Modulbauweise soll den ganzen Platz offen gestalten und den Kurpark einbinden

Neuer Ansatz für das Kongresshaus in Garmisch-Partenkirchen

Vision für das Kongresshaus
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Neue Vision für das Kongresshaus und den Richard-Strauss-Platz.

GAP – Multifunktionalität, Nachhaltigkeit, Qualitätsansprüche an Architektur sowie Barrierefreiheit auch bei Kommunikationsmitteln, Technik und Akustik – alles Merkmale, die für ein in diesen Zeiten florierendes Kongressgeschäft von Nöten sind. Dem deutlich in die Jahre gekommenen Kongresshaus in Garmisch-Partenkirchen mangelt es an diesen Voraussetzungen, und bisher ist es hier noch zu keiner Lösung gekommen. Die Marktgemeinde widmet sich deshalb erneut dem Dauer- und Streitthema. Dieses Mal mit den Bürgern im Boot.

„Was braucht dieser Ort?“, ist laut Franz Grasegger, Mitglied des Wirtschaftsbeirats, der Ansatz, den man für die Zukunft des Kongresshauses wählen sollte. Garmisch-Partenkirchen als Begegnungsstätte in den Alpen muss ein zeitgemäßes Kongresshaus besitzen, um weiterhin im Kongressgeschäft und Tourismus, so wie in der Vergangenheit, mitmischen zu können. Eine Sanierung des aktuellen Gebäudekomplexes wäre zwar unwirtschaftlich, dennoch halten viele Bürgerinnen- und Bürger aufgrund des emotionalen Bezuges daran fest. Das hatte der Bürgerentscheid 2019 ergeben. Die Chancen, damit (Neu-)Kunden für sich zu gewinnen, ständen aber, wie Experten sagen, immer noch schlecht. „Wir brauchen eine Entscheidung für die Zukunft“, drängt Michael Gerber, Geschäftsführer von GaPa Tourismus. Dies ist unter wirtschaftlichen und wettbewerblichen Gesichtspunkten wichtig. Um in der Sache voranzukommen, hatte der Aufsichtsrat der GaPa Tourismus GmbH in seiner Sitzung im Oktober 2020 dem Vorgehen der Geschäftsführung der GaPa Tourismus GmbH zugestimmt, die Erstellung eines Standortentwicklungskonzepts zu beauftragen.

Konzeptvorschlag

Wenn sich der Zustand des Gebäudekomplexes weiterhin nicht verändert, dann sind, so prognostiziert der Projektentwickler Hinterschwepfinger, „in drei bis fünf Jahren alle Kunden weg.“ Um dies zu vermeiden, wurde die Hinterschwepfinger Projekt GmbH von GaPa Tourismus mit einer Standort-Entwicklungsplanung, die bereits vorliegt, beauftragt. Diese soll dem Gemeinderat als Entscheidungsgrundlage dienen. Der Projektentwickler ist in der Marktgemeinde kein Unbekannter, denn er ist beispielsweise für den neuen BZB-Bahnhof verantwortlich. In seinem Konzeptvorschlag für das Kongresshaus versucht er, Tradition und Zukunft zu vereinen. Erhalten bleiben sollen demnach das Gebäude mit dem Olympiasaal, das Kleine Theater mit dem Pavillon sowie die Konzertmuschel. Diese Teile des bestehenden Kongresshauses sollen saniert werden. Der mehrteilige Neubau soll stufenweise auf dem jetzigen Parkplatzgelände vorgenommen werden. Unter dem gesamten Areal soll zudem eine Tiefgarage mit ca. 300 Stellplätzen entstehen. Hervorzuheben ist, dass der Kurpark fließend in die Fußgängerzone übergehen soll. Dadurch würde der Park viel einladender wirken und die derzeit noch vorherrschende Isolation durch die hohen Fassaden des alten Kongresshauses, würde gebrochen werden. Der Vorschlag von Hinterschwepfinger beinhaltet die Beibehaltung der grundlegenden traditionellen Merkmale des altehrwürdigen Kongresshauses, welche durch Neubauten ergänzt werden. So ist eine Weiternutzung sowie Aufwertung des Altbestandes möglich. Außerdem soll die Grundfläche nach Teilsanierung und Neugestaltung nur noch ca. 60 Prozent der zuvorigen 12.500 Quadratmeter betragen. Die Unterhaltskosten wären somit enorm gesenkt.

Bedeutung für Ort und Bürger

2019 scheiterte das Neubau-Konzept am Richard-Strauss-Platz nach einer hitzigen Debatte schon einmal. Zum Zeitpunkt des Bürgerentscheids war eine Teilsanierung mit einem Neubau auf der Ostseite an das bestehende Kongresshaus geplant. In einem Bürgerentscheid wurde dem Vorhaben eine Absage verpasst. „Die Leute müssen mitreden dürfen“, findet Bürgermeisterin Elisabeth Koch. Deshalb sollen die Bürger dieses Mal von Anfang an mit ins Boot geholt werden. Zum einen durch die Durchführung von Workshops mit Informationen und Dialog. Zum anderen beabsichtigt die GaPa Tourismus GmbH eine Umfrage in der Bevölkerung durchzuführen, um die Bedeutung des Tourismus für die Bürger zu erfahren. Es ist ein ergebnisoffener Prozess, an dessen Ende ein Ratsbegehren als erneute Abstimmung stehen soll. Als Termin ist der 26. September im Gespräch, an dem die Bundestagswahl stattfindet. Die Standortqualität des Marktes ist für das Kongressgeschäft, durch die einmalige Kulisse, hervorragend. Auch Bürgermeisterin Elisabeth Koch, zugleich Aufsichtsratsvorsitzende von GaPa-Tourismus, sieht für Garmisch-Partenkirchen eine „riesengroßen Chance“, sollte es zu der Neubau-Lösung kommen.

Schon jetzt gibt es viel Gegenwind

Schon jetzt hagelt es Kritik zu den vorgestellten Plänen. Bemängelt wird vor allem, dass der Markt seine Prioritäten anders setzen sollte. Viele stehen immer noch hinter dem Bürgerentscheid von 2019 und lehnen den neuen Ansatz strikt ab. Die Leute halten am Charme des veralteten Gebäudekomplexes fest. Jeder sollte sich sein eigenes Bild davon machen können, wie die Pläne im Detail aussehen und in welchen Schritten weiter vorgegangen werden soll. Dazu findet man auf dem YouTube Kanal der GaPa Tourismus GmbH die Präsentation der Standortentwicklungsplanung „Arbeiten und Leben GaPa 2030“, so wie sie am 21. Januar auch in der Marktgemeindesitzung gezeigt wurde. fzi

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