»Vergessenen Kindern eine Stimme geben«

Neues Kinderleicht-Team in Garmisch-Partenkirchen

Kinderleicht-Team
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Das neue Kinderleicht-Team: Susanne Heufelder (Dipl. Psychologin) und Antonie Vogg (Sozialpädagogin B.A.).

Landkreis – Unter diesem Motto unterstützt das Caritas Angebot Kinderleicht die jährliche internationale Aktionswoche für Kinder aus suchtkranken Familien. Denn die Lage während der Corona Pandemie in suchtbelasteten Familien spitzt sich zu - Hilfe für Kinder von sucht- und psychisch kranken Eltern ist nun wichtiger denn je!

Suchterkrankung und andere psychische Erkrankungen sind keine seltenen Phänomene und wirken sich meist auch auf das soziale Umfeld der Betroffenen aus. Besonders wenn minderjährige Kinder und Jugendliche im gleichen Haushalt leben, beeinflussen Erkrankung und Verhalten der Eltern diese unmittelbar. In Deutschland leben etwa drei Millionen Kinder mit suchtkranken Vätern oder Müttern zusammen und mehrere Millionen Kinder mit psychisch kranken Eltern. Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen sind Schätzungen zu Folge ca. 3500 Kinder von einer elterlichen Suchterkrankung und ca. 4000 Kinder von einer elterlichen psychischen Erkrankung betroffen. Für sie stellten und stellen die Lockdowns und Kontaktbeschränkungen der vergangenen Monate eine besondere Belastung dar. Der Stress in den Familien stieg und damit oft auch das Suchtverhalten oder die Symptomatik der erkrankten Eltern. Bereits zu Beginn des fast weltweiten Lockdowns warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor erhöhtem Alkoholkonsum, der in der sozialen Isolation drohen könnte. Der Konsum von Alkohol ist in Zeiten persönlicher, aber auch gesellschaftlicher Krisen ein bei vielen Menschen gelernter Bewältigungsmechanismus, da er zunächst Ängste und Sorgen abmildern, entspannen und beruhigen kann. Gleichzeitig entfallen durch fehlende soziale Aufgaben und Kontrollen, Gründe nicht zu trinken.

Diese naheliegende Befürchtung der WHO konnte nun durch eine Befragung des ZI Mannheims und der Universitätsklinik Nürnberg belegt werden. Im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Georgiadou, E. et al.: „Alkohol und Rauchen: Die COVID-19-Pandemie als idealer Nährboden für Süchte“ die Studie dazu. Gleichzeitig verstärkte die Schließung von Bildungs- und Freizeiteinrichtungen die Isolation der betroffenen Kinder und Jugendlichen. Die internationale Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien lenkt, wie jedes Jahr, die Aufmerksamkeit von Öffentlichkeit und Medien auf die ca. 3 Millionen Kinder, die in Deutschland unter den Suchtproblemen ihrer Eltern leiden. Denn gerade jetzt laufen die ohnehin sogenannten „Vergessenen Kinder“ Gefahr unterzugehen. Deshalb ist es wichtiger denn je auf die Situation der Kinder aufmerksam zu machen, die Öffentlichkeit und Fachkräfte für die Thematik zu sensibilisieren und vor allen Dingen die Kinder vor Ort zu unterstützen.

Diese wichtigen Aufgaben übernimmt seit 2009 das Caritas Angebot Kinderleicht, ein Präventivprojekt für Kinder und Jugendliche von sucht- und psychisch kranken Eltern. Das neue Kinderleicht-Team: Susanne Heufelder (Dipl. Psychologin) und Antonie Vogg (Sozialpädagogin B.A.) unterstützen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen Kinder von sucht- und psychisch kranken Eltern. Die Corona Pandemie stellt auch für das Kinderleicht-Team eine große Herausforderung dar, denn die betroffenen Kinder - die nachweislich stärker gefährdet sind selbst sucht- oder psychisch krank zu werden – müssen weiter erreicht und unterstützt werden.

Seit Herbst werden viele Beratungen Online durchgeführt, auch eine Online-Weihnachtsfeier wurde veranstaltet und von den Kindern und Eltern sehr gut angenommen. Verstärkt durch die neue Kollegin Antonie Vogg (Sozialpädagogin B.A.) geht das Kinderleicht-Team 2021 neue Wege, um möglichst viele Kinder gut zu erreichen. Denn oft sind betroffene Kinder widerstandsfähig und haben vielfältige Begabungen und Kompetenzen. Mit der richtigen Art von Unterstützung können sie sich zu gesunden, selbstbewussten Erwachsenen entwickeln. Wenn Sie mehr Fragen zum Angebot Kinderleicht haben, melden Sie sich gerne unter: Caritas-Zentrum Garmisch-Partenkirchen Fachambulanz; Dompfaffstr. 1, 82467 Garmisch-Partenkirchen; Telefon: 08821/9434830; E-Mail: fachambulanz-gap@caritasmuenchen.de kb

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