

Bei einem Termin in Farchant stellte der Sprecher der Nebenerwerbslandwirte des BBV-Bezirks Oberbayern, Johann Hacklinger, die Rolle der landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetriebe heraus. „Ohne die Arbeit unserer Nebenerwerbsbetriebe wäre diese schöne Urlaubslandschaft wie hier beispielhaft im Zugspitzland, undenkbar.“ Sie erzielen Wertschöpfung für ihre Familien und sind Aktivposten für die Wirtschaft im ländlichen Raum. Die Politik sei gefordert, beim Ausgestalten der agrarpolitischen Rahmenbedingungen auch die Belange der Nebenerwerbsbetriebe zu berücksichtigen. 

Die Nebenerwerbslandwirte sind vielseitige und innovative Unternehmer und schaffen Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze im ländlichen Raum, betonte der BBV-Sprecher. Auch der BBV-Präsident des Bezirksverbandes Oberbayern, Anton Kreitmair (MdL) zeigte sich überzeugt, dass der Nebenerwerb eine moderne Arbeitsform mit Zukunft sei und hier den Frauen auf den Betrieben eine ganz besondere Bedeutung zukommt. Dies gibt das Beispiel der Familie Krötz wieder, bei der Lisa Krötz zahlreiche Aufgaben im landwirtschaftlichen Betrieb übernommen hat. Die hervorragende Familienzusammenarbeit ist die Erfolgsgrundlage der Familie, die 16 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche mit 9 Kühen und weiteren 9 Rindern bewirtschaftet. Jeden Morgen und jeden Abend gehen der Betriebsleiter und seine Frau gemeinsam in den Stall. Tagsüber, wenn Josef Krötz seiner Berufstätigkeit nachgeht, ist Lisa Krötz alleine für den Betrieb verantwortlich. „Für Arbeitsspitzen, wie Heuernte, Silieren oder auch wenn eine Kuh kalbt, nehme ich mir in der Arbeit Urlaub“, berichtet Josef Krötz. „Unser Betrieb ist mein Arbeitsplatz, und ich schätze das Zusammenleben und Zusammen- arbeiten mit der Familie sehr“, ergänzt die leidenschaftliche Bäuerin Lisa Krötz. 

Künftig aber sollen nur noch „aktive Landwirte“ Geld aus dem EU-Topf erhalten. „Das klingt im ersten Moment einleuchtend, kann aber für Landwirte im Nebenerwerb oder mit Einkommenskombinationen schnell zur Falle werden“, sagt Johann Hacklinger. Nach den bisherigen Plänen kann den Nebenerwerbslandwirten drohen, umfangreiche Einkommensnachweise vorlegen zu müssen und wegen außerlandwirtschaftlichen Einkommen sogar komplett von den Zahlun- gen der EU ausgeschlossen zu werden. „Die Vielfalt der Produktionsrichtungen und Betriebsformen zeichnet die bayerische Land- und Forstwirtschaft aus und prägt alle Teile Oberbayerns“, stellt Kreitmair fest. Ein gutes Miteinander zwischen Haupt- und Nebenerwerb sei wichtig für den gesamten bäuerlichen Berufsstand. Die Mehrheit der bayerischen Bauernhöfe (52 %) wird im Nebenerwerb bewirtschaftet. Oberbayern liegt mit einem Anteil von 43 % Nebenerwerbsbetrieben etwas unter dem bayerischen Durchschnitt, in einzelnen Teilen Oberbayerns aber sind es annähernd 60 % Nebenerwerbsbetriebe. Alle Forderungen für die Nebenerwerbsbetriebe werden vom BBV-Fachausschuss für Nebenerwerbslandwirtschaft und Einkommenskombination für Bayern zusammengefasst und an die Politik von München bis Brüssel weitergegeben. Vor allem müsse auch der längst überfällige Bürokratie-Abbau auf allen politischen Ebenen angepackt werden, forderte Hacklinger. Für Nebenerwerbsland- wirte, die oft noch einen anderen Beruf ausüben, sei die Fülle an Auflagen bereits jetzt kaum mehr zu überblicken. Die immer höher werdenden Standards und Auflagen führten zu Mehrkosten, was viele Nebenerwerbslandwirte nicht selten zur Aufgabe zwinge, so der BBV-Sprecher der Nebenerwerbslandwirte. „Unsere Nebenerwerbslandwirte brauchen dringend spürbare Entlastungen über praxisgerechte Kleinerzeuger-Regelungen sowie Toleranz und Bagatellgrenzen“, forderte Johann Hacklinger.

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