Neuner ist zehnfache Weltmeisterin – Wallgauerin wird erfolgreichste WM-Biathletin – Miriam Gössner holt erstes WM-Gold

Erfolgsduo: Magdalena Neuner (li.) und Miriam Gössner holten zusammen WM-Gold in der Staffel. Foto: Sehr

Auch in den letzten beiden Wettbewerben der Weltmeisterschaft war Magdalena Neuner nicht zu schlagen. Sie holte im Massenstart und in der Staffel zusammen mit der Garmischerin Miriam Gössner, Andrea Henkel und Tina Bachmann ihre WM-Titel Nummer neun und zehn.

Nach dem Sieg im Massenstartrennen meinte die Wallgauerin: „Man merkt, dass das Ende der Saison naht. Es tut alles weh. Aber bei den anderen scheinbar noch ein bissl mehr.“ Nach Gold im Sprint sowie Silber in der Verfolgung und mit der Mixedstaffel gewann sie auch über 12,5 Kilometer bei den Weltmeisterschaften. In den beiden Liegendschießen zum Auftakt des Wettbewerbs traf Neuner neun von zehn Scheiben und lag damit zur Hälfte des Rennens in Führung. Als sie erstmals zum stehenden Anschlag an den Schießstand kam, handelte sie sich mit zwei Strafrunden einen Rückstand von 35 Sekunden ein, schloss aber wieder zur Spitze auf. Doch beim abschließenden Stehendschießen verfehlte sie erneut eine Scheibe. Damit ließ sie so viele Scheiben stehen wie keine andere Läuferin unter den ersten Zehn. Doch in der Loipe war „Gold-Lena“ wieder einmal eine Klasse für sich und sicherte sich mit der besten Laufzeit des gesamten Feldes Rang eins. Auf der Schlussrunde lieferte sich die 24-Jährige einen spannenden Dreikampf mit Darja Domratschewa und Tora Berger, doch obwohl die Weißrussin und die Norwegerin jeweils eine Strafrunde weniger auf dem Konto hatten, mussten sie sich am Ende mit Silber und Bronze zufrieden geben. „Ich habe mich stark gefühlt auf der letzten Runde. Ich habe Darja vor mir gesehen, und dann bin ich eine totale Kämpferin. Ich habe gemerkt, dass ich ein Quäntchen stärker bin.“ Die Nationalhymne habe sie bei der Siegerehrung total in sich aufgesogen, freute sich Neuner. Auf die Historie gibt die neunmalige Weltmeisterin aber nicht viel: „Das mit der Statistik interessiert mich nicht so, ich werde mir jetzt kein T-Shirt drucken lassen, wo draufsteht: 'Beste deutsche Biathletin' oder 'Alle Neune'.“ 24 Stunden später führte die Doppel-Olympiasiegerin die deutsche Staffel mit einer grandiosen Aufholjagd zur Goldmedaille. Sie krönte sich mit ihrem zehnten Titelgewinn zur erfolgreichsten WM-Biathletin der Geschichte und überholte in der Gesamtwertung die Sowjetrussin Jelena Golowina, die Ende der Achtziger Jahre die Sportart dominiert hatte. Die Silbermedaille ging an das Quartett aus der Ukraine, Dritte wurden die Französinnen. „Das Rennen geht in die Geschichte ein. Das war Wahsinn“, sagte Neuner: „Ich hatte noch nie so viel Kampfgeist. Ich hab beim Laufen geschrien, weil es so weh tat.“ Geschrien und gelacht: „Ich musste mich schon in der Abfahrt freuen. Ich habe nur noch gelacht und gegrinst, weil es so cool war.“ Auch Frauen-Trainer Gerald Hönig strahlte über das ganze Gesicht. „So was habe ich in der Deutlichkeit und Souveränität noch nicht erlebt. Bei den vielen Nachladern war es eine überragende Laufleistung der gesamten Staffel“, sagte Hönig: „Das war eine sehr starke WM von uns.“ Nach den eher durchwachsenen Leistungen von Andrea Henkel, Miriam Gössner und Tina Bachmann war Neuner nach zwei Strafrunden und zwölf Nachladern mit 67,5 Sekunden Rückstand auf die führende Ukraine ins Rennen gegangen. Trotzdem reichte es zum siebten Staffel-Titel für ein deutsches Quartett bei einer WM. Gössner die als Zweite lief, ging hinter Italien und der Ukraine auf Rang drei ins Rennen. Nach zwei Nachladern im Liegendschießen wackelte die Garmischerin im Wind beim Stehendanschlag und ließ insgesamt zwei Scheiben stehen. Trotz der beiden Strafrunden kam Gössner als Vierte zum Wechsel. „Es tut mir total leid. Ich war so aufgeregt und wollte alles perfekt machen, aber es hat nicht geklappt. Der Respekt war sehr groß“, sagte Gössner, die ihre erste Medaille bei den Biathletinnen im Seniorenbereich holte. Zuvor hatte sie im Juniorenbereich zwei Gold-, eine Silber- und eine Bronzemedaille gewonnen und darüber hinaus mit der Langlauf-Staffel WM und Olympia-Silber geholt. Die an Startposition drei laufende Vize-Weltmeisterin Tina Bachmann musste auch viermal nachladen und verlor noch einmal gut 15 Sekunden auf die Spitze. Dafür hatte Neuner einen ganz starken Tag erwischt. Nach nur einem Nachlader im Liegendanschlag und einem perfekten Stehendschießen setzte die Sprint- und Massenstartweltmeisterin von Chanty Mansijsk die vor ihr laufende Oksana Chwostenko mit einer überragenden Laufleistung noch einmal gewaltig unter Druck und überholte sie schließlich locker auf der Schlussrunde. Die vier Ukrainerinnen hatten gerade einmal vier Extrapatronen benötigt. Einen ganz bitteren Tag erlebten die Gastgeberinnen: Die russische Staffel sammelte sage und schreibe sechs Strafrunden und belegte mit mehr als viereinhalb Minuten Rückstand einen desaströsen zehnten Platz. Mit dem Sieg holte die deutsche Mannschaft zum WM-Abschluss mit vier Gold- und drei Silbermedaillen auch noch Platz eins im Medaillenspiegel.

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